Neckar-Odenwald

Schulfilm-Woche „Herz statt Hetze“ organisiert vom 9. bis zum 13. März eine Präventionsveranstaltung für Schüler / Auch öffentliche Vorführungen und Vorträge

Lernen aus den Fehlern der „Hassjünger“

Archivartikel

Einblicke in eine dunkle Vergangenheit: In der diesjährigen Schulfilmwoche vom 9. bis zum 13. März dreht sich alles um die beiden „Hassjünger“.

Neckar-Odenwald-Kreis. Zwei Aussteiger erzählen: Unter diesem Motto steht der Film „Hassjünger“, der in diesem Jahr bei der mittlerweile vierten Schulfilm-Woche gezeigt wird. Die Initiative „Herz statt Hetze Neckar-Odenwald-Kreis“ hat in Zusammenarbeit mit der KZ Gedenkstätte Neckarelz das Projekt organisiert, an dem vom 9. bis 13. März zwölf Schulen teilnehmen. Etwa 1200 Schüler profitieren davon und bekommen Einblicke in die Geschichten eines Ex-Salafisten und Ex-Neo-Nazi. Nach dem knapp einstündigen Film stellt sich der in Eberbach aufgewachsene Regisseur Max Damm den Fragen der Schüler. Auch Julia Knopp, die ebenfalls als Regisseurin an dem Film mitwirkte, wird an zwei Terminen in Schulen zu Gast sein.

Aus dem Leben zweier Fanatiker

„Hassjünger“ handelt von zwei Jugendlichen, die in ihrer Pubertät zu Fanatikern wurden. Dominic Schmitz wurde Salafist, produzierte Videos im Auftrag des ehemaligen Salafistenführers Sven Lau und unterwarf sich vollständig den Regeln der Fanatiker. Eine der Folgen war eine – heute geschiedene – arrangierte Ehe, aus der zwei Kinder hervorgingen.

Felix Benneckenstein verbrachte seine Jugend in der rechtsradikalen Szene Bayerns mit Neo-Nazis, wurde dort als Liedermacher bekannt und galt als Star unter den Faschisten. Nazi-Aufmärsche, Saufgelage, Liederabend voller völkischer Musik, Schlägereien und Sachbeschädigungen: Er kapselte sich wie Schmitz von seiner Familie ab und versank im fanatischen Sumpf. Beide waren mehrere Jahre in den jeweiligen Szenen aktiv, doch irgendwann fing das Grübeln an. Die wachsende Aggressivität und Gewaltbereitschaft unter den Salafisten einerseits und die Lücken der rechten Ideologie und deren verworrene Argumentation des Holocaust-Revisionismus andererseits führten bei Schmitz und Beckenstein zum Umdenken.

Konsequenzen noch heute spürbar

Mit zunächst schwerwiegenden Konsequenzen folgte der Ausstieg: Kein Job, zerrüttete Familien- und Freundesverhältnisse und die Drohungen der alten „Freunde“ bereiteten den Aussteigern eine schwere Zeit. Noch heute leiden sie unter den Folgen ihrer Vergangenheit: Bedrohungen gibt es noch immer, ihren Wohnort halten sie geheim. Doch sowohl Schmitz als auch Beckenstein entschieden sich, in der Prävention und der Aussteigerhilfe aktiv zu werden.

Die beiden Regisseure Julia Knopp und Maximilian Damm beschäftigten sich mit den Themen Radikalisierung und Prävention und kamen dadurch in Kontakt mit Schmitz und Beckenstein, woraufhin der Film „Hassjünger“ entstand. Deutlich wurde bei der Zusammenarbeit: Trotz individueller Ursachen für eine Radikalisierung ähnelten sich die Muster, die den Weg dahin ebneten. Mangel an persönlichen Ressourcen, Probleme in der Familie oder im Freundeskreis und emotionale Defizite spielten jeweils eine entscheidende Rolle bei den Protagonisten des Films. Und auch bei den Gruppierungen – sowohl bei den Salafisten als auch bei den Neo-Nazis – gibt es sich ähnelnde Prinzipien und Muster.

„Unsere ,politischen Gegner’ werfen uns häufig vor, dass wir uns nur auf die ,rechte Ecke’ konzentrieren. Daher kam die Idee, diesen Film für die Schulfilmwoche auszuwählen, da er religiösen und rechtsradikalen Fanatismus als Thema behandelt“, erzählen die beiden Hauptverantwortlichen der „Herz statt Hetze“-Initiative, Markus Dosch und Alexander Weinlein. Es gehe bewusst darum, sich breiter aufzustellen und für den Extremismus zu sensibilisieren. „Zwei gleiche Lebenswege, aber unterschiedlichen Denkweisen und Hass-Formen: Man gerät schnell und ohne es groß zu merken, in eine Spirale. Ehe man sich versieht, ist man darin gefangen.“ Genau deshalb sei der Film so einprägsam und passend für die Filmwoche. Die Zusammenarbeit mit den Schulen sei auch auf Basis der vorherigen Jahre problemlos verlaufen. Gefördert wird die Schulfilm-Woche durch den Förderfonds Demokratie, die Amadeu Antonio Stiftung und den Jugendfond Neckar- Odenwald-Kreis. Die Bücherei des Judentums in Buchen, das Kino Neckarelz, die Löwenlichtspiele Walldürn sowie die Layout- und Grafikfirma Brandwash unterstützen das Projekt.

Vorträge am 11. und 12. März

Der Film wird außerdem am Dienstag, 10. März, im Walldürner Kino Löwenlichtspiele und am Donnerstag, 12. März, im Kino Neckarelz aufgeführt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Karten gibt es an der Abendkasse. Abgerundet wird die Woche mit zwei öffentlichen Vorträgen von Timo Büchner: Der Autor spricht am Mittwoch, 11. März, im Buchener Klösterle (Sakralraum) über „Antisemitismus in der rechten und völkischen Musik“ und am Donnerstag, 12. März, in der KZ Gedenkstätte Neckarelz über „Der Begriff Heimat in der rechten Musik“. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Statt Eintritt ist eine kleine Spende erwünscht.

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