Neckar-Odenwald

Abfallwirtschaft Kreistag diskutiert am 16. Oktober über Eckpunkte für die flächendeckende Einführung der Bioenergietonne im Neckar-Odenwald-Kreis

Mit Biofilterdeckel viele Probleme lösen

Darüber, wie die Einführung der Bioabfallsammlung im Neckar-Odenwald-Kreis vonstatten gehen soll, gibt es schon konkrete Vorschläge. Im Kreistag werden sie diskutiert.

Neckar-Odenwald-Kreis. Unter das Pilotprojekt „Restmüllarme Abfallwirtschaft“ wurde ein Schlussstrich gezogen – nun soll die Umstellung auf ein abfallwirtschaftliches Standardsystem erfolgen (die FN berichteten). Ein Teil davon ist die Biotonne. Die KWiN hat sich mit einer Vielzahl von Modellen zur Einführung einer flächendeckenden Bioabfallsammlung in anderen Gebietskörperschaften beschäftigt. Die Ziele, die mit der Umstellung verfolgt werden sollen, sind definiert. Akzeptanz und Verständlichkeit des Systems stehen ebenso im Fokus wie eine hohe Qualität in den Stoffströmen, Kosteneffizienz, weitere Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten im System und die Integration in ein Gebührensystem mit Erfassung der konkreten abfallwirtschaftlichen Leistungen.

Zu befassen hat sich der Kreistag am 16. Oktober mit einigen Vorschlägen dazu, wie die Einführung der Bioabfallsammlung im Neckar-Odenwald-Kreis erfolgen soll. So ist an eine umfassende Werbekampagne gedacht, die die Einführung begleitet. Außerdem soll die Bioenergietonne (BET) nur bereit gestellt werden, wenn sie bestellt wird. Die Haushalte können also frei wählen, ob sie die BET wollen oder nicht. Davon verspricht man sich, dass die Akzeptanz für das Sammlungssystem massiv gestärkt wird. Zudem sollen auch mehrere Haushalte eine gemeinsame Tonne nutzen können. Die Standardgröße soll bei 60 Litern liegen, bei ausreichender Begründung könne allerdings auch ein größeres Gefäß – 120 oder 240 Liter – bestellt werden, zum Beispiel von Müllgemeinschaften oder großen Haushalten mit entsprechend großer Restmülltonne. Ist der Anschlussgrad auf Basis der Zahlen spätestens im Herbst 2021 im Vergleich zu anderen Gebietskörperschaften nicht zufriedenstellend, werden weitergehende Maßnahmen zur Steigerung des Anschlussgrades vorgeschlagen.

Gegen Maden und Geruch

Die Maden- und Geruchsprobleme im Sommer sollen durch den Biofilterdeckel weitgehend gelöst werden. Dieser Weg biete sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile. Beim Biofilterdeckel handelt es sich um einen speziellen, dicht schließenden Deckel, der mithilfe des eingebauten Biofilters aufsteigende Fäulnisgase durch Enzyme neutralisiert. Dies halte Insekten fern (zusätzlich zu der im Deckel eingepressten Gummidichtung) und verhindere unangenehme Gerüche. Das Filtermaterial besteht laut KWiN aus Kokosfasern, ist gänzlich unbedenklich und biologisch abbaubar. Die Haltbarkeit des Biofilterdeckels entspreche der Haltbarkeit eines normalen Abfallbehälters (etwa 15 Jahre). Der Filter selbst habe eine Lebensdauer von etwa zwei Jahren und müsse daher regelmäßig gewechselt werden. Der Landkreis Neu-Ulm habe mit Einführung des Filterdeckels die wöchentliche Abfuhr in den Sommermonaten auf 14-tägig umgestellt. Positive Rückmeldungen gebe es auch aus den Landkreisen Ravensburg und Lörrach.

Die Bioenergietonne soll laut Vorschlag nichts extra kosten, wovon man sich eine Steigerung der Akzeptanz für das Sammlungssystem erhofft. Im Umkehrschluss gebe es deshalb folglich auch keinen Gebührennachlass, wenn man wegen Eigenkompostierung auf die Tonne verzichte.

Die Kosten der Bioabfallsammlung und -verwertung sollen in eine abfallwirtschaftliche Grundgebühr eingerechnet werden. Die Grundgebühr sei von allen Haushalten zu entrichten, also auch von allen Teilnehmern einer Müllgemeinschaft. Die Grundgebühr werde durch eine Behältergebühr für Restmüll ergänzt. Die Behältergebühr für Restmüll beinhalte zunächst 26 Leerungen pro Jahr. Diese Anzahl könne künftig abgesenkt werden, womit man weitere Anreize zur Abfallvermeidung schaffen will. Sperrmüll bleibe zunächst Leistungsbestandteil der abfallwirtschaftlichen Grundgebühr. Ein selbst veranlasster Tausch eines Abfallbehälters soll zukünftig bepreist werden. Nicht betroffen seien beispielsweise aber Zuzüge, Wegzüge und der Austausch defekter Abfallbehälter.

Breites Spektrum

Außerdem will die KWiN der Kampagne „#wirfuerbio“ beitreten. Seit Herbst 2018 gebe es Kontakt zu der hier tätigen Werbeagentur. Ein Beitritt zu der Kampagne sei jederzeit möglich und eröffne den Zugriff auf ein breites Spektrum an Leistungen. Die Kosten (netto) betragen im Beitrittsjahr 6500 Euro, danach 2500 Euro jährlich zuzüglich der Produktionskosten für das Werbematerial wie Poster, Faltblätter und dergleichen.

Die Erfahrung aus anderen Gebietskörperschaften zeige, dass reine Öffentlichkeitsarbeit in der Regel nicht ausreiche, sondern vielmehr durch entsprechende Kontrollen ergänzt werden muss. Es gebe Gebietskörperschaften, die dafür sogar sogennate Müllsheriffs einsetzen (zum Beispiel die Landkreise Heilbronn und Hohenlohe). Man könne allerdings auch auf technische Hilfsmittel zurückgreifen, die geeignet seien, Fehlwürfe im Bioabfall zu erkennen. Das am häufigsten eingesetzte Detektionssystem erkenne Metalle und stamme von der Firma Maier und Fabris GmbH. Die Erfahrung zeige, dass beim Vorhandensein von Metallen auch weitere Verunreinigungen im Biomüll vorliegen. Der Main-Tauber-Kreis habe mit dieser Form der Störstoffdetektion im Rahmen der Sammlung (Installation an der Schüttung) eine deutliche Steigerung der Bioabfallqualität erreicht. Der Fremdstoffanteil sei von 25 auf unter fünf Prozent zurückgegangen. Laut Vorschlag sollen auch im Neckar-Odenwald-Kreis die Biomüll-Sammlungsfahrzeuge mit einem Detektionssystem ausgestattet werden. Dabei beanstandete und stehen gelassene BET sollen bepreist werden und könnten von den Haushalten bei der nächsten Restmüllabfuhr bereitgestellt werden. Eine Abrechnung erfolge über den nächsten Gebührenbescheid.

Durch das zusätzliche Behältervolumen der BET ergebe sich zwangsläufig eine Verringerung der Restmüllmenge. Bislang seien überfüllte Restmüllbehälter in der Regel großzügig geleert worden. Zukünftig sollen nur noch Behälter entleert werden, deren Deckel vollständig geschlossen ist. Die Aktion „Deckel zu“ will man im Vorfeld umfangreich kommunizieren.

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