Neckar-Odenwald

Holzwirtschaft in der Corona-Krise Neue Strategien gefragt / Gedrosselte Produktion der Sägewerke verzögert Aufarbeitung des Sturmholzes

Förster müssen kreativ werden

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Das Corona-Virus macht auch vor der Forstwirtschaft nicht halt. Vom weltweiten Zusammenbruch der Märkte und Lieferketten sind auch Waldbesitzer und Forstleute hierzulande immer stärker betroffen. Ganz besonders spürbar wird das jetzt bei der Aufarbeitung des Sturmholzes, das zu überwiegenden Teilen aus Fichte besteht. Normalerweise ist diese als Bauholz sehr gut nachgefragt, doch nun stockt der Absatz. Sägewerke haben ihre Produktion gedrosselt – und das Holz bleibt im Wald liegen.

Ganze Wälder betroffen

Dies ist für den Wald eine fatale Entwicklung, die langfristig schwere Folgen haben kann. Denn mit den warmen Frühlingstemperaturen erwacht der Borkenkäfer und findet in den tausenden Fichtenstämmen die perfekten Brutbedingungen, um sich massenhaft zu vermehren. Die frisch ausfliegenden Käfer wiederum befallen in der Folge die noch gesunden Fichten und könne so weitere Waldflächen zum Absterben bringen. Strategie und Kreativität sind bei den Forstleuten nun das Gebot der Stunde, insbesondere für die Revierleiter im Staatswald.

ForstBW, und damit der Landeswald Baden-Württembergs, ist FSC-zertifiziert und verpflichtet sich dadurch, den Einsatz von Insektiziden auf Holzlagern nur im äußersten Notfall zu realisieren. Einige Alternativen stehen zur Verfügung, um das Holz in sicherer Entfernung zu anderen Nadelholzbeständen und gleichzeitig so zu lagern, dass die Holzqualität einigermaßen erhalten bleibt: Zum Beispiel die Nasslagerung an Bächen oder Flüssen, sofern dies die wasserrechtlichen Auflagen erlauben. Hier wird das Holz durch ständige Beregnung so nass gehalten, dass es für den Borkenkäfer unattraktiv ist.

Eine weitere Möglichkeit ist die Trockenlagerung auf für die Lagerdauer stillgelegten landwirtschaftlichen Nutzflächen mit mindestens einem Kilometer Abstand zum nächsten Nadelwald. Bei dieser Konservierungsart wird das Holz so schnell getrocknet, dass es für den Käfer wiederum zu trocken und damit uninteressant wird. Für die dritte Variante, die Umlagerung von Nadelholz in große Laubwälder mit keinen oder geringen Nadelbaumanteilen, hat sich unter anderem Revierleiter Thilo Sigmund vom Forstrevier „Grauer Forst“ entschieden. Der Distrikt liegt sehr verkehrsgünstig an der B 27 kurz vor Buchen und besteht überwiegend aus Laubholz. Deshalb hat Sigmund den Teil des Sturmholzes, der in relativer Nähe zu diesem Distrikt liegt, nach der Aufarbeitung hierherfahren lassen. Ordentlich aufgeschichtet lagern jetzt knapp 700 Kubikmeter Fichtenholz an der großen Wegkreuzung unter hellgrünem Buchenlaub.

Der Buchdrucker, der Fichtenborkenkäfer schlechthin, hat die Stämme bereits entdeckt und bohrt sich ein. Sigmund hofft, dass das Holz abgefahren und verarbeitet werden kann, bevor die erste Brut in sechs Wochen flügge wird. Andernfalls muss der große Buchenwald mit seinem dichten Laub als Schutzschild die Käfer so verwirren, dass sie keine neue Nahrung finden. „Nadelholz in Laubbestände umzulagern, ist auch nur ein Kompromiss“, so Sigmund.

„Die zusätzlich entstehenden Transportkosten belasten den marktbedingt ohnehin schlechten Holzpreis erheblich. Organisation und Logistik sind aufwendig und längst nicht in allen Gebieten zu realisieren. Gleichzeitig ist ungewiss, ob das Kalkül, den Borkenkäfer so in seine Schranken zu weisen, auch aufgeht.“ Sigmund blickt mit Sorge in die Zukunft.

Er hofft, dass die kürzlich eingetroffene Mitteilung über die beginnende Holzabfuhr ab Mitte Mai Bestand haben wird.

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