Mosbach

Podiumsdiskussion der Grünen Das Thema „Wie geht es weiter mit der Landwirtschaft?“ stieß auf große Resonanz / Weg vom Schwarz-Weiß-Denken

Umbrüche lassen kein „Weiter so“ zu

Dallau.Mit der Podiumsdiskussion „Bauernsterben? Bienensterben? – Zukunftsfähige Auswege gesucht!“ scheinen die Bündnisgrünen einen Nerv der Zeit getroffen zu haben. Denn der Saal des Gashauses „Zur Pfalz“ in Dallau füllte sich bis auf den allerletzten Stuhl. Gut 160 Zuhörer begrüßte die grüne Kreisvorstandssprecherin Amelie Pfeiffer. „Das wird mindestens so spannend wie die verschobene Veranstaltung des Fachdienstes Landwirtschaft zum Thema ‚Gemeinsamer Antrag’“, versprach Moderatorin Friederike Kroitzsch.

Auf dem Podium standen MdB Alois Gerig (CDU), MdL Martin Hahn (Grüne) und Demeter-Bauer Martin Schäfer, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft. Tatsächlich diskutierte man nahezu drei Stunden – zunächst auf dem Podium, dann mit dem Publikum.

Das Schöne an der Veranstaltung: Man sprach miteinander, nicht übereinander. Weshalb sich die Moderatorin am Ende wünschte, dass der zarte Gesprächsfaden nicht abreißen möge. „Jenseits des ‚Weiter so!’ suchen wir nach Leitplanken für eine neue Landwirtschaft“, betonte Amelie Pfeiffer. Denn: „Landwirte sorgen sich um ihre Existenz. Kinder sorgen sich um ihre Zukunft.“ Ihr Appell lautete deshalb: „Irgendwie sitzen wir alle in einem Boot.“

Keine parteipolitischen Berührungsängste zeigte Alois Gerig. „Mir ist jede Möglichkeit recht, über die Landwirtschaft zu reden“, unterstrich der Politiker, der seit fünf Jahren den Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft leitet. „Der Klimawandel ist nicht schönzureden“, betonte Gerig.

Er verwahrte sich jedoch dagegen, dass die Landwirte die Zeche dafür zahlen sollten. „Das Bauernbashing muss aufhören.“ Er habe nichts dagegen, wenn Höfe auf „Bio“ umstiegen. Jedoch müsse der Markt über die entsprechende Nachfrage verfügen. Die Politik könne hier nur „beflügeln“. Eine bessere Kennzeichnung solle den Verbraucher dabei unterstützen, „in das richtige Supermarktregal zu greifen“. Nachhaltige und regionale Produktion seien hier gefragt. Zudem könne man auf Pflanzenschutz nicht verzichten.

Das Volksbegehren fand er schlecht, weil es die Polarisierung fördere. Aber: „Das Ergebnis ist o.k. Das Eckpunkte-Papier könnte eine Blaupause für den Bund sein.“ Klare Worte und mitunter überraschende Ansichten waren das Markenzeichen von Martin Hahn, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Stuttgarter Landtag und Ausschussvorsitzender Ländlicher Raum. Kein Wunder, dass Gerig in ihm einen „Ausnahme-Grünen“ sah. Nach der Ausbildung in konventioneller Milchviehhaltung stellte der Überlinger bereits 1986 auf „Bio“ um.

Da es lange keine Zuschläge für Bio-Milch gab, entdeckte er die Gemüseproduktion für Großküchen. Auch der „Ökobauer aus Leidenschaft“ mahnte beim „Umstellen“ ein langsames Tempo an. Denn es brauche lange, bis der Verbraucher seine Gewohnheiten ändere. Die Pariser Klimaziele forderte Hahn dagegen vehement ein: „Die sind kein Furz. Das ist ein unterschriebener Vertrag.“ Beim „Lieblingstier Biber“ sei mit einer Population von 6 000 im Ländle der Wendepunkt erreicht: „Wir müssen das Problem anders lösen als bisher.“

Eigenes Leben ändern

„Wir haben 70 Milchkühe und bewirtschaften 70 Hektar Grünland sowie 25 Hektar Streuobstwiese“, stellte Martin Schäfer aus Neuenstein seinen Demeter-Hof vor. Verbraucher und Landwirte riskierten derzeit, dass die Erde unbewohnbar werde, mahnte Hahn. Es müsse jetzt damit begonnen werden, das eigene Leben zu ändern. Letztlich helfe nur eine Abstockung des Viehbestandes, um das Problem der Überdüngung und Nitratbelastung zu lösen.

Das Gegenargument, Biomilch könne den Markt überschwemmen, verwies er ins Reich der Legende. Wegen geringerer Milchleistung gäbe es sogar ein Drittel weniger Milch, wenn alle deutschen Milchbauern auf „Öko“ umstellen würden.

Auch könne die „Solidarische Landwirtschaft“ mit dazu beitragen, eine Brücke zwischen Bauern und Verbrauchern zu schlagen. Viele Detailfragen hatte das Podium im Anschluss zu beantworten. Da zeigten sich dann auch unterschiedliche Schwerpunkte und Lösungsstrategien der einzelnen Parteien auf.