Mosbach

Ratsherrenweckfeier in Mosbach Gottesdienst in St. Juliana / Festvortrag zum Thema „Digitalisierung“ / Gedankenaustausch bei Kartoffelsalat und Würstchen

„Rückenwind für die Arbeit zum Wohl der Stadt“

Mosbach.Mit Franz Lehars Walzer „Gold und Silber“ eröffnete das Quartetto Raddoppiamento die Mosbacher Ratsherrenweckfeier, und dasselbe, also „Gold und Silber“ wünschten die Musiker der Stadt Mosbach angesichts des begonnenen schwierigen Haushaltsjahrs.

Gemeinsames Handeln gefordert

Zum „feierlichen Begängnis“, wie es Pfalzgraf Otto I im Jahr 1447 in seinem Stiftungsbrief zur Ratsherrenweckfeier formulierte, begrüßte Oberbürgermeister Michael Jann auch Diakon Andreas Wolf und Pfarrer Victor vom Hoff. Sie hatten zuvor – und das ist die ursprüngliche Hauptsache an diesem Abend – den ökumenischen Gottesdienst mit dem Totengedenken gehalten.

Dort ging es darum, was die Welt im Großen und im Kleinen zusammenhält. Besonders sprach Victor vom Hoff die politischen Krisen der Welt und den Klimawandel an, welche gemeinsames Handeln zur Bewahrung der Schöpfung und einer lebenswerten Welt nötig machten.

Nach dem Gottesdienst in der Kirche St. Juliana zog die Schar der Festteilnehmer über den Marktplatz ins Rathaus. Dem seit vielen Jahren geübten Ritual folgend wünschte man sich dort, begrüßt und bewirtet von vielen Rathausmitarbeitern, ein gutes neues Jahr und unterhielt sich, bis sich gegen 19 Uhr die Türen zum festlich gerichteten Bürgersaal öffneten.

Dort nahmen die Ehrengäste, darunter Träger der Mosbach „Pfalzgraf-Otto“-Medaille, Landtagsabgeordneter und Gemeinderat Georg Nelius, DHBW-Rektorin Professorin Gabi Jeck-Schlottmann, Landrat Dr. Achim Brötel, der Präsident der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, Klaus Hofmann, der Geschäftsführer der Schwarz-Stiftung, Professor Reinhold Geilsdörfer, Thomas Degenhard von Audi sowie amtierende und frühere Bürgermeister Platz.

Begrüßt wurde zur Überraschung der Runde mit Dr. Thomas Hambrock ein Nachfahre von Pfalzgraf Otto I. Der Radiologe, der aus Südafrika stammt und erst seit kurzem in Deutschland lebt, entdeckte als Hobby-Ahnenforscher seine Wurzeln in Mosbach.

Ein besonderes Willkommen des Oberbürgermeisters galt aber den Hauptpersonen des Abends, den „Ratsherren und -herrinen“. Da die Kommunalwahl viele neue Gesichter ins Gremium gebracht habe, erinnerte Jann an den Hintergrund der Feier: Pfalzgraf Otto I belohnte diejenigen Ratsherren, die eine von ihm gestiftete feierliche Seelenmesse besucht hatten, mit einem „Wecken“.

„Deren zwei“ gab es für den Schultheißen, also heute für den Bürgermeister und den Oberbürgermeister. Wer die Messe unentschuldigt versäumte, zahlte zwei Pfennige – wie viel das heute ist, werde Bürgermeister Keilbach ausrechnen, so Jann. Die Tradition besteht seit 1147 und wurde 1953 erneuert.

Grill-App und Datenschutz

Den „Strategien und Aktivitäten der Landesregierung in Sachen Digitalisierung widmete sich dann der Festvortrag von Ministerialdirektor Stefan Krebs, Jahrgang 1960, geboren in Neckarsulm, aber mit verwandtschaftlichen und persönlichen Beziehungen nach Mosbach – im „Schlappen-Müller“ habe er so einige Sätze Turnschuhe gekauft und in der Jahnhalle manche bittere Niederlage erlitten, erzählte der Referent.

Am Beispiel einer Grill-App samt coolem bluetoothfähigem Fleischthermometer machte er humorvoll deutlich, dass man heute vieles kann, ohne es eigentlich zu können. Aber: „Ohne die App müsste ich wieder abgepackte Würste grillen“. Daraus ergäben sich Chancen, aber auch Risiken. Das Geld verdienten heute nicht mehr (nur) die Unternehmen, welche Waren herstellen und für Dienstleistungen sorgen, sondern die, die sie vermitteln, so der Beauftragte des Landes für Informationstechnologie am Beispiel von Uber und Airbnb. Im Geschäftsmodell der Zukunft gehe es um Server, Webportale und Kundendaten – ein grundlegender Wandel.

Danach listete Krebs Aspekte der teils mit hoher Förderung vorangetriebenen Digitalisierungsstrategie des Landes auf, darunter die Bereiche digitale Verwaltung, Gesundheitsanwendungen, Mobilität, Lernen, Weiterbildung und „Wirtschaft 4.0.“ Lob gab es für lokale Aktionen wie das „digitale Rathaus“ in Mosbach und die Breitbandinitiativen des Landkreises. Ans Ende seines Vortrags stellte Krebs bewusst das Thema Datensicherheit. „Schäden ohne Ende“ hätten Betriebe und Institutionen zu verzeichnen, weil ihre Systeme angreifbar seien und teilweise mühelos lahmzulegen seien, nicht nur von Viren und Hackern, sondern auch durch eigenes Handeln, wie er am Beispiel eines Ereignisses beim Ticketverkauf der Bundesgartenschau Heilbronn erläuterte.

OB als Sommelier

Nach dem Beifall für die Referenten öffneten sich die Türen wieder: Die Gläser wurden gefüllt – dieses Jahr mit einem von OB Jann ausgewählten badischen Weißburgunder – und man stieß an auf das Wohl des Pfalzgrafen und der Stadt.

Schließlich verteilte Jann die Wecken an die Gemeinderäte, Bürgermeister Michael Keilbach und an die Geistlichen. Er selbst erhielt seine beiden Backwerke aus der Hand von Manfred Beuchert, einem der „Neuen“ unter den Räten.

Gegenseitiges Vertrauen stärken

Aus seiner Sicht kam der Feier eine besondere Bedeutung zu: Sie diene angesichts der anstehenden Herausforderungen der Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und Verständnisses sowie der Förderung der Zusammenarbeit in geselliger und traditioneller Runde. „Damit haben wir dann ordentlich Rückenwind für unser Wirken zum Wohl unserer Stadt und der Bürger.“

Mit dem gemeinsamen „Festessen“ – traditionell Kartoffelsalat und Würstchen mit Senf und Meerrettich aus der Tube – begann dann der inoffizielle Teil des Abends, der ebenfalls traditionell in der Bar im „blauen Salon“ ausklang, Fahrservice inklusive. sab