Mudau

100 Jahre „Wodan Donebach“, Teil 1 Blick in die Geschichte des Radfahrervereins / Gründung am 10. Januar 1921 im Gasthaus „Zur Linde“

Gesellschaftliches Leben im Ort geprägt

30 Dumbacher gründeten am Abend des 10. Januar 1921 im Gasthaus „Zur Linde“ den Radfahrerverein „Wodan“. Seitdem ist der Verein auf aktuell rund 200 Mitglieder angewachsen.

Donebach. 100 Jahre nach seiner Gründung präsentiert sich der Radfahrerverein „Wodan“ Donebach als moderner und vitaler Verein. Als Bereicherung für die Dorfgemeinschaft ist er nicht mehr wegzudenken. Die Angebote umfassen Fahrradfahren, Walkingtreffs, Stammtische und gesellige Veranstaltungen. Diese können von allen Vereinsmitgliedern und Einwohnern wahrgenommen werden. Im Juni 1996 erhielt der Radfahrerverein von der Gemeinde das ehemalige Rathaus zur Nutzung als Vereinsheim. Der Verein pflegt einen familiären Stil, er ist eine große Familie.

Rückblick in die 20er-Jahre

Anlässlich des Jubiläums blicken die Vereinsmitglieder zurück in die Zeit der Gründung, in das Jahr 1921 und auf die weitere Entwicklung. Damals lebten die Menschen in der Weimarer Republik. Auch Baden war mittlerweile Republik mit dem Regierungssitz in Karlsruhe. Die Farben des Radfahrvereins „Wodan“ rot und gelb zeigen die Nähe zu Baden auf.

Der Vorläufer des heutigen Landratsamts war das Bezirksamt Buchen. Dort saß Oberamtmann Billmaier als Chef der Behörde, später Landrat Josef Rozzoli. In dieser politischen Landschaft gab es die Gemeinde Dumbach mit ihren damals 436 Einwohnern, die sich auf 70 Familien verteilten. Der Bürgermeister war Josef Damm. In Dumbach lebten die Menschen von kleiner Landwirtschaft, wenig Handwerk, die übrigen Einwohner waren Tagelöhner.

Um überleben zu können, waren viele im Sommer zur Rheinernte in Wieblingen und Seckenheim als Erntearbeiter. Andere arbeiteten beim Fürsten zu Leiningen im Forst oder in der Brauerei.

In diesen schwierigen Zeiten trafen sich an einem Winterabend am 10. Januar 1921 30 Dumbacher im Gasthaus „Zur Linde“ und gründeten den Radfahrerverein „Wodan Dumbach“. Erster Vorsitzender war Leo Schölch. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Dumbach einen Radfahrerverein, der jedoch in den Wirren des Krieges untergegangen war. Vorstand war damals Valentin Köhler.

Galoppierende Inflation

Bereits am 6. Februar 1921 hielt der Verein in Dumbach eine Fastnachtsunterhaltung und am 27. März 1921 eine Osterfeier ab. Der gesellschaftliche Höhepunkt war das Gartenfest am 24. Juli 1921. Der Bürgermeister von Mudau, Otto Link, hielt die Festrede. In der Folgezeit bestimmte der Verein das gesellschaftliche Leben im Ort mit vielen Veranstaltungen.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland war auch in Dumbach zu spüren, die Inflation stieg rasant. Der Radfahrverein bekam dies zu spüren: Im Juli 1923 betrug der Kassenstand 209 255 Mark. Für das dritte Vierteljahr wurde 1000 Mark als Monatsbeitrag festgesetzt. Ab 15. November 1923 wurde die Mark in Rentenmark umgerechnet, ab August 1924 gab es dann die Reichsmark. Im Juli 1924 besaß der Radfahrerverein ein Barvermögen von 26,38 Rentenmark.

Ein Höhepunkt war die Fahnenweihe mit Fest am 13. Mai 1923. Der Verein selbst hatte sich eine Standarte nicht leisten können. Auf Vermittlung von Karl Bethäuser stiftete sein Schulkamerad Valentin Egenberger, der nach Amerika ausgewandert war, die Fahne.

Diese erhielt in der Pfarrkirche in Mudau von Pfarrer Nörber die kirchliche Weihe. Laut Protokoll hielt der Pfarrer trotz „vorangegangener Zwistigkeiten“ eine rührende Ansprache. Pate der neuen Standarte war der Radfahrerverein „Wanderer Wagenschwend“.

Wettbewerbe ausgetragen

Zu diesem Feste waren die benachbarten Radfahrervereine eingeladen. Es wurden Wettbewerbe im Korsofahren durchgeführt. Die Fahrräder waren geschmückt, die Speichen mit rotem und gelben Krepp-Papier umwickelt. Im großen Ehr-Korso gewann der Radfahrerverein Mosbach den ersten Preis, im Blumenkorsofahren war der Radfahrerverein Limbach der Sieger und im gewöhnlichen Korso der Radfahrerverein aus Billigheim. Der Weitpreis ging nach Sulzbach, den Meistpreis errang Limbach, und der Ehrenpreis ging nach Mosbach. Der erste Fähnrich der Standarte war Andreas Hört.

In den Zwanzigerjahren gab es in der Umgebung weitere Radfahrervereine: „Wanderer Steinbach“, „Odin Mudau“, „Edelweiß Mörschenhardt“, „RV Unterscheidental“, „Wanderer Wagenschwend“, „Konkordia Rinschheim“.

Der Radfahrerverein „Wodan“ beteiligte sich auch regelmäßig mit Abordnungen an den Vereinsfesten in der Umgebung. So kamen die Mitglieder bis nach Mechenhard, Königheim, Ballenberg, Weilbach, Altheim, Meckesheim, Großheubach, Gerlachsheim, Zell, Hornbach, Breitendiel, Riedern, Oberlauda oder Katzental.

(Fortsetzung folgt)