Mosbach

„Wir bauen heute die Welt von morgen“ Ausstellung „Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg 2020“ im Landratsamt eröffnet

24 Projekte in Mosbach zu sehen

Archivartikel

Mosbach.„Wir bauen heute die Welt von morgen“: Dies ist das Motto, dem sich der „Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg“ verschrieben hat. Aber wie soll diese gebaute Welt aussehen? Welchen Erwartungen soll sie gerecht werden, damit sie eine lebenswerte Umwelt ist? Und welche Lösungsansätze gibt es, die beispielhaft und übertragbar sind? Mit Blick auf die kreative Beantwortung dieser in der Ausschreibung formulierten Fragen, begutachtete die 15-köpfige Jury bei der zweiten Vergabe des vor fünf Jahren erstmals verliehenen Staatspreises Baukultur Baden-Württemberg die 133 eingereichte Bauprojekte.

Dabei wurden je drei Projekte in den Kategorien Städtebau und Freiraum, Infrastruktur- /Ingenieurbau, Wohnungsbau, Gewerbebau, Bauen für Gemeinschaft, Bauen für kirchliche Nutzungen, Bauen für Bildung und Forschung sowie besondere Projekte der Baukultur ausgezeichnet.

Feier im kleinen Kreis

Die Eröffnung der Wanderausstellung im Landratsamt in Mosbach, in der alle 24 ausgezeichneten Projekte vorgestellt werden, übernahm der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel. Nachdem die feierliche Preisverleihung für den Staatspreis bereits dem Coronavirus zum Opfer fiel, freute sich Brötel besonders, einen kleinen Kreis an Interessierten als „Premierengäste“ begrüßen zu können. Ein besonderer Willkommensgruß galt dem Leiter der Abteilung Infrastruktur und Wohnungsbau aus dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg, Professor Dr. Markus Müller, und Projektleiterin Dr. Wei Jiang. Des Weitern den Kollegen aus dem Kreistag und einigen Bürgermeistern sowie dem Vorsitzenden der Kammergruppe Neckar-Odenwald-Kreis der Architektenkammer, Diplom-Ingenieur Josef Scheurich. „Architektur ist im Idealfall immer direkte Auseinandersetzung mit dem Menschen“, zitierte der Landrat den amerikanischen Nachkriegsarchitekten Richard Meier, dessen Aussage seiner Meinung nach auf den Punkt bringe, worauf es ankomme. Denn Architektur schaffe Lebensqualität – positiv wie negativ. „Deshalb ist es ja so wichtig, einem Gebäude nicht nur eine gute Außenwirkung, sondern eben gerade auch eine hohe Innenraumqualität zu verschaffen. So verstanden ist Architektur aber zweifelsohne auch Teil unserer Kultur“, führte Achim Brötel aus. Es gehe darum, dass gute Architektur „neue Akzente“ setze, „um unser Wohnen und Zusammenleben zu bereichern“.

Mehr als eine Fassade

„Sie sind die ersten, die diese Ausstellung sehen“, ließ Prof. Dr. Müller die Anwesenden wissen und erklärte, dass die Ausstellung seiner Meinung nach „für sich selbst sprechen“ solle. In seiner Einführung gab er daher einige Denkanstöße für die Auseinandersetzung mit Architektur als kulturellem Bestandteil. „Es ist fast schwieriger, ein guter Kritiker als ein guter Architekt zu sein. Während die Architektur von sorgfältiger Überlegung begleitet wird, muss das Urteil des Kritikers aus einer spontanen Haltung heraus formuliert werden“, zitierte Müller den englischen Architekturtheoretiker Henry Wotton (1624).

Zwischen Zweck und Schönheit

Und fragte gleich darauf: „Doch wie wird man einem Bauwerk mit seiner Kritik gerecht?“ Denn dieses sei mehr als seine Fassade, mehr als das Bauwerk für sich, gab Müller zu bedenken. Zudem immer im Spannungsverhältnis zwischen Zweck und Schönheit verortet, zugleich aber auch ein Medium, welches die Identität einer Gesellschaft widerspiegelt. „Die Werke der Architektur waren und sind Symbole der Restauration und des Fortschritts, an ihnen arbeiten wir uns ab“, fasste Müller seinen Vortrag zusammen.

Natürlich könne man in der Ausstellung ein für sich „spontanes, ästhetisches Urteil“ über die Bauwerke fällen und es dabei belassen. Er riet den Gästen aber: „Bitte fragen Sie sich und ringen Sie vielleicht auch mit sich um die Frage, ob diese Preisträger die angemessene, gebaute Umwelt unserer Zeit und unserer Gesellschaft sind und sein sollten.“

Beim anschließenden Gang durch die Ausstellung betrachteten viele Gäste die Bauwerke sehr genau, diskutierten über die Begründungen der Jury und staunten über so manche Idee der Architekten. „Was heute alles möglich ist“, meinte ein Herr bei der Betrachtung des in der Kategorie Wohnungsbau ausgezeichneten zehngeschossigen Hochhauses „skaio“ in Heilbronn. Das zehngeschossige Gebäude wurde in Holzhybridbauweise errichtet. „Das Haus leistet einen Beitrag zur Frage, wie der ökologische Fußabdruck möglichst günstig gestaltet werden kann. Insofern ist die Materialfrage eben keine geschmäcklerische, sondern eine sehr rationale“, lautete die Preisbegründung der Jury.

Unter den preisgekrönten Bauprojekten finden sich aber auch die Kochertalbrücke der A6 in Geislingen am Kocher, Reihenhäuser auf einem Parkdeck in der Konstanzer Innenstadt, die Stadtbibliothek in Rottenburg am Neckar sowie der einstige Stahlbeton-Hochbunker in Mannheim, der nun das Marchivum beherbergt.