Mosbach

Bundesweite Aktionswoche Koordinatorin und Beratungsstelle bieten Kindern von Suchtkranken Hilfe an

Wenn die Kleinen für die Eltern in die Bresche springen

Neckar-Odenwald-Kreis.„Sie haben sich gestritten, Sachen sind durch die Gegend geflogen, es war laut. Das ging meist bis spät in die Nacht hinein, so dass ich kaum schlafen konnte.“ Berichte wie der von Marina sind typisch für Kinder suchtkranker Eltern. Sie wachsen in einer spannungsgeladenen Atmosphäre auf und leben in ständiger Unsicherheit, was ihre Eltern im nächsten Moment tun werden.

Daran erinnert die Suchtkoordinatorin des Neckar-Odenwald-Kreises Angelika Bronner-Blatz zusammen mit Dr. Martina Kirsch von der Beratungsstelle für Suchtfragen des Kreises anlässlich einer bundesweiten Aktionswoche. Auf 2,6 Millionen wird die Zahl der Kinder aus Suchtfamilien geschätzt. Circa jedes sechste Kind in Deutschland würde somit im Schatten der Sucht aufwachsen, die meisten davon mit Alkoholikern.

Rund 150 000 Kinder betroffen

In Baden-Württemberg sind nach Schätzungen rund 150 000 Kinder unter 15 Jahren von diesem Schicksal betroffen. Sehr früh übernehmen diese Kinder Verantwortung für die Eltern und springen in die Bresche, wenn die Erwachsenen suchtbedingt ausfallen. Nicht selten erledigen die Kinder den Haushalt und versorgen die kleineren Geschwister. Und oftmals kümmern sie sich so sehr um die Bedürfnisse ihrer Eltern, dass sie verlernen, Kind zu sein.

„Sowohl betroffene Kinder in diesem Prozess frühzeitig zu begleiten als auch pädagogische Fachkräfte in ihrer Arbeit zu unterstützen, ist uns im Kreis ein wichtiges Anliegen. So halten wir beispielsweise Angebote für Pädagogen an Schulen und Kindergärten vor, die im Umgang mit Kindern suchtkranker Eltern hilfreich sind“, erklärt Angelika Bronner-Blatz, die zusammen mit der Beratungsstelle für Suchtfragen umfangreiche Hilfemöglichkeiten aufzeigt. Denn Kinder von Suchtkranken schämen sich für ihre Eltern und versuchen zugleich alles, um sie zu schützen. Niemand außerhalb der Familie soll erfahren, dass Vater oder Mutter ein Suchtproblem haben. Eine solche Kindheit hinterlässt Spuren in den Seelen der Kinder.

Doch es gibt Hoffnung für Kinder aus Suchtfamilien. So haben sie gute Chancen, sich trotz widriger Kindheitsumstände relativ gesund zu entwickeln, wenn es in ihrer Umgebung erwachsene Vertrauenspersonen gibt. Solche sicheren Bezugspersonen können Großeltern oder andere Verwandte sein, aber auch Lehrer, Erzieher, Schulsozialarbeiter oder auch Eltern von Spielfreunden. „Die Beratungsstelle für Suchtfragen hält deshalb mit ,Trampolin’ speziell für die Altersgruppe der Acht- bis Zwölfjährigen ein Angebot vor, das von erfahrenen Forschungsgruppen entwickelt und erprobt wurde“, erklärt die Suchtkoordinatorin. Das Programm sei für Mädchen und Jungen gleichermaßen geeignet. Spielerisch lernen Kinder von suchtbelasteten und psychisch belasteten Eltern, ihre Stärken zu entdecken, ihre Belastung zu reduzieren und ihr Selbstvertrauen zu stärken. „Durch „Trampolin“ erfahren diese Kinder auch, dass sie nicht alleine sind“, so Bronner-Blatz weiter.