Mosbach

„Jazul-Duo“ beim Mosbacher Sommer Trompeter Ingolf Burkhardt und Gitarrist Roland Cabezas gastierten in der Alten Mälzerei

Virtuose Soli und Standards neu interpretiert

Mosbach.„I’m so glad to find my way“ heißt es in einer Zeile von „Back on track“, und dieses Gefühl hat man beim Jazul-Duo wirklich: Trompeter Ingolf Burkhardt und Gitarrist Roland Cabezas machen gerne Musik, und gerne zusammen. Ihr Publikum in der Alten Mälzerei spürte das ebenfalls und hatte seinen Spaß an dem Konzert im Rahmen des Mosbacher Sommers.

200 Zuhörer begeistert

„Das war eine schwere Entscheidung heute, aber zum Glück regnet’s“, sagte Ingolf Burkhardt zur Begrüßung. Angesichts drohender Gewitterwolken – es wurde ein ordentlicher Regenguss daraus – hatten die Veranstalter entschieden, doch lieber aus dem lauschigen Hospitalhof in die Mälzerei umzuziehen. „Besser als nass werden“, dachten sich die 200 Zuhörer wahrscheinlich und genossen die Saal-Akustik.

Mit den samtweichen, fast melancholischen Klängen von „Together, not alone“ eröffneten Burkhardt und Cabezas das Konzert. 130 Alben habe man zusammen eingespielt, und nach so langer Freundschaft sei es ein „fast natürlicher Prozess“, als Duo aufzutreten, so Burkhardt dazu.

Es sei allerdings auch eine spezielle Herausforderung. „Wir wollen euch zeigen, was wir im Studio so machen“, erzählte der gebürtige Schefflenzer, der seit 1990 Mitglied der NDR Big Band ist, zum Programm des Abends. „Vor allem stellte das Duo sein neues Album „Still Life“ vor. In Mosbach fühle man sich sehr zuhause, auch wenn sich manches ändere („in Dallau gibt’s e neue Ampel“).

Andalusisch angehaucht ging es weiter mit „Levante“ von Roland Cabezas. Den erstaunten Zuhörern erklärte er den kleinen Trick, mit dem er sich selbst begleitete: Eine Loop-Maschine, mit der er eben live gespielte Akkorde aufnahm und dann abspielte.

Es folgte „No one like you“ (Robert Glassman), bei dem die Musiker auch die Stimmen einsetzten. Weiter ging es mit einem „wunderschönen Song“ der „Missouri Jungs“ Charly Haden und Pat Metheny, Deren „Spanish Love song“ spiegele die Landschaft dort wider – die übrigens der „zwischen Schefflenz und Seckich gleicht, haltet mal dort an und schaut euch um“. Begeisterter Applaus war der Lohn für das schöne Stück, ebenso wie für Stings „Fragilidad“. Dem war eine kurze Hommage an Miles Davis vorangegangen, einen „ganz großen Helden“ Burkhardts.

Den meisten im Publikum erzählte Burkhardt nichts Neues, als er mit jungenhaftem Charme und in ziemlich breitem Dialekt von Professor Kühn, seinem Lehrer am Mosbacher Kistner-Gymnasium berichtete, der ihn schon als Elfjährigen mit dem Virus „Jazz“ infiziert habe. Denn in der Alten Mälzerei saßen viele Schefflenzer, darunter auch Weitgereiste wie der frühere Mosbacher Dekan Keller, der heute in Karlsruhe lebt. Immer wieder gab es Szenenapplaus für die virtuosen Soli, zum Beispiel bei „Stolen Moments“ des Oliver Nelson Septets. Nach der Pause ging es weiter unter anderem mit besagtem „Back on Track“ vom neuen Album, mit einer Ode an das Meer, gefolgt unter anderem von einer großartigen Interpretation von Gershwins „Summertime“ und, ebenfalls wunderschön, „Imagine“ von John Lennon. Eine Zugabe war am Ende Pflicht und so streichelten Cabezas und Burkhardt die Ohren noch einmal – mit Louis Armstrongs „What a wonderful world.“ sab