Mosbach

Demonstration in Mosbach Rund 120 Teilnehmer machten sich auf den Weg / Zug durch die Innenstadt zum Ludwigsplatz

Besseren Klimaschutz gefordert

Mosbach.Es ist kurz nach 15 Uhr am vergangenen Freitag. Viele Autos befahren die Bundesstraße 27 am Bahnhof West in Mosbach. Doch dann fährt ein Polizeiauto mit Blaulicht in die Kreuzung, stoppt den Verkehr und rund 120 Klimaschützer rufen den Autofahrern und anderen Passanten ihre Parolen entgegen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“, ist nur ein Slogan, der weithin zu hören ist.

Ganz vorn führen den Zug einige Kinder an, die richtig Stimmung machen. Doch nicht nur sie, Demonstranten aller Altersklassen finden sich beim dritten „Global-Climate-Strike“ in Mosbach, zu dem das Klimabündnis-NOK, „Fridays for Future Mosbach“ und „Parents for Future“ eingeladen haben.

Zug in die Innenstadt

Am Busbahnhof verlässt der Demonstrationszug die Bundesstraße wieder und zieht laut rufend durch die Innenstadt weiter zum Ludwigsplatz. Unterwegs schließen sich immer wieder Leute den Klimaschützern an, andere bleiben stehen und machen Fotos. „Für was wird denn gestreikt?“, will ein Passant wissen. Als er hört, dass es um den Klimaschutz geht, meint er nur: „Wichtig sicher...“ Anschließen möchte er sich jedoch nicht. Die „Checkliste“ von „Vegans for Future“ lässt er sich jedoch bereitwillig mitgeben.

Hierauf erfahren Interessierte, was jeder selbst für ein besseres Klima tun kann. So zum Beispiel, beim Einkauf darauf achten, möglichst unverpackte und plastikfreie Produkte zu kaufen. Oder auch auf Second-Hand-Ware und Recyclingprodukte zu setzten. Des Weiteren sind regional, saisonal und fairetrade für die Bewegung wichtig. Klimaschutz auf dem Teller heißt für sie zudem, vegan zu essen.

Das auch die Ernährung viel zum Klimaschutz beitragen kann, führt bei der Kundgebung auf dem Ludwigsplatz Franziska Wachter aus. Denn gerade die Produktion der Nahrungsmittel, stoße extrem viel schädliches CO2 aus. Pro Person und Jahr kämen rund 1,7 Tonnen CO2 zustande, sagte sie. Besonders die Fleischproduktion mit der verbundenen Massentierhaltung schade dem Klima, führte Wachter aus. Durch eine vegane Ernährung ließen sich 88 Prozent des landwirtschaftlich verursachten CO2-Ausstoßes einsparen. „Sollen wir jetzt alle nur noch vegan essen?“, fragte Wachter am Ende ihrer Rede und gab selbst die Antwort. „Ja und Nein.“

Es gebe Gegenden auf der Welt, in denen nur Gras wachse. Hier müssten die Einheimischen das Fleisch ihrer Tiere essen, um zu überleben. Und gerade auch Kinder sollten nicht vegan ernährt werden. Allen anderen gab sie mit auf den Weg, die eigene Ernährung zu überdenken. Vielleicht nur noch einmal pro Woche regionales Bio-Fleisch zu kaufen und zuzubereiten sowie bei Joghurt und Milch auf pflanzliche Produkte umzusteigen. Damit sei schon viel für den Klimaschutz getan.

Thomas Schaupp zeigte in seiner Rede die Möglichkeiten zur klimaneutralen Energieversorgung auf. Denn er war sich sicher: „Die Klimakatastrophe wird viel schlimmer als alle Gegenmaßnahmen, so unangenehm sie auch sein mögen. Die Klimakatastrophe kann aufgehalten oder zumindest eingedämmt werden durch sofortiges Handeln.“ Hier müsse man besonders beim Verkehr und beim Thema Heizen gewissermaßen nachsitzen.

Die Schülerin Judith Alze referierte über überregionale Bestandteile des globalen Klimasystems, die durch kleine externe Störungen, beispielsweise minimale Klimaveränderungen, einen unumkehrbaren Zustand erreichen. „Es gibt Punkte, an denen es zu spät ist, an denen wir nichts mehr tun können, an denen der Zug abgefahren ist, an denen wir verloren haben.

Diese könnten früher kommen als gedacht.“ Besonders anfällig für solche „Kipp-Szenarien“ sei die Erderwärmung die zum Tauen des Eises in der Arktis oder auch der Permafrostböden führt.

„Fridays for Future“ fordert a die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens und des 1,5 Grad-Ziels. Für Deutschland müsse dies eine „Nettonull“ in Bezug auf Treibhausgase bis 2035, einen Kohleausstieg bis 2030 sowie eine Energieversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien bis 2035 bedeuten. In Mosbach machten sich die Demonstranten am Freitag ebenfalls für diese Ziele stark und forderten die Regierung auf, „sich endlich für die Zukunft dieser Erde einzusetzen“. sla