Neckar-Odenwald

Ein besonderes Jahr für Wespen Durch die lange Hitzeperiode leiden sie sehr unter Stress / Vorhandene Nester fallen vielen Menschen erst jetzt auf

Insekten nun öfter in Wohnungen anzutreffen

Archivartikel

Wespenalarm: Peter Bussemer, Naturschutzfachkraft beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis, muss derzeit öfter zu Betroffenen, um sie zu beraten.

Neckar-Odenwald-Kreis. Das Telefon von Naturschutzfachkraft Peter Bussemer, der beim Landratsamt arbeitet, klingelt in den letzten Tagen öfter. Grund sind verstärkt Menschen, die Wespennester melden, die sie gern wieder los würden. Dann ist Beratung angesagt.

„Viele Menschen haben gar nicht bemerkt, dass sie ein Wespennest unter dem Dach haben. Doch jetzt kommen die Insekten teilweise in die Wohnungen, da die Königin das Volk nicht mehr steuert“, erklärt Bussemer. Dies könne eintreten, weil sie entweder bereits tot ist oder weil ihr Pheromonhaushalt nicht mehr ausreicht. Deshalb vagabundieren die Insekten jetzt und treten deshalb auch öfter in Erscheinung. Manchmal fliegen sie schon nicht mehr, sondern krabbeln nur noch. „Sie können aber bis zum Schluss stechen“, warnt die Naturschutzfachkraft vor unüberlegten Aktionen.

2018 ist ein besonderes Jahr für die Wespen. Durch die lange Hitzeperiode leiden sie sehr unter Stress. Zunächst hatten sie sich auf den Bau des Nestes und die Erzeugung von Arbeiterinnen konzentriert. Auch die Kühlung des Nestes hat in diesem heißen Sommer viel von den Insekten abverlangt und das Volk insgesamt geschwächt, da das Schlagen mit den Flügeln viel Energie benötigt. Die letzte Generation sei deshalb auch etwas kleiner ausgefallen.

Menschen beraten

So richtig lästig, weil am Tisch gern präsent, sind die Deutsche und die Gemeine Wespe. Wird ein Nest von einer dieser Arten festgestellt, ist eigentlich keine Befreiung von Amtsseite für deren Vernichtung nötig. Aber Peter Bussemer will die Menschen beraten und versuchen sie aufzuklären. „Auch mit solchen Insekten kann man zusammenleben“, ist seine Meinung, schließlich seien sie ja auch nützlich. Bekommt man ungebetenen Besuch, braucht man keine Angst zu haben, aber die Ruhe zu bewahren, ist wichtig.

Allergiker allerdings müssen aufpassen. Wie das Gesundheitsamt erklärte, kommt es bei dem Allergiker- Mittel „Epinephrin“ deutschlandweit zu Lieferengpässen. 3,5 Prozent der Bevölkerung benötigen dieses Mittel. Wer zu diesem Personenkreis gehört, sollte daher seine Freizeitgestaltung gut überdenken oder sich mit dem Arzt wegen der Nutzung alternativer Mittel in Verbindung setzen. Die gängigen Mittel wie Salben, Tabletten und dergleichen stehen hingegen weiterhin ausreichend zur Verfügung.

Wann das Treiben nun ein Ende hat, ist laut Peter Bussemer witterungsabhängig. Doch wenn jetzt die Nächte kühler werden oder eine Regenperiode eintritt, verlieren die Wespen schnell an Kraft. Sicher dagegen ist, dass ein einmal genutztes Nest nicht wieder belegt wird. Da die Völker im Herbst ihr Nest verlassen und sich die Jungköniginnen, die ja überwintern, im Folgejahr einen neuen Nistplatz suchen, ist die Angst vor einem ungebetenen Dauergast völlig unbegründet.