Neckar-Odenwald

„Klopapier-Challenge“ Selbst die Skeptiker unter den Nominierten finden ihren Gefallen an der Aktion / Kreative und humorvolle Beiträge entstanden

Der Fantasie keine Grenzen gesetzt

Archivartikel

Eine Welle schwappte in den vergangenen Wochen auch auf unsere Region über: Immer mehr Vereine nehmen an der sogenannten „Klopapier-Challenge“ teil.

Neckar-Odenwald. Die Feuerwehren aus Walldürn und Buchen, der TSV Buchen, die Kolpingfamilie Buchen, der Frauenbund Buchen, die Stadtkapelle und Musikvereine Hainstadt, Hettigenbeuern und Hettingen, der FC Viktoria Hettingen, die FG „Hordemer Wölf“ aus Hardheim, die „Hettemer Fregger“, die „Heeschter Berkediebe“, der MGV Liederkranz Buchen, das Männerballett, das traditionelle Buchener Wagenrad und die Stadtverwaltung Buchen haben in diesen Tagen eines gemeinsam: Sie wurden bei der sogenannten „Klopapier-Challenge“ nominiert und haben sich erfolgreich dem Wettbewerb gestellt. Unzählige Vereine und Gruppierungen aus der Region und darüber hinaus hat es auch erwischt. Und es kommen immer mehr dazu. Mit einer Reproduktionsrate zwischen zwei und drei vermehrt sich die Challenge derzeit deutlich schneller als das Corona-Virus.

Roter Faden

Die Regeln sind relativ einfach: Wer nominiert wird, sollte innerhalb von 48 Stunden ein Video von wenigen Minuten Länge produzieren und dieses der Gruppierung, die diese Nominierung ausgesprochen hat, zukommen lassen. Gelingt das nicht, soll man eine festgelegte Strafe erfüllen. Meist handelt es sich dabei um die Lieferung einer bestimmten Menge an Bier, das Mitarbeiten bei Vereinsfesten oder das Besuchen von Konzerten oder anderen Vereinsveranstaltungen. Den roten Faden all dieser Filmchen stellt eine Klopapierrolle dar, die an Vereinsmitglieder weitergegeben, -geworfen oder -gekickt wird.

Wegen der derzeit vorgeschriebenen Kontaktbeschränkungen geht das nur, indem jeder Teilnehmer ein eigenes kurzes Video dreht. Diese Drehs werden zusammengeschnitten und mit Musik unterlegt. So entstanden bisher unzählige, teilweise äußerst kreative und humorvolle Filmchen.

Schwartenmagen-Ersatz

Wer sich die Videos anschaut, erfährt, was man mit Klopapier alles machen kann: Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung zum Beispiel stempeln, lochen und kopieren es. Fußballer kicken und köpfen die Rollen durch die Gegend, Turner transportieren das begehrte Gut unter Einsatz ihres ganzen Körpers weiter, Musiker versenken es in Schalltrichter oder fangen es mit Holzblasinstrumenten auf. Klopapier taucht gestapelt in Aktenschränken und Tresoren auf oder ersetzt im Koffer der Wagenradsänger den Schwartenmagen. Ihren Anfang nahm die Klopapier-Challenge vermutlich im Bereich des Sports. Zu Beginn der Kontaktbeschränkungen veröffentlichten Fußballstars in sozialen Netzwerken Videos, in denen sie statt mit einem Fußball mit einer Klopapierrolle kicken. Demzufolge lassen sich die ältesten Klopapier-Challenge-Videos auf Fußballvereine zurückverfolgen. Die weiße Papierrolle wird darin äußerst kunstvoll durch die Gegend gekickt, bis schließlich Handballmannschaften nominiert wurden sowie Musik- und Gesangvereine. Inzwischen muss jede Gruppierung damit rechnen, eine Nominierung zu erhalten. Die Begeisterung darüber hält sich bei manchen Vereinen in Grenzen, vor allem, wenn ihre Mitglieder über ein hohes Durchschnittsalter verfügen. Joachim Sunder, der sich an der Challenge des MGV Buchen beteiligte, war auch am Anfang skeptisch. Er machte aber trotzdem mit und stellte hinterher fest: „Das war eine tolle Sache!“ Er war vom tollen Gesamtergebnis überrascht. „Das war schön für die Gemeinschaft.“

Auch TSV-Buchen-Vorsitzender Kurt Bonaszweski war zunächst nicht sonderlich begeistert, als der FC Viktoria Hettingen seinen Verein nominierte. Doch bald stellte er fest: „Man wird in seiner Home-Office-Lethargie aktiviert.“ Er beauftragte Mitarbeiter in seinem Verein, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren, damit, die Teilnahme zu organisieren. Mitglieder filmten ihre Beiträge mit dem Smartphone selbst und schickten diese über WhatsApp an Richard Müller, der die Beiträge zusammenfügte. Am Ende war ein knapp sechsminütiges Video entstanden. Dieses beginnt mit dem Vorsitzenden, der im Home-Office Klopapier-Abschnitte abstempelt, um einer unerlaubten Verwendung des knappen Guts vorzubeugen. Am Ende nominiert Manfred Röckel, stellvertretender Vorsitzender, gemeinsam mit seiner Frau Brigitte den MGV Liederkranz Buchen, die Stadtkapelle Buchen und die Feuerwehr Buchen.

Auch vor den beiden Tageszeitungen machte die Challenge nicht halt. Die Wagenrad-Sänger nominierten die Lokaljournalisten, denen sie seit Jahrzehnten am Fastnachtsdienstag die Ehre ihres Besuchs erweisen. Weil sich der Dreh allerdings nicht in den Redaktionsalltag integrieren ließ, nahmen die Redakteure die „angedrohte Strafe“ in Kauf: Sie „dürfen“ am nächsten Fastnachtsdienstag das Wagenrad bis zum nächsten Auftrittsort der Traditionsgruppe tragen.

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