Mudau

Feuerwehr Langenelz Vor 125 Jahren wurde eine neue Handfeuerspritze angeschafft / Lieferung erfolgte am 25. Juni 1895

Neues Zeitalter brach für die Floriansjünger an

Archivartikel

Es war ein mühsamer Weg, bis auch im Odenwald modernes Gerät an die Stelle der Löscheimer trat. Die Anschaffung der ersten Handfeuerspritze in Langenelz war ein Meilenstein auf diesem Weg.

Mudau. Heute sind die Feuerwehren in der Gemeinde Mudau technisch auf einem guten Stand. Neu hinzugekommene Aufgaben wie Unfälle, Stürme und Windbruch sind zu bewältigen. Doch ein Blick zurück lohnt sich.

In der wechselvollen Geschichte des Odenwaldes blieben den Bewohnern Not und Elend, Seuchen, Naturkatastrophen und auch Kriege mit Brandschatzungen nicht erspart. Durch den Weilercharakter ist in Langenelz von Feuersbrünsten erheblichen Ausmaßes nichts bekannt. Trotzdem war früher die Feuergefahr sehr groß. Waren doch strohgedeckte Gebäude durch Blitzschlag gefährdet und die offenen Feuerstellen teilweise ohne Kamin. Offene Lichtquellen mit Öl-, Unschlitt- und Spanlichtern bildeten eine ständige Gefahr. In den trockenen Fachwerkbauten fand das Feuer reichlich Nahrung. Kein Wunder, dass die Dorfordnungen Vorschriften zur Vermeidung des Feuers enthielten. Zum Beispiel, dass niemand brennende Gegenstände herumtragen soll. Es war auch verboten, Feuer beim Nachbarn in offenem Geschirr zu holen.

Am Anfang gab es 22 Feuereimer

Beim Dreschen kam die Beleuchtung in Laternen, außerdem musste im Sommer vor jedes Haus Wasser in Bottichen bereitgestellt werden. Bei einem Brand war jeder Einwohner des Dorfes gefordert. Alle mussten mit Eimern und Gerätschaften erscheinen. Wer nicht kam, konnte bestraft werden. Eine Strafe gab es eventuell auch für den Besitzer des Gebäudes, in dem der Brand ausbrach, und Belohnungen für diejenigen, die zuerst mit ihren vollen Eimern zum Brandplatz kamen.

Die ältesten vorhandenen Aufzeichnungen Langenelz betreffend sind aus dem Jahre 1786. Damals gab es an Löschgerätschaften 22 Eimer, zwei Leitern und zwei Haken. Dabei blieb es lange Zeit, denn das Feuerwesen war im Bauland und Odenwald immer eine leidige Sache. Leidig deshalb, weil Anschaffung und Unterhaltung Geld kosten und das war früher wie heute immer knapp.

Im Jahre 1803 bei der Bestandsaufnahme durch Leiningen waren 37 Feuereimer, zwei Leitern und zwei Haken vorhanden. Die Schornsteine wurden jährlich zweimal durch den Amorbacher Kaminfeger gereinigt, einzelne Backöfen hatten feuergefährliche Baumängel.

Es wurde festgestellt, dass in den Ortschaften um Mudau keine Handspritze vorhanden war, so wie es in Buchen und Mosbach der Fall war. Ein Spritzenverband mit Sitz in Mudau musste gegründet werden. Er bestand aus den heutigen Ortsteilen.

Jede Gemeinde hatte einen bestimmten Anteil an der Handdruckspritze. Im Jahre 1828 war sie erstmals in Langenelz im Einsatz. Da sie jedoch von Hand gefüllt werden musste, blieben die Feuereimer noch lange in Gebrauch. Und wieder blieb alles jahrzehntelang beim Alten.

Im Revolutionsjahr 1848 wurden diverse Kosten bemängelt, so die Kosten für die Feuerschaukommission, die Kaminfeger-Gebühr und das Brandkassenregister. Besonders hervorzuheben ist der große Brand in Mudau am 12. und 13. Juli 1848, bei dem über 100 Gebäude dem Feuer zum Opfer fielen und etwa 800 Menschen obdachlos wurden. Spenden und Hilfsmaßnahmen wurden eingeleitet.

Der abgebrannte „Bembel“ wurde neu strukturiert, die Vorstadt entstand und in der Hauptstraße wurden Steingebäude errichtet. Die Befestigung wurde abgetragen und zum Bau der Häuser verwendet. Aus diesem Anlass wurde die Ziegeleindeckung gefordert. In den 50er und 60er Jahren versuchte das Bezirksamt, Feuerwehren auf der Basis der Freiwilligkeit zu bilden. Das scheiterte meist an den Kosten.

Nach dem deutsch-österreichischen Krieg 1866 erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehren in Mudau und Buchen, wobei die Mudauer Turnerschaft in der Feuerwehr aufging. In den Dörfern blieb es bei Löschmannschaften, die alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren erfassten. Nur wenige Gebäude und „Fahrnisse“, also Risiken, waren versichert.

Im neuen Kaiserreich kam Bewegung in das Feuerlöschwesen. Im Jahre 1872 schaffte Schloßau eine Handdruckspritze an; Reisenbach, Donebach und Steinbach folgten.

Jeder Bürger hatte eine Leiter

In Langenelz war seinerzeit jeder Bürger im Besitz einer Leiter. Im Jahr 1888 musste man neben dem Bürgereintrittsgeld in Höhe von sechs Mark auch zwei Mark 57 Pf. für einen Feuereimer entrichten.

Im Jahr 1886 wurde für Langenelz die Einberufung einer Gemeindeversammlung unter Strafandrohung von drei Mark angeordnet, „um die Gebäudeversicherung nachzuholen“. Nun ging es schnell. 1890 trat Rumpfen aus dem gemeinsamen Spritzenverband aus, Mörschenhardt und Steinbach folgten, ebenso Donebach, das bereits 1884 auf seinen Anteil an der gemeinsamen Spritze verzichtet hatte. Schloßau-Waldauerbach sowie Ober- und Unterscheidental folgten.

So wurden im Jahr 1893 neue Spritzenverbände gegründet, und zwar: Mudau-Langenelz, Schloßau-Waldauerbach und Ober-, Unterscheidental und Reisenbach. Letztere erhielten die Spritze, die in Oberscheidental aufgestellt war und Schloßau-Waldauerbach diejenige von Schloßau.

Am 20. Januar 1895 fasste man in Langenelz den Beschluss, eine Feuerspritze bei der Firma Karl Metz in Heidelberg zum Betrag von 820 Mark anzuschaffen. Es handelte sich um eine Fuhrspritze ohne Saugwerk mit Pferdedeichsel und Laternen, Garantie fünf Jahre, Beihilfe 400 Mark. Die Lieferung erfolgte am 25. Juni 1895. Im Jahr 1896 wurde an der Stelle des heutigen Feuerwehrgerätehauses eine Feuerspritzenremise errichtet und am 10. November 1896 die Auflösung des Feuerwehrspritzenverbandes Mudau-Langenelz genehmigt. Es blieb aber bei der 1893 festgelegten gegenseitigen Hilfeleistung. Langenelz verzichtete auf seinen Anteil an der gemeinschaftlichen Feuerspritze in Mudau.

Im Jahr 1905, als die zentrale Wasserversorgung in Langenelz gebaut wurde, begann das Zeitalter des einzigen Hydranten. Deshalb musste man weiterhin das Wasser aus der Elz und den Brunnen schöpfen und in die Spritze einfüllen. So flog noch lange „durch der Hände lange Kette“ der Eimer um die Wette. Während der Eingemeindungszeit waren laut Gesetz von 1938 nicht wehrfähige, meist ältere Bürger nach Mudau dienstverpflichtet, wegen Männermangel auch Feuerwehrhelferinnen.

Am 1. Januar 1948 wurde die Langenelzer Feuerwehr gegründet. Aber erst im Jahr 1958 konnte man sich mit der Fertigstellung des Feuerwehrgerätehauses einschließlich Gemeindehaus (Aula) über eine motorgetriebene Tragkraftspritze mit Anhänger freuen – samt Uniformen.

Danach dauerte es wieder fast 40 Jahre, bis 1995 als an einem denkwürdigen Tag ein gebrauchtes Löschfahrzeug in das neue Gerätehaus Einzug hielt. Ein Ereignis, das viele Langenelzer nicht für möglich gehalten hatten.

Motoren ersetzen Muskelkraft

War in der Frühzeit der Stroh-, Leder- oder Leineneimer ein brauchbares Mittel zur Brandbekämpfung, so steht heute hochwertiges Schlauchmaterial zur Verfügung. Muskelkraft wurde durch Motorkraft ersetzt. Allerdings benötigt man auch heute noch freiwillige, engagierte Personen. In diesem Jahr wird durch die Gemeinde ein neues Löschfahrzeug angeschafft.