Neckar-Odenwald

Am 14. November ist Weltdiabetestag 20-jähriges Bestehen der Diabetes Selbsthilfegruppe Mosbach / Aufklärung mit der Kommunalen Gesundheitskonferenz

Neckar-Odenwald-Kreis hat landesweit die meisten Diabetes-2-Patienten

Neckar-Odenwald-Kreis.Diabetes, auch „Zuckerkrankheit“ genannt, ist eine Stoffwechselerkrankung, von der circa zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen ist. „Die Zahl der Patienten steigt kontinuierlich und ist mit einer hohen Dunkelziffer versehen. Mit Fug und Recht wird Diabetes auch als Volkskrankheit eingestuft“, so Dr. Andrea Schunk, Leiterin der Diabetes Selbsthilfegruppe in Mosbach. Anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November klärt die Kommunale Gesundheitskonferenz des Neckar-Odenwald-Kreises gemeinsam mit der Diabetes Selbsthilfegruppe in Mosbach über die Krankheit auf und unterscheidet zwischen zwei Diabetestypen.

Diabetes stellt Betroffene, Angehörige und Ärzte vor einige Herausforderungen, da der hohe Blutzucker zahlreiche Schäden im Körper verursacht. Noch dazu bleibt die Krankheit oft jahrelang unerkannt, denn Diabetes verursacht keine unmittelbaren Schmerzen. Relevant für die Diagnose sind Blutuntersuchungen. Der Zucker, der sich im Blut befindet, schädigt langfristig Blutgefäße und Nerven.

Schlecht oder unbehandelt hat Diabetes dramatische Folgen: Die Komplikationsrate für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall ist zwei- bis dreifach erhöht. Als Folge des Diabetes kann es zur Dialysepflicht kommen, Menschen können erblinden und sogar Amputationen sind keine Seltenheit.

Unterschieden wird in Diabetes Typ 1, Typ 2, Schwangerschafts-Diabetes sowie weitere seltenere Formen. Dabei ist Typ 2 Diabetes die am weitesten verbreitete Form und tritt oft erst im Erwachsenen-Alter auf. Früher war deshalb auch die Bezeichnung „Altersdiabetes“ gängig. Typ 2 Diabetes wird durch genetische Veranlagung und Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigt. Durch einen ungesunden Lebensstil werden heutzutage zunehmend auch jüngere Menschen und sogar Kinder mit Typ 2 Diabetes diagnostiziert.

Anteil von rund zehn Prozent

Gemäß einer Studie aus dem Jahr 2019 der AOK Baden-Württemberg führt der Neckar-Odenwald-Kreis mit einem Anteil von rund zehn Prozent an Diabetes-2-Patienten die Landesliste an. „Aus diesem Grund setzt die Kommunale Gesundheitskonferenz mit der Präventionsarbeit möglichst früh an, um Diabetes in Folge von Übergewicht und Bewegungsmangel zu minimieren“, erläutert Melanie Rudolf von der Geschäftsstelle.

„Um Diabetes in den Griff zu bekommen, ist auch die Auseinandersetzung mit sich selbst, mit dem eigenen Lebensstil und Angewohnheiten von großer Bedeutung“, empfiehlt Dr. Schunk. Als Diabetiker habe man selbst die Chance, den Erkrankungsverlauf zu beeinflussen und eigenverantwortlich mit seiner Erkrankung umzugehen, so die Leiterin der Selbsthilfegruppe.

Mit diesem Thema befasst sich die Diabetes Selbsthilfegruppe Mosbach schon seit 20 Jahren. Gegründet wurde die Selbsthilfegruppe im Jahr 2000 unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Wolfgang Obermeier und mit Unterstützung der Diabetes Akademie Bad Mergentheim aus der Taufe gehoben. Die Gruppe trifft sich normalerweise immer am ersten Donnerstag im Monat und bietet jeden zweiten Monat einen interessanten Vortrag zu diabetesrelevant Themen an. Bewegung und gemeinsames Kochen haben ebenfalls Platz im Programm sowie zahlreiche Veranstaltungen.

Am Weltdiabetestag sollte das 20-jährige Jubiläum mit einem Vortrag von Dr. Karl Zink, Diabetes-Akademie Bad Mergentheim, festlich begangen werden. Aus bekanntem Grund konnte die Veranstaltung nicht umgesetzt werden. Die Selbsthilfegruppe bedankt sich bei allen Referenten, Unterstützern und Teilnehmern für 20 Jahre Zusammenarbeit zum Wohle der Betroffenen.

Typ 1 trifft insbesondere Jüngere

Diabetes Typ 1 macht etwa drei bis fünf Prozent aller Diabetesfälle aus und tritt insbesondere im Kindes- und Jugendalter auf, kann aber auch später im Erwachsenenalter vorkommen. Bei Diabetes Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem die Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift, die für die Insulin-Produktion zuständig sind. Insulin ist das Hormon, das den Blutzuckerspiegel regelt. Sind die Zellen zerstört, kann kein Insulin mehr hergestellt werden, und somit kein Zucker aus dem Blut in die Zellen zur Verarbeitung eingeschleust werden.

„Der Blutzuckerspiegel steigt, der Zucker kommt aber nicht in den Zellen an. Es ist quasi ein Verhungern im Überfluss“, so Dr. Schunk. Typ-1-Diabetiker sind immer auf die Behandlung mit Insulin angewiesen und müssen sich dieses spritzen, da das Hormon bei der Einnahme im Magen zerstört wird. Die Diagnose verändert das Leben nachhaltig durch Behandlung, Ernährung sowie in der Freizeit und im Beruf. Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar und begleitet einen das Leben lang.

Deutlich höher ist der Anteil an Typ-2-Diabetikern in Deutschland: Bundesweit sind circa 90 Prozent der Diabetiker vom Typ 2, einer chronischen Stoffwechselkrankheit, betroffen, die zu dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten führt. Als Ursache für den hohen Blutzuckerspiegel ist bei dieser Form die sogenannte „Insulinresistenz“ der Körperzellen zu beobachten. Das bedeutet: Die Zellen sprechen auf das körpereigene Insulin immer weniger an, bis sie schließlich unempfindlich, also resistent, dagegen werden. Diabetes Typ 2 kann mit Tabletten zum Einnehmen behandelt werden. Wenn aber die Bauchspeicheldrüse erschöpft und ihre Insulinproduktion ganz einstellt ist, muss auch ein Typ-2-Diabetiker zur Insulinspritze greifen. Diese Form des Diabetes ist durch Änderung des Lebensstils effektiv behandelbar beziehungsweise kann man dem Ausbruch der Krankheit wirksam vorbeugen.

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