Neckar-Odenwald

Die Familie schützen

Archivartikel

Fünf Jahre sind es her, seitdem die „Enzyklika Laudato si“ von Papst Franziskus erschienen ist. Er beschreibt in seinem Lehrschreiben seine große Verbundenheit und zugleich eine ernst gemeinte Sorge um die Schöpfung, um unser gemeinsames Haus. Ökologie lautet der aus dem Griechischen entlehnte Begriff, in dessen Verständnis wir uns dem Schutz unserer Lebensräume verpflichtet wissen.

Bei der Ökologie geht es um Schutz, Bewahrung und Pflege des Hauses, in dem wir leben. Dieses Lebenshaus ist in erster Linie die Schöpfung Gottes, die wir als Gabe und zugleich als Auftrag unseres Schöpfers bekommen haben, also unsere sichtbare und unsichtbare Welt. Ein solches Lebenshaus ist in diesem Sinne ebenso jede menschliche Familie. Denn eben sie ist entscheidend für unser materielles und geistliches Wohl.

„Familie ist das Kostbarste, was der Mensch im Leben besitzt“ (Adolf Kolping). Darum benötigt jede Familie Schutz und Beistand, wie ein Vogelnest.

Das Leben in der Familie wird verschiedenen Gefahren ausgesetzt. Sie wird oft durch materielle Sorgen verseucht und durch die Winde der verschiedenen Meinungen und Bedürfnisse durcheinandergewirbelt. Die Familie wird durch die Stürme des körperlichen und seelischen Leidens erschüttert und mit Wellen verschiedener Probleme überschwemmt. Sie muss gegen die Dürre der Lieblosigkeit und Hitzeperioden der Unstimmigkeiten, gegen Missverständnisse und Streit ankämpfen.

Dies alles vergiftet oft das familiäre Klima. Die Familie benötigt aber eine lebensnotwendige Atmosphäre der Liebe, Zuneigung, Achtung, des Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung.

Darum müssen alle Familienmitglieder bereit sein, für eine Entrümpelung dessen, was ihre Gemeinschaft „zumüllt“. Der materielle und geistliche Abfall muss dem familiären Recycling unterworfen werden. Die begangenen Fehler, Missverständnisse und Vorurteile sollen durch einen ehrlichen Dialog aufgearbeitet werden, um durch neue Erkenntnisse und Vorsätze die Wertstoffe des gemeinsamen Lebens wieder zu gewinnen.

Auf diese Weise werden neue Ressourcen entdeckt und Synergieeffekte frei gegeben. In diesem Prozess ist es sehr wichtig, die persönlichen Eigenschaften, Talente und Fähigkeiten des Einzelnen zu fördern.

Weil aber alle Familienangehörigen gleichermaßen mit Schwächen belastet sind und ständig Fehler machen, ist der religiöse Glaube und Gottes Nähe von größter Bedeutung. Hier findet die Familie festen Halt, Orientierung und Quelle der inneren Kraft.

In diesem Sinne wünsche ich allen Familien in ihren unterschiedlichsten Ausformungen und Arten ein gutes Klima in ihrem gemeinsamen Haus, das es zu pflegen und schützen gibt.

Joachim Szendzielorz, Diakon Seelsorgeeinheit Neckartal-Hoher Odenwald

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