Neckar-Odenwald

Die Kraft des Evangeliums

Es gibt Texte in der Bibel, die sind anders. In ihnen kommt das Wort Gottes und die Kraft des Evangeliums deutlicher zum Ausdruck als bei anderen. Dazu gehören zum Beispiel die Seligpreisungen aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 5) oder auch der Prophetentext aus der Lesung dieses Sonntags.

Es sind erstaunlich klare Worte, die Jesaja da sagt: „So spricht der Herr: Teile an die Hungrigen dein Brot aus. Nimm obdachlose Arme ins Haus auf. Wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und entziehe dich nicht deinen Verwandten. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot und deine Heilung wird schnell gedeihen“ (Jesaja 58,7f.).

Präziser und prägnanter hätte es auch Jesus nicht formulieren können. Seine Haltung gegenüber den Mitmenschen war erfüllt von einer großen Offenheit, aber auch von einer tiefen Herzlichkeit sowie einer totalen Bereitschaft, in der Not zu helfen. Jesus wollte den Menschen Weg zu Gott sein und Wegweiser für den Umgang mit unseren Mitmenschen, Lebenshilfe aus dem Glauben, Licht in unserer Dunkelheit. Ja er, der Sohn Gottes, ist als Licht der Welt zu uns Menschen gekommen, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben.

Wer sich Jesus mit gläubigem Herzen anvertraut, seine Frohbotschaft und Liebe annimmt, sich in sein Licht stellt und daraus lebt, in dem wird es hell, und er kann selbst Licht für andere sein in deren Anliegen, Sorgen und Nöten.

Jesu Worte vom „Licht der Welt“ und vom „Salz der Erde“, das wir Christen sein sollen, schließen sich direkt an die Seligpreisungen des vergangenen Sonntags an. Sie sind eine ausdrückliche Würdigung derer, denen Jesus zusagt: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft, verfolgt und verleumdet werdet“ (Mt 5,11).

Und sie gelten allen, die mit ihrer Armut, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit und Versöhnungsbereitschaft und mit ihrer Sehnsucht nach Gerechtigkeit inmitten der Welt die Lebensordnung Gottes leben und verwirklichen wollen im Geiste Jesu Christi.

Wer Gottes Ordnung der Liebe, des Friedens und des Verzichts auf Gewalt und Vergeltung in der Welt lebt, der ist für seine Umgebung wie Salz und Licht: Das Leben bekommt einen neuen Geschmack und wird [wieder] heller. Das eigene Lebenszeugnis kann anderen dann Orientierung und Halt geben, einen neuen Sinn ihres Daseins und Freude am Leben.

Also – sagt Jesus am Schluss des Sonntagsevangeliums – lasst euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Wolfgang Specht, Pfarrer im Ruhestand, Neudenau-Herbolzheim

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