Mosbach

Naturheilverein Autor Dr. Karsten Brensing war zu Gast in der Alten Mälzerei

Sprache der Tiere verstehen

Archivartikel

Mosbach.Der Meeresbiologe, Verhaltensforscher, Forschungstaucher und Autor, Dr. Karsten Brensing, referierte kürzlich für den Naturheilverein Mosbach in den Räumen der Alten Mälzerei. Bereits als kleiner Junge wollte er Tiere verstehen, vor allem seinen Hund. Der Fernsehsendung „Flipper“ sei es geschuldet, dass er Meeresbiologe wurde.

Bis 2015 arbeitete er zehn Jahre für die Internationale Umweltschutzorganisation. 2017 schrieb Brensing sein erstes Buch: „Das Mysterium der Tiere“. Es folgten das Buch „Die Sprache der Tiere“ und der Spiegelbestseller und ausgezeichnetes Kinderbuch: „ Wie Tiere denken und fühlen“. Auf die ersten Fragen des Referenten, wer mit einem Tier zusammen lebe und wer sein Tier verstehen könne, flogen viele Hände nach oben. Anhand eines großen Experiments, dass Tiergeräusche aufzeichnet, sollten Studenten herausfinden, ob ein Tier entspannt oder erregt war. Man stellte fest, dass die Studenten das genau unterscheiden konnten.

Jede Art habe sein eigenes Kommunikationssystem. Seit 370 Million Jahre erkennen Tiere schon den inneren Status der anderen. So ermunterte der Verhaltensforscher, die Akustik der Tiere zu interpretieren. Es gäbe sogar Humor im Tierreich, wie Dr. Brensing anhand eines Videos zwischen einem Mensch und einem Orang-Utan zeigte.

Mit einer kurzen Zeitreise von der Steinzeit bis ins Mittelalter zeigte der Referent das Tierbild im Wandel. Seit circa 100 Jahren hätten wir durch Brehm mit seinem Werk „Das Brehmsche Tierleben“ ein besseres Verständnis für Tiere bekommen. Genau wie beim Menschen würde auch bei Tieren das Denken und Fühlen durch Steuermechanismen geregelt.

Am Beispiel der Partnerwahl erklärte der Tierexperte, wie uns die Nase dabei helfe. Mensch und Tier könnten das Immunsystem des Gegenübers riechen. Gesucht werde der Partner, der das eigene Immunsystem ergänzt, damit die Nachkommen mit einem gesunden Immunsystem ausgestattet seien.

Außerdem besitzen Tiere Humor und können Spaß haben. Spielen sei viel älter, als wir denken, was man am Spielverhalten der Schildkröte erkennen könne. Ein Vogel müsste nur zwei Wochen im Jahr singen: erstens um sein Territorium zu verteidigen und ein zweites Mal um bei der Partnerwahl sein Weibchen zu bezirzen. Aber aus Spaß sängen die Vögel das ganze Jahr über. Dass Tiere auch denken können, wurde anhand etlicher Beispiele deutlich. Die Katze überlegt, wo die Beute sein kann, wenn die Maus entwischt ist. Das nennt man Objektpermanenz. Bienen könnten Kunstwerke wie Gemälde von Miro oder Picasso unterscheiden. Logisches, abstraktes und strategisches Denken führte der Tierforscher ebenfalls an experimentellen Beispielen vor.

Orcas sprechen einen Dialekt

Tiere haben gelernt, sich an der Sprache zu erkennen. Sie wissen, dass es andere Individuen gibt. Hunde erkennen sich an der Stimme, Orcas sprechen einen Dialekt, genau so wie Mäuse. Seit kurzem sei es möglich, durch verbesserte Geräte Forschungen in freier Natur zu betreiben. Der Rotscheitelsäbler könne beispielsweise zwei Laute zusammenziehen und dadurch Worte bauen. Die Meisen wenden in ihrer Kommunikation Grammatik an, die ihnen hilft, die Gemeinschaft zu schützen.

Auch Höflichkeit kennen die Tiere untereinander, da sie um die Vorteile wissen, einem Ranghöheren freundlich zu begegnen.