Neckar-Odenwald

Gott: Vater oder Arbeitgeber?

Archivartikel

Die Sommerferien sind rum, die Schule hat wieder begonnen, die Kinder müssen morgens fertig gemacht werden, der Haushalt ist zu erledigen, dann ein paar Tage in der Woche arbeiten, einkaufen. Die Großeltern sind pflegebedürftig. Die vielen Aufgaben erdrücken mich. Es gibt so viel zu tun, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll und wo mir der Kopf steht! Der Alltag hat mich fest im Griff, ich fühle mich wie im Hamsterrad. Nachher die Kinder von der Tagesstätte abholen, dann kommt Larissa aus der Schule, Mittagessen vorbereiten, Spülmaschine einräumen und heute Nachmittag Tom bei den Hausaufgaben helfen, weil er sich damit immer so schwertut. Heute Abend werde ich wieder direkt nach der Tagesschau auf dem Sofa einschlafen. Manchen Eltern mag diese Szene aus dem Leben einer Familie bekannt vorkommen. In der Bibel wird uns auch von so einer Familienepisode berichtet. Zwei Schwestern hatten Jesus zu sich in ihr Haus zu einer Mahlzeit eingeladen. Martha – so hieß die eine Schwester – legte sofort los und machte sich viel Arbeit, für das Wohl ihrer Gäste zu sorgen, die ins Haus gekommen waren. Maria – die andere Schwester – setzte sich Jesus zu Füßen und hörte ihm zu. Martha sah sich dies eine Zeit lang mit an und sagte ungeduldig zu Jesus: „Herr, findest Du es richtig, dass mich meine Schwester die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ „Martha, Martha“, erwiderte Jesus, „du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe, aber notwendig ist nur eines. Maria hat das Bessere gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.“

Wer ist Gott für Dich? Vater oder Arbeitgeber?

Natürlich ist es wichtig, seinen Pflichten nachzukommen, Gäste ordentlich zu bewirten, die man eingeladen hat, für ein leckeres Essen zu sorgen, die Getränke bereit zu stellen und all die nötigen alltäglichen Aufgaben zu erledigen. Keine Frage! Und dennoch lobt Jesus Maria, die sich für die bessere Variante in der Nachfolge Gottes entschieden hat. Vor aller Arbeit, vor allem Planen und Organisieren steht das Hören auf Gottes Wort. Sie sitzt still zu Jesu Füßen und ist eine Hörende, noch bevor sie an die Tat geht. Martha dagegen war völlig in Anspruch genommen von dem vielen Dienst, den sie für den Herrn und seine Nachfolger tat. Doch Jesus gönnt uns das Hören auf seine heilsamen und kraftgebenden Worte, eine Oase der Ruhe, der stillen Zeit, wo wir einen Abschnitt in der Bibel lesen, den Gottesdienst besuchen, beten, mit Gott im Gespräch sind. Wann haben Sie sich das letzte Mal hingesetzt, um in der Stille vor Gott Kraft zu tanken? Sei es im Gottesdienst, im Hören einer Andacht, z. B. im Radio, oder beim Lesen eines Abschnittes aus der Bibel? Wann haben Sie sich das letzte Mal eine viertel Stunde Zeit genommen für Gott? Um auf ihn zu hören, was er uns zu sagen hat? Nehmen wir uns ein Beispiel an Maria: Sie betrachtet Gott nicht als ihren Arbeitgeber, dem sie dient, sondern als Freund, dem sie zuhören kann und der Worte des Lebens für sie bereithält. Gönnen Sie sich immer wieder Auszeiten, nehmen Sie sich die Zeit, um auf Gottes Wort zu hören. Gott redet zu uns. Auch heute noch. Fangen Sie einmal an, die Bibel jeden Morgen aufzuschlagen, so wie Sie die Tageszeitung jeden Morgen aufschlagen.

Sie werden staunen, welche guten Nachrichten Gott für Sie in seinem Buch bereithält.

Pfarrer Dr. Dietmar Reizel, Ravenstein

Zum Thema