Neckar-Odenwald

Auf der Reise zum Glück

Archivartikel

Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück begreifen: Denn das Glück ist immer da (aus „Erinnerung“ von Johann Wolfgang Goethe).

Das Glück, so empfinden viele Menschen, ist vor allem da, wo man im Moment gerade nicht ist. Die Sehnsucht nach dem Glück treibt in die Ferne, heraus aus dem Alltag. Die Last des Berufes, anstrengendes Familienleben, drückende Sorgen, unzureichende Freizeit: Vor allem der Drang nach Freiheit weckt die Sehnsucht nach Abstand an einem Ort des Glücks, der Ruhe, der Entspannung.

Reisen in die Ferne als Flucht vor Belastungen? Doch wohin? Vor allem im Sommer 2020. Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind eingeschränkt durch die Verordnungen wegen der Corona-Pandemie. Ist die Frage des Glücks, der Ruhe und Entspannung eine Frage nach der Ferne, der Urlaubsinsel? Oder eher eine innere Haltung?

Johann Wolfgang Goethe konnte in der Ferne wie in der Nähe sein Glück finden. Doch er wusste, an jedem Ort ist das Glück, vor allem aber in sich selbst durch die innere Haltung zum Leben. „Glück“, so Goethe,“ ist immer da.“ Es bedarf jedoch eines „inneren Auges“, um das Glück in uns und in der Schönheit der Schöpfung, die uns umgibt zu erkennen. Er wusste auch, wie schwierig es ist, das zu sehen, was an Glück vor Augen liegt.

Um glücklich zu werden und glücklich zu sein, bedarf es einer Art inneren Reise, einer Reise der Seele, die sich aufmacht, das eigene Leben neu auszurichten. Dieser neue Blick ist das Staunen über das Wunder des Lebens, der Schöpfung um uns herum. Dieses Staunen entdeckt das Zauberhafte, das Bezaubernde an jedem Ort und befreit vor dem Wahn, das Glück sei immer nur dort, wo man gerade nicht verweilt.

Der Liederdichter Paul Gerhardt ermutigt zu einer inneren Reise der Seele und zu einem sommerlichen Spaziergang in seinem Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit an deines Gottes Gaben“.

Spiegel der Herrlichkeit

Das „Herz“ erkennt die Schöpfung als Spiegel der Herrlichkeit Gottes und findet sich wieder als Teil dieser Schöpfung: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun, erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen!“

Wie Goethe und Paul Gerhardt, möchte ich Sie einladen trotz der Corona-Pandemie, deren unsichtbarer Bedrohung und der einschränkenden Schutzmaßnahmen, diese Sommerferien, die Freizeit im Sommer mal bewusster und anders zu gestalten als wie bisher geplant. Es gibt viel zu entdecken in unserer wunderbar vielfältigen Region. Gönnen Sie sich diesen Sommer eine Entdeckungsreise per Bahn, Rad, Wanderung, auch mal nachts, Spaziergänge und durch die Kultur.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete und behütete Sommerzeit mit neuen Entdeckungen in der Region Nordbadens, vor allem eine einfühlsame innere Reise der Erfahrung des Glücks, das Gott uns in unsere Seele legt. „Warum denn in die Ferne schweifen? Sieh, Gottes Güte liegt so nah!“

Michael Hermann, Pfarrer zur Mithilfe im evangelischen Dekanatsbezirk Adelsheim-Boxberg

Zum Thema