Neckar-Odenwald

Gott nimmt uns bei der Hand

An die Hand nehmen – In die Hand nehmen: Liebe Leser, die beiden genannten Redewendungen unterscheidet nur ein einziger Buchstabe. Und doch verändert dieser Buchstabe vollkommen die Bedeutung.

Was steckt hinter diesem Wortspiel? „Jemanden an die Hand nehmen“: Im Lexikon· stehen dazu verschiedene Definitionen. Es bedeutet, jemanden in Obhut, in Schutz oder unter seine Fittiche zu nehmen. Wenn ich jemanden an die Hand nehme, gehe ich mit dieser Person und passe auf sie auf. Im negativen Sinn kann es bedeuten, dass ich jemandem sage, was er zu tun und zu lassen hat. Dieses „an die Hand nehmen“ kann sich auf viele Menschen beziehen: auf ein Kind, um es zu führen und zu schützen. Auf einen Erwachsenen, der schutzbedürftig ist. Oder auf jemanden, der in einen unbekannten Inhalt eingeführt werden soll. Religiöse, christlich geprägte Menschen beziehen dieses „an die Hand genommen“ auch auf Gott: Gott nimmt uns bei der Hand und führt uns durch das Leben. Er gibt uns Kraft, wo wir es alleine nicht schaffen. Gott gibt das Versprechen: Ich nehme dich an die Hand, du bist nicht allein. Und dieses Versprechen endet nicht mit dem Tod. Gott nimmt uns bei der Hand und führt uns in seine Ewigkeit.

Es ist eine tiefe Sehnsucht von allen Menschen, ob religiös denkend oder nicht, in positivem Sinn und in großer Freiheit, an die Hand genommen zu werden. Dazu gehört auch, dass ich es zulassen kann, an die Hand genommen zu werden. Diese Sehnsucht gibt es besonders in Zeiten der Unsicherheit, der Verunsicherung, des Zweifels und der Angst. Und jede Generation erlebt solche Zeiten. Wir brauchen nur an diese jetzige Zeit der Corona-Pandemie denken. Von Menschen oder von Gott an die Hand genommen zu werden, ermöglicht es, dass unsere Schritte fester und sicherer werden können, trotz aller Unsicherheit.

Wer sich an die Hand genommen weiß, von Menschen und/oder von Gott, kann sein Leben in die Hand nehmen. Mein Leben in einem solchen Halt in die Hand nehmen zu können bedeutet, es zu ergreifen, zu gestalten, anzupacken, etwas in die Wege zu leiten beziehungsweise in die Tat umzusetzen und etwas Gutes zustande bringen zu können. Für viele von uns sieht dies anders aus, weil jede Lebenssituation verschieden ist. Nehmen wir uns gegenseitig an die Hand, lassen wir uns vielleicht auch von Gott an die Hand nehmen, um unser Leben selbst in die Hand nehmen zu können. So wünsche ich uns allen ein gelingendes und gelungenes Leben!

Lucia Eller, Gemeindereferentin der Seelsorgeeinheit Adelsheim-Osterburken-Seckach.

Zum Thema