Neckar-Odenwald

Renate Schnörr verabschiedet Zuverlässig und akribisch die Geschäftsstelle des Kreistags und seine Sitzungen betreut

Die „Chefin“ geht nach 34 Jahren

Neckar-Odenwald-Kreis.Zum Ende der Kreistagssitzung in Schwarzach wurde es ernst, wie Landrat Dr. Achim Brötel sagte. Renate Schnörr, deren berufliche Heimat 34 Jahre lang die Geschäftsstelle des Kreistags war, wurde in den Ruhestand verabschiedet. „Über zwei Jahrhunderte hinweg war sie die gute Seele des Kreistags“, so der Landrat weiter. Dass sie jetzt gehe, sei für ganze Generationen von Kreisräten und Kreisrätinnen, ihn selbst eingeschlossen, unvorstellbar. Man lasse sie ausgesprochen ungern ziehen.

„Immer da“

Denn: „Du warst immer da“, lobte der Landrat. Keiner könne sich an einen Fehltag erinnern. Stets sei Renate Schnörr mit einer ganzen Armada fein säuberlich gespitzter Bleistifte und genausovielen Blocks ausgestattet gewesen, um „alle lichtvollen Ausführungen im Kreistag in Steno zu protokollieren“.

Stets im Blick der Kreisräte und der Presse, saß sie zuverlässig zusammen mit der Verwaltungsspitze am Podium in den Hallen des Landkreises, wenn Kreistagssitzungen auf dem Kalender standen.

Renate Schnörr könne „schneller schreiben als jeder Landrat spricht“, und das habe einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde verdient, so Achim Brötel.

Besonders bemerkenswert sei, dass sie danach alle ihre geheimnisvollen Zeichen noch entziffern könne, was ihm selbst bei seiner eigenen Schrift oft schon am Morgen danach nicht mehr gelinge.

Sanft, aber bestimmt geführt

Gleich drei Landräte – Dr. Gerhard Pfreundschuh, Detlef Piepenburg und er selbst – seien von ihr „mit sanfter Hand, aber durchaus bestimmt geführt worden“. Das habe allen gutgetan. „Der Kreistag hat zwar einen Vorsitzenden, aber eben immer auch eine Chefin gehabt“, schmunzelte Brötel. Er lobte das ausgezeichnete Verhältnis, das ihn mit Renate Schörr verband, was erstaunlich sei, da sie eher auf die starken Männer zum Beispiel des SV Germania Obrigheim stehe.

Wo sich die Vorsitzenden mit zahlreichen Worten abmühten, habe Renate Schnörr gar nichts zu sagen brauchen – sondern habe nur auf unnachahmliche Weise mit den Augen gerollt. „Dann war alles geschwätzt.“

Sitzungstage seien ihr heilig gewesen. „Immer war alles perfekt vorbereitet“, vom Kaffee bis zum Kaltgetränk oder dem Schnaps zum Abschluss. Das habe maßgeblich zum guten Klima im Kreistag beigetragen und sei ihr Verdienst. Es müssen um die 500 Sitzungen sein, die Renate Schnörr seit dem 1. März 1986 betreut hat. Insgesamt mehr als 37 Jahre war sie beim Landratsamt beschäftigt. Vor der Geschäftsstelle arbeitete sie im Personalamt.

Wellnesspaket und Festschrift

Zum Abschied gab es Blumen, ein Odenwälder Wellnesspaket sowie ein Buch mit ganz persönlichen Erinnerungen und Wünschen von früheren und aktuellen Kollegen, Kreisräten, Landräten und Weggefährten: „Unsere Festschrift für Frau Schnörr“, so der Landrat.

„Sie haben uns den Rücken freigehalten“, dankte Dr. Norbert Rippberger im Namen des Kreistags der sichtlich bewegten angehenden Ruheständlerin. „Sie waren immer da, akribisch, fehlerlos, zuverlässig, an alles denkend, das ist eine große Leistung“. Widerspruch sei allerdings nicht vorgesehen gewesen. „Frau Schnörr war eine Respektsperson“, so Rippberger lachend über die Frau in der ersten Reihe, die stoisch alle Redebeiträge verfolgt habe.

„Es wird uns allen etwas fehlen“, betonte Rippberger im Namen der Fraktionen und „Einzelkämpfer“. Er wünschte wie der Landrat ein glückliches Leben „nach dem Kreistag“. „Trinken wir noch einen Schnaps auf uns“, schlug Rippberger vor, und so geschah es. sab

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