Neckar-Odenwald

Kreistagsausschuss mit großem Programm „Fairtrade“, Straßenbau, Radwegenetz und „Leader“ auf der Tagesordnung

Bewerbung für neue Förderperiode wird angestrebt

Archivartikel

Mudau.Ein großes Programm hatte sich der Kreistagsausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr in der vergangenen Woche bei einer Sitzung in der Odenwaldhalle in Mudau vorgenommen. Dazu begrüßte Landrat Dr. Achim Brötel den Vorsitzenden und die Geschäftsführerin der „Leader“-Region Badisch-Franken, Alfred Beetz und Anna Sophie Blesch, sowie Martin Säurle, Geschäftsführer der „Leader“-Region Neckartal-Odenwald aktiv.

„Die aktuelle Förderperiode, die offiziell von 2014 bis 2020 läuft, neigt sich langsam ihrem Ende entgegen. Zeit also, eine Art Zwischenbilanz zu ziehen“, führte Brötel in den Tagesordnungspunkt ein. Es gehe jetzt darum, die Übergangszeit zwischen der aktuellen Förderperiode und der hoffentlich nächsten Periode zu strukturieren und schon jetzt die Weichen für eine Neubewerbung zu stellen.

7,6 Millionen „Leader“-Förderung

Was man in der laufenden Förderperiode alles erreicht hat, zeigten die „Leader“-Vertreter anhand von Beispielen. „Viele Projekte unterstützen gezielt die Dorfentwicklung, schaffen aber auch Arbeitsplätze im ländlichen Raum“, erklärten Blesch und Säurle. So sei es beispielsweise mit dem Projekt einer Dorfschneiderei in Schlossau gelungen, Familie und Beruf unter einem Dach zu vereinen. In die Region Neckartal-Odenwald aktiv seien bislang für 48 ausgewählte Projekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 11,3 Millionen Euro rund 3,9 Millionen Euro Projektförderung geflossen.

In der Region Badisch-Franken habe man für 57 Projekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 9,95 Millionen Euro im selben Zeitraum eine Projektförderung in Höhe von 3,69 Millionen Euro beschlossen.

Dazu komme seit 2019 in jeder Gebietskulisse das jährlich mit 200 000 Euro dotierte Regionalbudget, so die beiden Geschäftsführer. Alfred Beetz warb für eine Neubewerbung für die neue Förderperiode „Vieles wäre ohne ’Leader’ nicht möglich gewesen. Das Programm steht für ein Mehr an Lebensqualität“, erklärte der ehemalige Bürgermeister der Stadt Grünsfeld.

Aus Sicht der Verwaltung sei eine erneute Bewerbung nachdrücklich zu unterstützen, unterstrich Brötel, der auf einen gleichlautenden Beschluss des Kreisverbands des Gemeindetags und entsprechende Signale aus den benachbarten Landkreisen hinwies. Diesem Kurs folgten die Kreisräte mit ihrem Votum. ’Leader’ habe sich voll und ganz gelohnt, so der Tenor, wenn die Anträge auch mit einem hohen Maß an Bürokratie verbunden seien.

Zertifizierung ist das Ziel

Wie der Landkreis daran arbeitet, die Zertifizierung als Fairtrade-Landkreis zu erreichen, war Thema eines weiteren Tagesordnungspunkts. „Den Auftrag des Kreistags im Mai haben wir natürlich gerne angenommen, zumal es mit Buchen und Osterburken bei uns schon zwei Fairtrade-Städte gibt und Mosbach ebenfalls auf dem Weg dorthin ist. Darüber hinaus gibt es mit dem Burghardt-Gymnasium in Buchen und der Ludwig-Erhard-Schule in Mosbach zwei Fairtrade-Schools und vor allem sehr aktive Weltläden in Mosbach, Buchen und Osterburken“, fasste der Landrat die guten Startvoraussetzungen zusammen.

Den aktuellen Stand skizzierte Lisa-Marie Bundschuh von der Stabsstelle Kreisentwicklung. Sie erläuterte, dass man mit der Bildung einer Steuerungsgruppe zunächst tragfähige Strukturen geschaffen habe, inzwischen aber längst mitten in der Projektarbeit sei.

Aktuell suche man die für die Zertifizierung notwendigen Mitstreiter in Wirtschaft und Gesellschaft. „Die persönliche Ansprache hat sich dabei einfach bewährt“, stellte Bundschuh fest. Dies treibe eine Projektgruppe mit vielen Gesprächen voran. Ein erster großer Meilenstein sei zudem die kreisweit wahrnehmbare „Faire Woche“ im September gewesen.

Auch hier bestärkten die Ausschussmitglieder die Verwaltung. Landrat Brötel ergänzte, dass das Erreichen der Zertifizierung nur ein Zwischenziel sei: „Wir wollen eindeutig mehr als nur die Mindestvorgaben. Vor allem aber soll daraus bei uns ein nachhaltiger Prozess entstehen, der faire, aber ebenso regional erzeugte Produkte mit einschließt.“ Beides gehe letztlich auf denselben Grundgedanken zurück, so der Landrat.

Radfahren wiederentdeckt

Einen Überblick zu den Radwegen im Kreis gab dann Horst Teuber vom Landratsamt, nachdem der Landrat darauf hingewiesen hatte, dass die Corona-Pandemie nicht nur zu einer Wiederentdeckung des Radfahrens, sondern damit verbunden zu einem deutlich gesteigerten Informationsbedürfnis geführt habe.

Teuber stellte zunächst die Vielfalt der Radwege im Kreis vor, bevor er auf das Radnetz Baden-Württemberg einging, das landesweit Ober- und Mittelzentren mit alltagstauglichen Routen und einheitlicher Beschilderung verbindet. Dieses Netz laufe mit vier Hauptachsen durch den Kreis. Am auffälligsten sei dabei die im Sommer abgeschlossene einheitliche Beschilderung, die unter anderem jeweils die Strecke bis zu den nächsten Orten aufzeige. Zudem skizzierte Teuber die Anstrengung zur Vermarktung des Neckartal- und des Odenwald-Madonnen-Radweg als Qualitätsradwege.

Neue Chancen für Straßenausbau

Eine erfreuliche Nachricht brachte der Landrat noch im Bereich des Straßenausbaus. Demnach habe die Landesregierung die Förderkriterien für Ausbaumaßnahmen an Straßen mit geringerer Verkehrsbelastung so angepasst, dass noch 50 Prozent der kreisdurchschnittlichen Verkehrsbelastung als Fördervoraussetzung gelte. Diese sei eine zentrale Forderung des Kreises gewesen, die unter anderem im Rahmen des Straßengipfels im Jahr 2019 an den Verkehrsminister herangetragen worden sei. Brötel dankte dem Kabinettsausschuss Ländlicher Raum unter Vorsitz von Minister Peter Hauk.

Abschließend dankte der Landrat Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger für die Bereitstellung des Sitzungssaals. Rippberger hatte eingangs aktuelle Projekte der Gemeinde Mudau vorgestellt.

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