Neckar-Odenwald

Stellungnahmen zur Corona-Zwischenbilanz Fraktionen sprechen sich für ein Umdenken aus und warnen vor „harten Zeiten“

Kurswechsel im Gesundheits- und Pflegesystem gefordert

Neckar-Odenwald-Kreis.Unisono fiel am Mittwoch in der Kreistagssitzung in Walldürn die Botschaft der Kreistagsfraktionen aus: Einerseits dankten sie den Mitarbeitern des Landratsamtes, der Krankenhäuser, der Hilfsorganisationen, den vielen Pflegern und Helfern in der Corona-Krise. Und doch fiel der Ausblick auf die kommenden Monate, vor allem in finanzieller Hinsicht, äußerst trübselig aus.

„Vieles nicht mehr leistbar“

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir uns als Landkreis nicht mehr so viel leisten können“, betonte Dr. Norbert Rippberger im Namen der CDU. „Es folgen vermutlich sogar noch schwierigere Jahre als nach der Finanzkrise. Wir werden noch lange mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen haben – ausgefallene Urlaube sind unser geringstes Problem.“ Heide Lochmann (SPD) meinte, dass Beifall und ein Dankeschön an die vielen Helfer nicht ausreichen. Schon vor dem Virus sei klar gewesen, dass es beispielsweise in der Pflege eine gerechtere Bezahlung benötige. „Und durch die Krise ist die Bedeutung der Krankenhäuser im ländlichen Raum noch deutlicher geworden“, meinte sie als Seitenhieb in Richtung des baden-württembergischen Gesundheitsministers Manfred Lucha. Der Landkreis habe bei vielen Themen in der Krise umsichtig gehandelt.

Dieser Meinung war auch Thomas Ludwig von den Freien Wählern, der auch den politisch Verantwortlichen auf Landes- und Bundesebene ein Lob aussprach. „Deutschland hat die Weichen richtiggestellt, denn die Ausbreitung wurde so verlangsamt, dass das Gesundheitssystem nicht geborsten ist und dass schon seit einigen Tagen wieder ,Lockerungsübungen’ möglich sind.“ Kein Verständnis habe er für das Verhalten der Demonstranten. Die Gesundheit als Teil der persönlichen Unversehrtheit jedes einzelnen Individuums habe höchste Priorität, dafür müssten gegebenenfalls auch andere Freiheitsrechte zurückstecken. Selbstverständlich dürfe dies nur so lange geschehen, wie es der epidemiologische Verlauf erfordere. „Überzeugungen in Form von Massenansammlungen unter freiem Himmel samt Steine- und Flaschenwerfern sowie Übergriffen auf Polizisten einzufordern ist kontraproduktiv. In diesem Fall wäre ,zu Hause bleiben’ der größte Beitrag für das Gemeinwohl gewesen“, kritisierte Ludwig.

Für die Grünen sprach Simone Heitzmann, die auch nicht an deutlicher Kritik am Gesundheitsminister und -system sparte. „Wir brauchen einen Kurswechsel in der Gesundheitspolitik“, betonte sie und meinte, dass diese Forderungen auch an Minister Lucha herangetragen wurden. Tobias Eckert von der AfD schloss sich dem Wunsch nach einem Umdenken im Gesundheits- und Pflegesystem an und forderte vom Landkreis „logische, nachvollziehbare und durchdachte Maßnahmen“. Er regte außerdem an, den Unterrichtsbeginn an den Schulen unterschiedlich zu staffeln, um die öffentlichen Verkehrsmittel zu entlasten. Achim Walter (FDP) kritisierte, dass die Verantwortung an die Landkreise abgegeben wird. „Das müssen Bund und Land übernehmen“, forderte er. ms

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