Neckar-Odenwald

Nachruf Dr. Karl Miltner gestorben / Wahlkreisabgeordneter, Erster Landesbeamter und Regierungspräsident / Einer der führenden Innenpolitiker der CDU/CSU-Fraktion

Bis 1988 für Odenwald und Tauber im Bundestag

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Der ehemalige Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Odenwald-Tauber, frühere Erste Landesbeamte in Tauberbischofsheim und frühere Regierungspräsident im Regierungsbezirk Karlsruhe, Dr. Karl Miltner, ist tot. Er starb im Alter von 90 Jahren.

Dr. Karl Miltner war Ende der 1960er Jahre politisch tätig. Er wurde am 16. Juli 1929 in Engen bei Konstanz geboren; sein Vater war dort Bürgermeister. Ab 1942 lebte Miltner in Dossenheim bei Heidelberg, wo sein Vater 1952 zum Bürgermeister gewählt wurde.

Nach Abitur und Studium der Rechtswissenschaften promovierteKarl Miltner 1957; seine Dissertation befasste sich mit dem Thema Kommunalaufsicht. Danach besuchte er die Verwaltungshochschule in Speyer.

Über erste berufliche Stationen beim Verfassungsschutz und dem Landratsamt Konstanz kam Miltner 1959 als Regierungsrat an das Landratsamt Tauberbischofsheim, wo er dann Erster Landesbeamter wurde.

Abgeordneter ab 1969

Karl Miltner verkörperte Volksnähe.

1969 setzte er sich in einer Kampfabstimmung im Wahlkreis Odenwald-Tauber mit zwei Stimmen Mehrheit gegen den bisherigen CDU-Wahlkreisabgeordneten August Berberich durch und wurde sechsmal direkt mit stets hoher Stimmenzahl gewählt.

Miltner gehörte dem Bundestag bis 1988 an, als er Regierungspräsident im Regierungsbezirk Karlsruhe wurde, was er bis 1994 blieb. In dieser Zeit legte er zum Beispiel den entscheidenden Grundstein zur zivilen Nutzung des Militärflughafens Söllingen bei Karlsruhe (heute Baden Airpark). Auch der Arbeitskreis Heimatpflege im Regierungsbezirk Karlsruhe, dessen Vorsitzender er war, wurde in dieser Zeit gegründet.

Offiziell im Ruhestand, war Miltner von 1995 bis 1998 Präsident der Führungsakademie Baden-Württemberg. In seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter war er Mitglied des Innenausschusses und wurde in den 1970/80er Jahren, die von der Auseinandersetzung mit dem Linksextremismus und der RAF geprägt war, einer der führenden Innenpolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. In dieser Zeit war er auch einer der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion und für die Rechts-, Innen- und Umweltpolitik zuständig.

Vielfach aktiv

Miltner war Mitglied der G 10-Kommission und später deren Vorsitzender; diese entscheidet als unabhängiges Gremium des Bundestags über die Notwendigkeit und Zulässigkeit sämtlicher durch die Nachrichtendienste des Bundes (Bundesnachrichtendienst, Bundesamt für Verfassungsschutz, Militärischer Abschirmdienst) durchgeführten Beschränkungsmaßnahmen im Bereich des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses nach Artikel 10 des Grundgesetzes .

1959 heiratete er Olga Maria Miltner 2014 zog Karl Miltner in seine alte Heimat Dossenheim und lebte in der Nachbarschaft von Tocher Katharina.

Zahlreiche Ehrungen

Die Liste der Ehrungen, die Miltner erhielt, ist lang: Er wurde am 15. Oktober 1998 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Zuvor erhielt er bereits das Verdienstkreuz 1. Klasse (25. Mai 1979) und das Große Verdienstkreuz (1. September 1985).

1994 folgte mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg der sogenannte „Landesorden“ und damit die höchste Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg. Neben dem Verdienstorden der US-Army wurde Miltner auch zum Mitglied der französischen Ehrenlegion ernannt. ne/red

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