Main-Tauber

Festakt zur Verleihung des Kulturlandschaftspreises Sonderpreis Kleindenkmale ging an drei Jungs aus Tauberbischofsheim sowie an den Kulturverein Wittighausen

Wichtige ehrenamtliche Leistungen für die Heimatgeschichte

Main-Tauber-Kreis/Rottenburg.„Unsere Kulturlandschaften gehen den Menschen in Baden-Württemberg ans Herz. Es ist deshalb sehr wichtig, dass Bürger, die sich um die Erhaltung unserer Kulturlandschaften kümmern, geehrt und gewürdigt werden“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am Mittwoch in Rottenburg (Landkreis Tübingen) anlässlich der Verleihung des Kulturlandschaftspreises 2019.

Das Land Baden-Württemberg tue sehr viel, um die artenreichen Kulturlandschaften zu erhalten. „Mindestens ebenso wichtig ist aber das Engagement der Bürger. Herzlichen Dank an die Preisträger für ihr Engagement zur Erhaltung unserer artenreichen Kulturlandschaften und Kulturdenkmäler. Ein Feldrain hier, eine gepflegte Streuobstwiese dort, das Anlegen von Trockenmauern in Wein-Steillagen, Weideprojekte, die Pflege von Feldkreuzen und Flurdenkmälern – viele kleine Schritte ergeben auch einen langen Weg“, betonte Minister Hauk.

Zu den Preisträgern gehören auch Matti Beierstettel, Jonne Beierstettel und Phil Engert aus Tauberbischofsheim sowie Kulturverein Wittighausen. Sie wurden jeweils mit dem Sonderpreis Kleindenkmale ausgezeichnet.

Historischen Weg freigelegt

Matti und Jonne Beierstettel sowie Phil Engert wurden aufgrund ihrer dreijährige Aktivitäten zur Auffindung, Freilegung und dauerhaften Freihaltung eines historischen Weges sowie einer fachgerechten Dokumentation aller noch vorhandenen circa 250 Grenzsteine der Gemarkung ausgezeichnet.

Auf ihren samstäglichen Exkursionen stießen drei Jungen zwischen sieben und elf Jahren auf einen historischen, aber in Vergessenheit geratenen Weg.

Von Forscherdrang angetrieben, legten sie den Weg mit Unterstützung weiterer Freunde frei. Seit drei Jahren halten sie ihn und seine Geschichte offen und erlebbar. Ein aufgefundener historischer Grenzstein war der Einstieg in ein weiteres Entdecker-Abenteuer.

In monatelangen Begängen fanden die Jungen alle noch vorhandenen Grenzsteine der Stadt, machten sie zugänglich, reinigten und dokumentierten sie in Text und Bild auf eigenen Erfassungsbögen.

Erhalt von Bildstöcken

Der Kulturverein Wittighausen hat alle Bildstöcke und Wegkreuze der Gemarkung dokumentiert, deren Pflege und teilweise Restaurierung übernommen und organisatorische und praktische Unterstützung der Eigentümer von Kleindenkmalen zu deren Erhaltung geleistet

Insbesondere zwei Mitglieder des Vereins, Dr. Reiner Saltin und Bernhard Henneberger, haben in den vergangenen Jahren alle Flurkreuze und Bildstöcke von Wittighausen in vier Fotobüchern dokumentiert, sie fachgerecht gereinigt und mit Hilfe von Fachleuten ausgebessert oder auch restauriert.

Gleichzeitig unterstützen sie Eigentümer bei der Beschaffung von Fördermitteln oder der Suche nach Fachleuten zur Erhaltung und Pflege von deren Kleindenkmalen. Mithilfe einer Präsentation halten sie Vorträge und fördern so die Wahrnehmung von Kleindenkmalen im Bewusstsein ihrer Mitbürger.

Baden-Württembergs Kulturlandschaften stiften nicht nur bei vielen Menschen ein Heimatgefühl. Sie leisten seit jeher auch einen bedeutenden Beitrag zur Biodiversität, die neuerdings immer stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerät. „Streuobstwiesen, Wacholderheiden, Steillagen, Moore und Wälder sind wichtige Rückzugsgebiete für viele seltene Tiere und Pflanzen. Viele dieser Kulturlandschaften sind heute bedroht. Sie sind ein Schatz, den wir unbedingt erhalten müssen“, forderte der Minister.

Globalisierung ist ein Problem

Die Landwirte, Winzer und Obstbauern können die Kulturlandschaften nur erhalten, wenn ihre Betriebe finanziell auf gesunden Beinen stehen. „Das ist heute aber oftmals leider nicht der Fall. Die Globalisierung der Agrarmärkte führt dazu, dass sie in ein echtes Dilemma geraten: Einerseits sollen sie umweltschonend produzieren und helfen, die artenreichen Kulturlandschaften zu erhalten. Andererseits sollen sie auf internationalen Märkten ihre Wettbewerbsfähigkeit behaupten. Das ist ein ernstes Problem“, betonte Minister Hauk.

„Politik und Gesellschaft müssten bereit sein, den Bewahrern der artenreichen Kulturlandschaften einen finanziellen Ausgleich zu zahlen. Es sei deshalb erfreulich, dass viele Verbraucher wieder vermehrt auf regionale, nachhaltig erzeugte Agrarprodukte zurückgreifen und auch bereit sind, etwas höhere Preise zu bezahlen. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer Kulturlandschaften“, so Hauk.

Jeder Haupt-Preisträger erhält ein Preisgeld von 1500 Euro. Die Sonderpreise Kleindenkmal sind mit jeweils 500 Euro dotiert. Insgesamt beträgt die Preissumme 10 500 Euro, die von der Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung gestellt wird. Überreicht wurden die Preise von Minister Peter Hauk (MdL/CDU), Dr. Harry Streib, stellvertretender Verbandsgeschäftsführer des Sparkassenverbands Baden-Württemberg und Josef Kreuzberger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes.