Neckar-Odenwald

Start der Getreideernte Beim Weizen erwartet die BAG Franken die besten Hektarerträge

Landwirte hoffen, „mit einem blauen Auge davon zu kommen“

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.„Die Mähdrescher der Landwirte sind bereit. Unsere Silos nahezu komplett leer, die alterntigen Getreidebestände verkauft, wir haben Platz für die neue Ernte“, freut sich Michael Wirth, der Abteilungsleiter Agrar der BAG-Franken. Die BAG mit ihrer über 100-jährigen Geschichte ist die feste Größe und der Marktführer im Agrargeschäft zwischen Neckar und Tauber.

„Das spannende in unserer Branche ist, dass keine Saison der anderen gleicht, jedes Jahr hat seine eigenen Herausforderungen,“ kennt Wirth seine Aufgabe. Die Erwartungen an die diesjährige Ernte sind durchwachsen: Schäden durch Kahlfröste haben vor allem die Wintergerste und den Raps mitgenommen. Dann gab es von Ende März bis Mitte Mai eine Trockenperiode. Das Getreide hat auf den Wassermangel mit weniger Ähren pro Quadratmeter reagiert und steht nun teilweise recht dünn auf den Feldern. „Glücklicherweise hatten wir ab Mitte Mai immer wieder mal Regen und auch keine allzu hohen Temperaturen, so dass wir mit einer guten Kornausbildung rechnen und hoffen können, doch noch mit einem blauen Auge davon zu kommen,“ bringt Geschäftsführer Uwe Schöttle die Stimmung auf den Punkt. Trotzdem rechnet die BAG-Franken mit einer Ernte, die insgesamt wohl unter dem Vorjahr liegen dürfte.

„Der Weizen sieht meist recht gut aus, hier erwarten wir noch die besten Hektarerträge. Allerdings wurden im vergangenen Herbst weniger Flächen mit Weizen bestellt, dafür hat die Anbaufläche bei der Braugerste zugenommen,“ weiß Michael Wirth. „Auch Dinkel erfreut sich einer immer weiter steigenden Nachfrage, die Landwirtschaft reagiert und hat die Anbaufläche moderat ausgedehnt,“ ergänzt Schöttle, „das wird aber vom Markt gut aufgenommen.“

Im südlichen Geschäftsgebiet der BAG um Bad Friedrichshall und Neuenstadt wurde bereits die Winterbraugerste gedroschen. Die Ergebnisse brachten – je nach Frostschädigung – sehr unterschiedliche Mengen, von vier bis acht Tonnen pro Hektar, berichten die Landwirte. Die eingefahrenen Qualitäten können sich dagegen sehen lassen: hohe Vollgerstenanteile und ein Rohproteingehalt von zehn bis elf Prozentsind ideal für die Mälzereien.

In den nächsten Tagen wird die Ernte von Raps beginnen, bevor in etwa zehn Tagen die Haupternte mit den Feldfrüchten Weizen, Braugerste, Hafer, Roggen und Dinkel beginnt.

Insgesamt vermarktet die BAG etwa 80.000 Tonnen Getreide von Landwirten aus der Region. Davon sind rund 3000 Tonnen aus ökologischer Erzeugung, die werden im Standort Rosenberg und in der Getreidemühle Heuchlingen erfasst. In Heuchlingen wird seit zwei Jahren ausschließlich Bio-Mehl aus regionaler Erzeugung produziert.

Die Wurzeln der Bezugs- und Absatzgenossenschaft (BAG) Franken gehen bis ins Jahr 1903 zurück. Das Geschäftsgebiet erstreckt sich von Heilbronn im Süden bis Buchen im Norden. Die BAG betreibt insgesamt elf Standorte, an acht werden Getreide und Raps erfasst beziehungsweise verarbeitet. Ebenso gehören fünf Raiffeisenmärkte, eine Energiesparte und die Getreidemühle in Heuchlingen mit angeschlossenem Wasserkraftwerk der BAG. Sie beschäftigt über 120 Mitarbeiter und erzielte 2019 einen Umsatz von 66,6 Millionen Euro.

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