Neckar-Odenwald

Diskussion um durchgängige Bahnverbindungen Betreiber der betroffenen Strecke meldet sich zu Wort / Abellio nennt Kritik nachvollziehbar

„Entscheidung ist planerisch gut und richtig“

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Im Zusammenhang mit den im Fahrplan für 2021 vermissten durchgängigen Regionalbahnzügen der Linie RE 10 im Neckartal meldet sich nun auch der Betreiber der Strecke, das Eisenbahnunternehmen Abellio, zu Wort.

Enttäuschung verständlich

Pressesprecherin Hannelore Schuster schreibt dazu: „Wir können die Enttäuschung aus dem Neckar-Odenwald-Kreis und von Landrat Dr. Achim Brötel darüber nachvollziehen, dass es eine durchgängige Linie RE 10 Mannheim-Heilbronn-Stuttgart-Tübingen, wie ursprünglich im Verkehrsvertrag vorgesehen, nicht geben wird.“ Einen durchgängigen Verkehr hatte der Elzmündungsraum gefordert, nachdem er im Zuge der Einführung der Heilbronner Stadtbahn-Nord im Jahr 2014 einige solche Verbindungen in die Landeshauptstadt verloren hatte. Nicht wenige Berufspendler, die seitdem in Friedrichshall, Neckarsulm oder Heilbronn umsteigen müssen, beschwerten sich. Daraufhin sagte das Land, beziehungsweise seine zuständige Tochter, die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, die Einführung einiger durchgängiger Züge zum Winterfahrplan 2019 zu. Das wurde aufgeschoben, weil die bestellten Züge zur Bedienung der Strecke noch nicht ausgeliefert waren. „Wir wurden auf 2020 und dann auf Sommer 2021 vertröstet“, so Landrat Dr. Brötel zur Sachlage. Anders sei das seitens des Landes nie kommuniziert worden.

Zudem sei über Jahre hinweg immer nur von einer Regionalexpress-Linie von Mannheim über Heilbronn nach Stuttgart die Rede gewesen. Die Verlängerung nach Tübingen – „warum eigentlich?“, fragt Brötel –, die jetzt offenbar die Probleme bereite, sei dann erst beim Ausschreibungsfahrplan plötzlich zum ersten Mal aufgetaucht. Insofern stelle sich geradezu zwangsläufig die Folgefrage, warum man die Linie nicht in Stuttgart breche, wenn es schon eine Verlängerung sein müsse, von der vorher nie die Rede war. Brötel: „Heimlich, still und leise wird uns jetzt eine ’Konzeptänderung’ untergejubelt, mit der das Land noch dazu wortbrüchig wird.“

Abellio dagegen unterstützt die Position des Landes: „Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg als für die Koordinierung des Schienenpersonennahverkehrs im Land zuständige Gesellschaft hat sich dazu entschlossen, auf diese Direktverbindung weitestgehend zu verzichten, um die Betriebsabläufe im Stuttgarter Netz weiter zu stabilisieren. Aus unserer Sicht als Eisenbahnverkehrsunternehmen und Betreiber der Linie ist diese Entscheidung planerisch gut und richtig. Nur so kann auf der vorhandenen Infrastruktur die Betriebsqualität im Netz verbessert werden.“

Hannelore Schuster erklärt dann, dass die Fahrgäste aus dem Neckar-Odenwald-Kreis nicht komplett auf durchgehende Fahrten verzichten müssten. „Bereits heute fahren drei Züge im morgendlichen Pendlerverkehr durchgehend von Neckarelz bis nach Tübingen.“ Start ist immer werktags um 6.19 Uhr, 6.50 Uhr und 7.52 Uhr ab Neckarelz. Dabei handelt es sich aber um Regionalbahnen, nicht um Expresszüge, so Brötel. Zudem ist an diesen Zügen nur neu, dass sie nun bis nach Tübingen fahren. Doch nur wenige brauchen die Verlängerung nach Tübingen. Die meisten Fernpendler wollen nur bis Stuttgart. Und dahin kamen sie schon bisher umsteigefrei von Neckarelz ab, denn diese Züge gibt es schon Jahrzehnte – länger als die Stadtbahn und die S-Bahn. Neu ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember fährt Abellio in der abendlichen Hauptverkehrszeit ab Stuttgart weitere Züge umsteigefreie in der Gegenrichtung. Dazu sagt Dr. Brötel, dass diese Züge Ausfluss aus dem vom Kreis mitfinanzierten Mobilitätspakt Heilbronn/Neckarsulm seien. Eine weitere abendliche Verbindung von Tübingen nach Neckarelz kündigt Abellio ab Juni 2021 an. Dass diese umsteigefreien Fahrten bisher noch nicht umgesetzt waren, begründet Abellio mit einem anhaltenden Lieferverzug der bestellten Bombardier-Talent 2-Fahrzeuge für das Stuttgarter Netz.

Gesprächsangebot des Landes

Landrat Brötel teilte den FN noch mit, dass es ein Online-Gesprächsangebot des Verkehrsministeriums für den 11. November gebe. „Das Datum passt absolut zum Thema“, so Achim Brötel sarkastisch. sab

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