Neckar-Odenwald

Gespräch mit Landwirten FDP-Bundestagsabgeordnete Carina Konrad suchte das Gespräch / Öffentliches Negativ-Image kritisiert

Kaum Bereitschaft für höhere Preise

Neckar-Odenwald-Kreis.Auch positive Nachrichten aus der Landwirtschaft, das wünschen sich die Bauern und Carina Konrad, FDP-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Landwirtschaft und Ernährung. Conrad war auf Einladung von Dr. Jens Brandenburg, dem FDP-Bundestagsabgeordneten, in die MFV-Gaststätte nach Mosbach gekommen. Die anwesenden Landwirte aus dem Raum Mosbach und Buchen störte besonders, dass Tatsachen und Fakten in den Medien oft verdreht würden und es keine wirksamen Möglichkeiten gebe, diese richtigzustellen.

Kritik an Medien und „Stallvideos“

Sie werfen den Medien generell vor, „nicht immer sachgerecht“ zu berichten. In den Leitmedien werde häufig über „schwarze Schafe“ berichtet, die einen ganzen Berufsstand verunglimpfen. Auch sogenannte „Stallvideos“, von Tierschutzorganisationen nach Einbrüchen in Ställe gedreht, trügen zum Negativ-Image bei. Das negativ gefärbte mediale Meinungsbild habe spürbare Auswirkungen, so Gastrednerin Carina Konrad. So käme es beispielsweise vereinzelt dazu, dass in der Schule Kinder von Landwirten regelrecht „gebasht“, also öffentlich beschimpft, würden. Zudem leide darunter auch die Bereitschaft zur Übernahme von Betrieben. Und sind die landwirtschaftlichen Flächen erst einmal stillgelegt, werden sie zumeist nicht wieder reanimiert, so Konrad. Dabei würden Landwirte nachhaltig für die nächste Generation wirtschaften, woran sich bis heute nichts geändert habe.

In der Diskussion ging es um nichts weniger als „die Zukunft der Landwirtschaft“. Konrad forderte „Dampf aus dem Kessel“ zu nehmen und aktiv zu einem Wandel des Meinungsbilds in der Landwirtschaft beizutragen sowie verstärkt die positiven Botschaften nach vorne zu bringen. Denn häufig würden nur Meinungen zugelassen, die ins ideologische Bild passen.

Nachwuchs und Investitionen

Die studierte Landwirtin, die gemeinsam mit ihrem Mann den elterlichen Hof bewirtschaftet, hat sich in die Politik begeben, um die Belange der Bauern in die Partei zu transportieren. Es wurde gleich ein politisches Amt daraus. Die Landwirtschaft befindet sich nach Meinung Konrads in einer „existenzbedrohten Lage“. Dass der Nachwuchs wegbricht, sei das eine, hinzu kämen Investitionserfordernisse, die mancher landwirtschaftliche Betrieb finanziell nicht stemmen könne. Nicht selten sieht der Nachwuchs daher bessere Perspektiven außerhalb Deutschlands wie etwa in landwirtschaftlichen Betrieben in Russland, meint die Politikerin. In Deutschland drohe die heimische Produktionsbasis abhandenzukommen. Generell sei die Bereitschaft in Deutschland, auskömmliche Preise für Lebensmittel zu zahlen, unterentwickelt. Der Nachbar Frankreich zeige da ein anderes Bild. Selbst bei den Discounterfilialen gebe es im Nachbarland viele Waren mit französischer Herkunftsbezeichnung, weil der Franzose darauf Wert lege. Wer aber den Anspruch habe, vor der Haustür erzeugte und möglichst ökologisch hergestellte Lebensmittel verbrauchen zu können, müsse für diese auch tiefer in die Tasche greifen.

Der Bewusstseinswandel müsse „ganz unten in den Schulen ansetzen“ und hier nahm sie gleich ihren Parteifreund, den Bildungspolitiker Brandenburg, mit ins Boot. Denn es müsse vermittelt werden, dass es nicht reiche, eine Verpackung aufzureißen, um „Lebensmittel-to-go“ zu konsumieren.

Kritisch sieht Konrad generell auch die Landwirtschaftspolitik. Bei der Düngemittelverordnung hätten fachfremde Politiker über Dinge entschieden, die nicht alle zur Gänze verstanden hätten. Und bei der Grundrente habe man mit den Landwirten eine ganze Branche „außen vor“ gelassen.

Von den Anwesenden, die überwiegend vom Fach waren, kamen Beiträge zur Bedeutung von Humus, der mehr CO2 binden würde als der Wald. Und eine gut integrierte Premiumlandwirtschaft produziere mehr Humus als ökologisch ausgerichtete Betriebe, was in die Kohlendioxidbilanz miteinfließen müsse. Weiter bezweifelten die Anwesenden die Echtheit von manchem „Stallvideo“. Sie verurteilten Lebensmittelangebote zu Dumpingpreisen und nahmen ihrerseits die Landwirtschaftspolitik der EU kritisch in den Blick. hil

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