Mudau

Die Wagnerei Noe in Mudau Handwerksgebäude wurde bereits abgerissen und bald soll das ehemalige Wohnhaus folgen

Zeitgeschichte weicht neuem Wohnraum

Archivartikel

Mudau.Die Wagnerei in der Mudauer Hauptstraße gegenüber der Volksbank Franken-Filiale war bereits 1988 in den „Ruhestand“ verabschiedet worden. Während der Heimattage im Jahr 2002 hatte sie noch einmal einen wirklich glanzvollen Auftritt im Reigen der Präsentation alter und früher auch immens wichtiger und inzwischen fast ausgestorbener Handwerke.

Mit einem Brand fing alles an

In der Woche vor Weihnachten wurden die Gebäude nun endgültig Geschichte, und der Abriss des alten Wohnhauses steht ebenfalls noch bevor. Der ehemaligen Ortsvorsteher Klaus Erich Schork und dessen Schwager Siegfried Ziehensack, der als Sohn von Maria (geborene Noe) in diesem Haus geboren wurde, berichteten den FN, dass die Wagnerei und das Wohnhaus ursprünglich oberhalb des Gasthauses „Rose“ beheimatet waren. Dort, wo 1893 der große Brand zerstörerisch gewütet hatte.

Doch der Wagner Albin Noe (1841-1934) ließ sich nicht entmutigen und kaufte noch im gleichen Jahr in der Hauptstraße 47 ein Wohnhaus mit Scheune. Natürlich in erster Linie deswegen, um mit der Familie wieder ein Dach über dem Kopf zu haben, aber auch, um zumindest provisorisch weiter sein Handwerk ausüben zu können. Denn seine Arbeit war außerordentlich vielfältig und wurde dringend benötigt. Albin Noe fertigte und reparierte nicht nur Heu-, Mist- und Ziehwagen sowie jede Größe an Wagenrädern, Felgen, Naben und Deichseln, sondern auch alle möglichen Leitern, Gitter, Wagenbalken, Schubkarren, Hackklötze, Schlitten, Griffe und Stiele für die unterschiedlichsten Werkzeuge und Ackergeräte sowie Holzeggen und -pflüge, Melkstühle, Stiefelzieher oder Sägeböcke. Sein Handwerk war im ländlichen Raum einfach unverzichtbar. Und durch harte Arbeit konnte Albin Noe bereits drei Jahre später eine neue Wagnerei im Hof seines Anwesens bauen.

1920 übergab er den Betrieb an Sohn Karl Noe (1883-1968) und dieser konnte die Geschicke der immer noch gut gehenden Wagnerei 1950 an seinen Sohn Albin weitergeben, der außerdem noch Landwirtschaft im Nebenerwerb betrieb. Seit 1988 ruhte die Arbeit in der Wagnerei, die sich noch einmal bei den Heimattagen 2002 präsentierte. Nun wird das Gelände in absehbarer Zeit ein großes Mietshaus beherbergen und damit ein neues Heim für zahlreiche Menschen bieten, aber ein bisschen Wehmut über ein Stück verlorene Zeitgeschichte bleibt wohl doch bei vielen älteren Mudauern. L.M.