Main-Tauber

Suchttherapie Ablauf einer Beratung durch die AGJ / Entwöhnungsmöglichkeiten

Scham so früh wie möglich nehmen

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Die AGJ-Suchtberatung im Main-Tauber-Kreis im Caritas-Haus St. Lioba in Tauberbischofsheim mit Außenstellen in Bad Mergentheim und Wertheim ist eine selbstständige und unabhängige Informations-, Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke sowie deren Angehörige. Zudem ist sie kreisweite Fachstelle für Suchtprävention.

Die Kontaktaufnahme für eine Beratung erfolgt zumeist per Telefon durch einen Betroffenen selbst oder durch einen Angehörigen. Zuweilen schalten sich Hausarzt, Arbeitgeber, Sozial- und Jugendamt oder andere Institutionen als Vermittler ein. Häufige Gründe für eine Kontaktaufnahme sind beispielsweise die drohende Trennung des Partners oder das Auseinanderbrechen der Familie, die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes, Auflagen wie etwa durch Arbeitsamt, Justiz oder Führerscheinstelle, Angst vor sozialer Isolation sowie Sorge um Folgeschäden durch Suchtmittel.

Die Gespräche sind meistens auf eine Stunde begrenzt und unterliegen der Schweigepflicht. „Für viele Klienten ist es eine vollkommen neue Situation und Erfahrung, in einer Beratungsstelle über sich zu reden“, berichtet Michael Goldhammer, Leiter der AGJ-Suchtberatung im Main-Tauber-Kreis. Wegweisendste Grundlage für eine Hilfe sei eine tragfähig vertrauensvolle Beziehung zwischen Klient und Therapeut, die entstehe, wenn eine ratsuchende Person spüre, geachtet zu werden. In welchen Abständen Gespräche stattfinden, werde gemeinsam mit dem Betroffenen besprochen.

„Gerade weil sich Betroffene wegen ihrer Suchtkrankheit oft schämen, ist es ein wichtiger Ansatz für deren Motivation, ihnen die Scham so früh wie möglich in dem Krankheitsbewältigungsprozess zu nehmen“, unterstreicht Goldhammer. Dabei stehe die „Niedrigschwelligkeit“ der Angebote im Vordergrund, damit Klienten so früh wie möglich den Kontakt mit der AGJ-Beratungsstelle knüpfen sowie ohne Ängste Vertrauen zu der Beratungsofferte und dem Personal aufbauen.

Könne die Suchtproblematik mit Gesprächen in der Beratungsstelle nicht bewältigt werden, seien Entscheidungen über weitere unterstützende Maßnahmen zu treffen. Der körperliche Entzug und die Entgiftung könne entweder ambulant in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt oder stationär verlaufen. Sie wird normalerweise in allen Krankenhäusern im Main-Tauber-Kreis angeboten und dauert ein bis zwei Wochen. Reichen eine Entgiftung und die ambulante Betreuung als Unterstützung eines Betroffenen nicht aus, führt dies in der Regel zur Vermittlung in eine stationäre Entwöhnungsbehandlung.

Seit 1997 bietet die AGJ-Suchtberatung im Main-Tauber-Kreis als eine ambulante Rehabilitation in Form einer Gruppentherapie an. Das Konzept sieht für sechs Monate einmal wöchentlich Gruppensitzungen vor. Hinzu kommen eine Eingangs- und eine Abschlussuntersuchung durch eine ärztliche Fachkraft der AGJ sowie in Krisensituationen gegebenenfalls Einzel- oder Paargespräche. Eine ambulante Reha ist vor allem für Klienten vorgesehen, die sowohl keine stationäre Behandlung benötigen als auch sozial und beruflich nach wie vor gut integriert sind.

„Nicht nur im persönlichen, familiären oder beruflichen Umfeld, sondern sogar immer wieder im medizinischen Bereich erfahren Suchtkranke Diskriminierung“, weiß Michael Goldhammer aus zahlreichen Gesprächen. Dabei seien Argumente wie etwa „ist selbst dran schuld“ häufig genannte Vorwürfe. „Krankhafte Sucht und Abhängigkeit ist allerdings ebenfalls eine Form psychischer Erkrankungen“, gibt der AGJ-Leiter zu bedenken. pdw