Mosbach

Handwerk im Neckar-Odenwald-Kreis Mitglieder stimmen Zusammenschluss der Bäckerinnungen Buchen und Mosbach zu

Obermeister Peter Schlär an der Spitze

Heidersbach.Aus den Bäckerinnungen Buchen und Mosbach wird zum 1. Januar die Bäckerinnung Neckar-Odenwald. Der Fusion beider Organisationen stimmten deren Mitglieder am Montag in getrennten Sitzungen im Gasthaus „Löwen“ in Heidersbach zu. Die Führung der neuen Innung übernimmt der bisherige Obermeister der Bäckerinnung Buchen, Peter Schlär. Ihn wählten die Mitglieder ebenso einstimmig in das Amt wie seinen Stellvertreter Thomas Mayer.

In der ersten gemeinsamen Versammlung sprach Schlär von einem Zusammenschluss zweier starker Partner auf Augenhöhe, der aber auch mit einer Portion Wehmut verbunden sei. Aufgrund der über Jahrzehnte hinweg respektvollen Zusammenarbeit sei die Fusion die logische Konsequenz. Zumal sich der Rückgang der Betriebe zwar verlangsamt habe, aber nicht gestoppt sei.

„Es muss gemeinsam an einem Strang gezogen werden. Zusammen sind wir stärker“, betonte Schlär. Denn trotz der Fusion stehe man weiterhin vor den gleichen Problemen, etwa bei der Suche nach Fachkräften oder der Bewältigung einer weiter zunehmenden Regulierung. Deshalb verstünden sich die Mitglieder der Innung nicht als Konkurrenten, sondern als Partner bei der Positionierung regionaler Produkte und bei der Abgrenzung des Bäckerhandwerks von der industriellen Produktion.

„Wenn es gilt, ist jeder dabei“, so Schlär. Gemeinsam müsse man die Anliegen der Innungsmitglieder noch stärker gegenüber den Verbänden und der Politik vertreten, um beispielsweise die Außenstelle der Bäko-Regionalgenossenschaft Süd-West in Buchen dauerhaft zu erhalten. „Wenn es die nicht mehr gibt, haben wir ein Problem“, sagte Schlär mit Blick auf die zuverlässige Versorgung der Betriebe mit Rohstoffen.

Zum Abschluss dankten er und sein bisheriger Mosbacher Amtskollege Friedbert Englert allen früheren und aktuellen Verantwortlichen der Bäckerinnungen Buchen und Mosbach für mehr als 100 Jahre ehrenamtliche Arbeit. Gemeinsam werde man das „Innungsschiff“ auch weiterhin auf Kurs halten.

Im weiteren Verlauf der Versammlung ging Ute Sagebiel-Hannich, Geschäftsführerin des Bäckerinnungsverbands Baden, auf das neue Beitragssystem ein, das aus sehr unterschiedlichen Systemen der Innungen Buchen und Mosbach habe erarbeitet werden müssen. „Daran wäre die Fusion fast gescheitert“, sagte Sagebiel-Hannich. Schließlich sei es doch gelungen, einen tragfähigen Kompromiss zu finden, den die Geschäftsführerin für die Betriebe „als zumutbar und nicht abschreckend“ bezeichnete. Als Konsequenz daraus seien weiterhin Entnahmen aus der Rücklage notwendig. Dennoch sprach die Geschäftsführerin von einem guten Start für die neue Innung und einem gelungenen Ausgleich aller Interessen.

Die Erläuterungen von Sagebiel-Hannich untermauerte Michael Windmeißer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, mit Zahlen: Er stellte im Entwurf für den Innungshaushalt 2020 die erwarteten Einnahmen den prognostizierten Ausgaben gegenüber. Dem Etat mit einem Defizit von rund 3000 Euro stimmten die Mitglieder geschlossen zu.

In den folgenden Grußworten ging zunächst Jochen Frühauf, Vorstand der Bäko-Regionalgenossenschaft Süd-West, auf die Veränderungen in der Branche in den zurückliegenden zehn Jahren ein. Statt damals 40 gebe es aktuell noch 27 Bäko-Regionalgenossenschaften. „Fusionen sind notwendig“, so Frühauf. Die Bäckerinnungen habe er in diesem Zeitraum als verschworene Gemeinschaft wahrgenommen, die nach außen hin immer mit einer Stimme aufgetreten seien. Durch den Zusammenschluss sei die neue Innung in der Lage, auch zukünftig als Sprachrohr und Dienstleister der Mitglieder erfolgreich aufzutreten.

Kreishandwerksmeister Jochen Baumgärtner bezeichnete die neue Innung als „tolles Team“. Bis auf ein Gewerk hätten nun im Neckar-Odenwald-Kreis alle Innungen den Zusammenschluss vollzogen.

Zum Abschluss der Versammlung ging Ute Sagebiel-Hannich in einer Präsentation auf das Thema Lebensmittelverschwendung ein. Angesichts von jährlich 18 Millionen Tonnen weggeworfener Lebensmittel in Deutschland könnten Handwerksbäckereien in diesem Bereich Zeichen setzen.

Beispielsweise mit einer Beteiligung an der App „Too good to go“, um Retouren aus Filialen zu reduzieren, an der App „Intab Pro“, die genauere Prognosen über den Absatz der Betriebe errechnet, oder an der „Emma App“, die es kleinen Betrieben ermöglichen soll, mit den großen Unternehmen auf Augenhöhe zu agieren.