Main-Tauber

Schuldnerberatung Ausschuss für Soziales, Bildung, Kultur und Verkehr stimmte der Änderung von der Pauschal- auf die Anteilsfinanzierung der Beratungsstellen zu

Wenn das Geld durch die Finger rinnt

634 Menschen in finanzieller Bedrängnis sind die Schuldnerberatungsstellen im Main-Tauber-Kreis im vergangenen Jahr mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die Nachfrage ist ungebrochen.

Main-Tauber-Kreis. In die Schuldenfalle zu tappen, ist denkbar einfach. Wer seinen Job verliert, unbedarft dem Internet-Shopping verfällt oder auf den schnellen Kredit vertraut, landet schnell in der Spirale, die Mahnung um Mahnung nach sich zieht. Einfach die Post nicht mehr zu öffnen, ist auch keine Lösung.

Anlaufpunkte in einer solch existenziellen Notsituation sind Schuldnerberatungsstellen. Zwei gibt es im Main-Tauber-Kreis. Bei der für den mittleren und nördlichen Kreis zuständigen ist der Caritasverband im Tauberkreis Träger, bei der in Bad Mergentheim angesiedelten das Diakonische Werk Main-Tauber-Kreis.

Der Kreistagsaussschuss für Soziales, Bildung, Kultur und Verkehr beschloss jetzt den Zuschuss zur Finanzierung der Schuldnerberatungen für die Jahre 2020 bis 2022. Beantragt hatten Caritas und Diakonie bereits 2016 die Fördersumme von 80 Prozent für Personal- und Sachkosten, bewilligt wurden letztlich 75 Prozent als pauschaler Förderbetrag. Im Juni beantragten die Träger nun, bei der Finanzierung der Schuldnerberatungen analog zu den Erziehungsberatungsstellen zu verfahren. Hier wird die Förderung nicht pauschal, sondern prozentual gemäß der nachgewiesenen Personal- und Sachkosten gezahlt.

Dem schloss sich der Ausschuss an, nachdem Sozialdezernentin Elisabeth Krug die gute Beratung und Unterstützung betont und die Schuldnerberatung als Pflichtaufgabe dargestellt hatte. „Die Zusammenarbeit hat sich sehr gut bewährt“, so Krug. Sie stellte zudem dar, dass die Schuldnerberatungsstelle des Diakonischen Werks mittlerweile als Insolvenzberatungsstelle anerkannt sei und deshalb für das kommende Jahr eine Personalaufstockung plane.

Gut angelegtes Geld

Joachim Markert (CDU) bezeichnete die Förderung des Landkreises als „gut angelegtes Geld“. Immerhin seien zehn Prozent aller deutschen und 8,8 Prozent aller baden-württembergischen Haushalte verschuldet. Jochen Flasbeck (Freie Wähler) fragte als Advocatus Diaboli an, was unter einer Pflichtaufgabe zu verstehen sei, um darauf gleich selbst zu antworten. „Wenn Caritas und Diakonie diese Aufgabe nicht übernehmen würden, müssten wir das selbst machen.“ Dass dies so sei, konnte auch Landrat Reinhard Frank nicht vom Tisch wischen. Er sprach hingegen von einem guten und vertrauensvollen Miteinander, das auch in anderen Bereichen, wie der Erziehungsberatung, gepflegt werde. Letztlich stimmten die Ausschussmitglieder dem bereits mündlich ausgehandelten Kompromiss zwischen Trägern und dem Landkreis einhellig zu.

Der Zuschuss wird ab 2020 für drei Jahre als Anteilsfinanzierung in Höhe von 75 Prozent der Personalkosten und 50 Prozent der Sachkosten gewährt. Für das kommende Jahr bedeutet das eine Erhöhung des Zuschusses um 27 000 Euro auf 161 000 Euro. Auf die stufenweise Erhöhung der Sachkosten, wie sie von den Trägern angeregt wurde, gingen weder die Verwaltung noch die Mitglieder des Ausschusses ein. hvb