Main-Tauber

FN Sommer Etwa 50 Leser nahmen am Ausflug zu Audi Neckarsulm teil / Exklusive Einblicke in Karosseriebau und Montage bekommen

Von Auto-Hochzeiten und Roboter-Ehegatten

Industrie 4.0 – und alles was dazu gehört – erlebten die Teilnehmer der FN-Sommertour bei einer Audi-Werksbesichtigung in Neckarsulm aus erster Hand.

Neckarsulm. Hochzeiten im 160-Sekunden-Takt sind nur möglich, wenn die Braut schon vor der Trauung über die Türschwelle getragen wird – mit Roboterarmen.

Von dieser Technologie hat es in der Produktion von Audi Neckarsulm jede Menge. Davon machen sich rund 50 Zeitungsleser bei der FN-Sommertour selbst ein Bild. Die Hochzeit, das ist übrigens der Moment, wenn die Ehefrauen (Karosserien) mit den Ehemännern (Antriebssträngen) zusammengeführt werden. Oder einfacher: Sie ist der letzte Arbeitsschritt vor der Fertigstellung des Wagens. Welche Stationen zuvor kommen, das nehmen die Leser bei der FN-Sommertour genau unter die Lupe. In zwei Gruppen aufgeteilt, erwartet die Besucher aus der Region Odenwald-Tauber eine exklusive Führung. Dabei können die gespannten FN-Leser den kompletten Entstehungszyklus eines Audis erleben. Organisiert wurde der Ausflug von FN-Marktmanagerin Lorena Klingert. Zunächst geht es mit dem Bus über das Werksgelände zum Karosseriebau des Audi A8. Er ist eine sportliche Oberklassen-Limousine, die bereits in der vierten Generation gefertigt wird. In dem 41 Meter hohen Produktions-Gebäude nehmen die Teilnehmer die ersten 500 Roboter in Augenschein, die auf einer Fläche von 50 000 Quadratmetern (etwa sieben Fußballfelder) auf drei Fertigungsgeschossen arbeiten.

„Vor 20 oder 30 Jahren hätte sie noch ein anderes Bild erwartet“, erklärt Gästeführer Viktor Merklinger beim Betreten der heiligen Hallen. „Da war der Karosseriebau noch deutlich rauchiger und schmutziger. Eventuell hätten sie die Hand vor den Augen nicht erkannt.“ Nun eröffnet sich den FN-Lesern ein ganz anderer Anblick. Es mutet fast wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film an. Überall hantieren die orangenen Roboterarme, schweißen, schrauben und nieten. Die Arbeit verläuft fast wie von selbst. Aber nur fast: Bei Wartung, Ultraschallprüfung oder Logistik kommen noch Menschen zum Einsatz – und wenn es irgendwo hakt. Erkennt die Maschine, dass es ein Problem gibt, wird ein Mitarbeiter auf seinem Tablet kontaktiert und eilt sofort zur Stelle. So durchlaufen täglich rund 120 A8-Karosserien die Produktion. Das Auto, so Merklinger, werde besonders gerne von Managern oder Politikern gefahren. Auch in Angela Merkels Fuhrpark ist einer zu finden. Der Audi A8 L W12 Security ist ein Auto, das über dieselbe Luxusausstattung wie seine Artgenossen verfügt und zudem noch gepanzert ist. „Auch das machen wir mittlerweile in Neckarsulm“, meint der Audi-Mitarbeiter. 70 Prozent der A8-Produktion würden nach China exportiert.

Wieder mit dem Bus ging es weiter zur Montagekette. Dort wird die A4 Limousine und das A5 Cabrio gefertigt. Letzteres wird sogar ausschließlich in Neckarsulm produziert. Anders als der A8 habe der A4 eine breite Zielgruppe, werde sowohl von Firmen als auch Privatpersonen gekauft, erklärt Merklinger. Circa 14 500 Quadratmeter Grundfläche hat die Halle, die ursprünglich für die Produktion des legendären A2 konzipiert worden war. Dort arbeiten nun auch deutlich mehr Menschen. Sie stehen an unterschiedlichen Stationen und nehmen die Audis in spe in Empfang, die mittels Fördertechnik über Schubplattformen zu ihnen transportiert werden. Pro Fahrzeug, so Pressesprecherin Carolin Soulek, würden rund 5000 Teile verbaut. Alle vier Stunden, erzählt Viktor Merklinger, wird ein Cabrio fertiggestellt: „Das heißt, wenn der der Wagen zur Frühstückszeit in die Montage kommt, ist er nach dem Mittagessen bereits fertig.“

Von einer Plattform auf erhöhter Position aus hatten die FN-Leser einen Blick über die gesamte Produktionsebene. Während unten fleißig montiert wird, schweben die Karosserieteile auf Augenhöhe an ihnen vorbei. Einen guten Blick hat man so auch auf den Höhepunkt der Montagekette: die eingangs erwähnte „Hochzeit“.