Main-Tauber

Straßenmeisterei Kreistag stimmte Verlagerung des Betriebshofs von Wertheim nach Külsheim zu / Kostenschätzungen belaufen sich auf rund neuen Millionen Euro

Weg frei für Umzug in die Brunnenstadt

Archivartikel

Die Straßenmeisterei Wertheim bekommt ein neues Domizil im ehemaligen Kasernenareal in Külsheim. Die Kosten des Umzugs belaufen sich auf rund neun Millionen Euro.

Main-Tauber-Kreis/Wertheim. Die Hallen der Straßenmeisterei in Wertheim sind in einem sehr schlechten Zustand. Sie entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen für die Unterbringung der Geräte und Fahrzeuge. Zudem besteht am Standort in der Main-Tauber-Stadt keine Flächenreserven. Umzug sowie Neubau sind unvermeidlich.

Hinzu kommt, dass das Grundstück, auf dem die Autobahnmeisterei derzeit beheimatet ist, vom Land Baden-Württemberg an die Firma Kurtz Ersa verkauft worden ist. Derzeit stellt das Unternehmen dem Main-Tauber-Kreis das Areal mietfrei zur Verfügung. Allerdings wurde eine Räumungsvereinbarung getroffen. Sie besagt, dass das Grundstück bis spätestens 31. Dezember 2023 freizugeben ist.

Der Kreistag hat mit dem Beschluss des Verwaltungs- und Finanzausschusses der Standortverlagerung des Betriebshofs der Straßenmeisterei Wertheim zugestimmt. Für diese Maßnahme standen zwei Alternativen zur Auswahl: Reinhardshof, Gyula-Hornstraße (ehemaliges Kasernengelände) sowie Külsheim, Boschstraße (ehemaliges Kasernenareal). Die Kreisverwaltung beauftragte das Ingenieurbüro für Bauwesen ibs Schweizer eine Machbarkeitsplanung für beide Standorte zu erstellen. Zuvor waren schon mehr als 20 Grundstücke in Wertheim untersucht worden, so Landrat Reinhard Frank. Übriggeblieben seien die zwei.

Die Voruntersuchung zum Schallimmissionsschutz ergab für die drei ins Auge gefassten Varianten auf dem Reinhardshof, dass der Betrieb im Nachtzeitraum nicht möglich ist. Bei einer Variante wäre sogar der Tagesbetrieb nicht zulässig. Gegen einen Tag- und Nachtbetrieb in Külsheim hingegen spreche nichts. Der Standort in der Boschstraße sei deshalb für den Neubau eines Straßenmeistereigehöfts geeignet. Lediglich der vorhandene Bebauungsplan müsse zeitnah geändert werden.

„Die Lage sei egal, ist mir von den Beschäftigten der Straßenmeisterei zugesichert worden“, führte Landrat Reinhard Frank weiter aus. „Zudem ist der Reinhardshof ein prosperierendes Areal, das bei Fimen sehr gefragt ist.“ Die Stadt Wertheim habe deshalb keine Probleme, die Grundstücke anderweitig an den Mann zu bringen. Ein größerer Schaden für die Stadt entstehe nicht.

Im Falle Külsheims würde die Verlegung der Straßenmeisterei bei der Konversion des Kasernenareals hingegen hilfreich sein. „Die Stadt Külsheim hat uns bei der Aufnahme von Flüchtlingen über Gebühr unterstützt und da können wir durchaus etwas zurückgeben. Der Neubau des Betriebshofs ist da eine gute Gelegenheit.“ Weiter führte Frank an, dass der Gundstückspreis in Külsheim günstiger sei.

Mit der Verlegung des Standorts der Straßenmeisterei an die Peripherie des Einsatzgebietes konnte sich Thomas Kraft (SPD) nicht anfreunden: „Ich sehe ein, dass die Lärmschutzgutachten hier eindeutig für Külsheim sprechen, aber in der Diskussion ist mir nicht klar geworden, ob sich dadurch nicht die Betriebskosten erhöhen, weil die Wege weiter werden.“ Haupteinsatzgebiet sei die Landesstraße 2310 und da liege der gegenwärtige Standort in der Nähe. Auch eine Verlegung innerhalb Wertheims bedeuten kürzere Wege als von Külsheim. Deshalb sei für ihn nicht klar, ob die Effektivität von der Brunnenstadt aus erhalten bleibe.

Auch könne er sich nicht vorstellen, dass Grundstücke aufgrund ihres topgrafischen Zuschnitts aussortiert wurden. „In Wertheim werden die Grundstücke nach Absprachen immer dem Projekt entsprechend gestaltet“, sagte Kraft abschließend. Deshalb könne er nicht zustimmen.

Für Gernot Seitz (SPD) ist es unverständlich, dass sich „das Land aus der Verantwortung stehlen kann“. Zumindest aus dem Verkaufserlös hätte das Land dem Kreis einen Zuschuss wegen nicht erbrachter Investitionen geben müssen. „Das Land darf den Kaufpreis behalten und wir müssen neun Millionen Euro finanzieren. Das sehe er nicht ein und sei deshalb dagegen.

„Die Sachargumente sprechen eine eindeutige Sprache“, stellte Manfred Schaffert (CDU) fest. Zum einen sehedas der Kaufvertrag des Landes mit der Firma Kurtz Ersa vor. Zum anderen führte er das Lärmschutzgutachten ins Feld: „Wir sollten dem externen Gutachten Glauben schenken.“ Und er fügte an: „Wir sollten jeglichem Lärmproblem aus den Weg gehen.“

Für den Neubau wird eine Fläche von 16 200 Quadratmetern benötigt. Der Kreistag beauftragte bei zwei Gegenstimmen die Kreisverwaltung die für den Neubau erforderliche Fläche für 210 600 Euro zuzüglich Grunderwerbsnebenkosten von der Stadt Külsheim zu erwerben. Zudem wird das Amt für Immobilienmanagement mit der Vorbereitung der Planung der notwendigen Gebäude und Funktionsflächen für den Betrieb einer Straßenmeisterei beauftragt. Die Kosten werden auf rund neun Millionen Euro geschätzt. Das Geld ist in den Haushaltsjahren 2019 bis 2023 bereitzustellen.

Die Straßenmeisterei in Wertheim ist neben den Straßenmeistereien in Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim einer der drei Betriebshöfe im Main-Tauber-Kreis. Sie betreut ein Streckennetz von rund 217 Kilometern im nördlichen Kreisgebiet. Sie ist insbesondere für die Landesstraße 2310 und die entlang der Straße verlaufenden steinschlaggefährdeten Steilhänge in der Unterhaltung verantwortlich.