Neckar-Odenwald

Soforthilfe Corona Vorläufige Bilanz des Wirtschaftsministeriums verdeutlicht die enorme Nachfrage / Insgesamt 2,23 Milliarden Euro bewilligt

43,5 Millionen Euro für beide Landkreise

Archivartikel

Durch das Soforthilfeprogramm der Landesregierung wurden im Neckar-Odenwald- und Main-Tauber-Kreis 4670 Soloselbstständige und Unternehmen unterstützt.

Odenwald-Tauber. Das Wirtschaftsministerium hat eine vorläufige Bilanz zum Soforthilfeprogramm gezogen: Rund 241 500 Unternehmen und Soloselbstständige in Baden-Württemberg haben Zuschüsse im Gesamtvolumen von fast 2,23 Milliarden Euro im Rahmen der Soforthilfe Corona erhalten. Anträge konnten vom 25. März bis zum 31. Mai gestellt werden.

Großteil ging an kleine Firmen

Auf FN-Anfrage teilte das Ministerium mit: Im Neckar-Odenwald-Kreis haben 2839 Firmen und Soloselbstständige Anträge auf Soforthilfe gestellt. 2517 davon wurden bewilligt. Dabei wurden insgesamt gut 23,4 Millionen Euro als finanzielle Unterstützung gewährt. Im Main-Tauber-Kreis beantragten 2530 Unternehmen und Soloselbstständige die Soforthilfe. Auf 2153 Firmen entfielen knapp über 20 Millionen Euro.

Die Bewilligungen wurden aufgeschlüsselt nach Unternehmensgrößen, und zwar nach Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten (VZÄ). Diese Anzahl wird verwendet, um die Mitarbeiter unabhängig von der Differenz der Gesamtarbeitszeit zu bestimmen. Das heißt: Es wird errechnet, wie viele Vollzeitstellen sich bei einem gemischten Personal mit Teilzeitbeschäftigung ergeben.

Nach Angaben des Ministeriums entfiel der Großteil der Soforthilfen auf Soloselbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf VZÄ: Im Neckar-Odenwald-Kreis erhielten 2163 Firmen mit dieser Größe etwa 16,29 Millionen Euro. 218 Firmen mit sechs bis zehn VZÄ bekamen knapp 3,2 Millionen Euro. Unternehmen mit elf bis 50 VZÄ wurden mit knapp vier Millionen Euro unterstützt.

Ein ähnliches Bild ergab sich auch im Main-Tauber-Kreis: Mit 13,81 Millionen Euro wurde 1857 Soloselbstständigen und Firmen mit bis zu fünf VZÄ geholfen. 166 Unternehmen mit sechs bis elf VZÄ bekamen gut 2,4 Millionen Euro und 130 Unternehmen mit elf bis 50 VZÄ erhielten 3,8 Millionen Euro.

Zusammengerechnet wurden in den beiden Landkreisen insgesamt 4670 Soloselbstständige und Firmen mit knapp 43,5 Millionen Euro unterstützt.

Die Soforthilfe für Soloselbstständige, gewerbliche Unternehmen, Sozialunternehmen, Angehörige der Freien Berufe sowie aus den Bereichen Land- und Forstwirtschaft und Fischerei erfolgte für drei Monate im Rahmen eines einmaligen, nicht rückzahlbaren Zuschusses. Dieser betrug bis zu 9000 Euro für Soloselbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf VZÄ, 15 000 Euro für Unternehmen mit bis zu zehn VZÄ sowie 30 000 Euro für Unternehmen mit bis zu 50 VZÄ.

Drohende Insolvenzen

Das Soforthilfeprogramm half im ersten Schritt all jenen Unternehmen, denen ohne diese Unterstützung innerhalb kurzer Zeit die Insolvenz gedroht hätte. Die inhaltliche Vorprüfung der elektronisch gestellten Anträge übernahmen die örtlichen Kammern von Handel und Industrie sowie Handwerk – auch für Nicht-Kammermitglieder wie die Angehörigen der Freien Berufe. Außerdem war die Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum eingebunden. Sie leiteten die Anträge an die L-Bank weiter, die die Bewilligung und Auszahlung der Zuschüsse vornahm.

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut zieht ein positives Fazit: „Mit der Soforthilfe Corona haben wir innerhalb weniger Tage das größte Wirtschaftsförderprogramm in der Geschichte des Landes Baden-Württemberg implementiert. Mit diesem Soforthilfeprogramm konnten wir mehr als 240 000 Selbstständige und kleine Unternehmen bei der Bewältigung dieser historischen Krise unterstützen.“

Diese enorme Nachfrage habe gezeigt, dass das Programm zielgerichtet den akuten Bedarf der Unternehmen in dieser schwierigen Zeit getroffen hat. „Wir konnten so die direkten Folgen des Shutdowns abdämpfen und bedrohte Existenzen sichern – vor allem bei der Gruppe der Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten. Diese wurde besonders hart von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie getroffen“, so die Ministerin.

Auf die Soloselbstständigen und Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten entfiel auch landesweit mit knapp 210 000 Auszahlungen der Großteil der Zuschüsse. Knapp 18 000 Auszahlungen gingen an Betriebe mit sechs bis zehn Beschäftigten und knapp 14 000 Zuschüsse an Betriebe mit elf bis 50 Beschäftigten. Rund 31 000 Anträge mussten wegen Formfehlern, oder weil die Antragsteller die Fördervoraussetzungen nicht erfüllten, abgelehnt werden. „An der Umsetzung arbeiteten landesweit hunderte Beschäftigte mit großem Engagement – im Wirtschaftsministerium, in den zwölf Industrie- und Handelskammern, den acht Handwerkskammern, der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum sowie der L-Bank“, so Hoffmeister-Kraut, die sich bei allen Partnern und Beratern bedankte.

Edith Weymayr, Vorstandsvorsitzende der L-Bank, sagte: „Als Förderbank unterstützen wir die Wirtschaft in Baden-Württemberg – das gilt insbesondere in Krisenzeiten. Die Arbeit an den Soforthilfen war ein enormer Kraftakt für die L-Bank, den wir mit Stolz für die kleinen und mittelständischen Unternehmen im Land bewältigt haben.“

Wolfgang Grenke, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags, und Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold betonen gemeinsam: „Wie man an den Zahlen ablesen kann, kam das Programm zur rechten Zeit, um schnell für Liquidität zu sorgen – und zwar dort, wo aufgrund der Pandemie von heute auf morgen null Umsatz oder Aufträge und Engagements bei weiterlaufenden Kosten zu Buche standen. Die Herausforderung, innerhalb weniger Tage die technischen Voraussetzungen mit dem Portal bw-soforthilfe.de für die Antragsstellung zu schaffen, war groß. Doch wir haben sie gemeistert.“

Hoffmeister-Kraut ergänzt: „Die Krise ist aber noch längst nicht überstanden. Viele Betriebe haben weiterhin mit fehlenden Einnahmen und daraus resultierenden Liquiditätsengpässen zu kämpfen.“

Weitere Maßnahmen angekündigt

Jetzt gilt es, mit weiteren wirksamen Unterstützungsmaßnahmen an die Soforthilfe anzuknüpfen, so die Ministerin. „Wir arbeiten mit Hochdruck an den Nachfolgeprogrammen und befinden uns in intensiver Abstimmung mit dem Bund. Dabei setzen wir uns weiterhin für schnelle, bedarfsgerechte und möglichst unbürokratische Lösungen ein. Denn unser Ziel heißt weiterhin, Arbeitsplätze im Land zu sichern, Insolvenzen zu vermeiden und die wirtschaftlichen Strukturen unseres Standortes zu erhalten.“

Neben der Soforthilfe seien bereits eine Vielzahl weiterer Hilfsmaßnahmen angestoßen worden, darunter ein Liquiditätskredit mit Tilgungszuschuss, eine Krisenberatung für kleine und mittlere Betriebe und ein Förderprogramm für krisengeschüttelte Start-ups. pm/ms

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