Main-Tauber

Jugendhilfeausschuss Silvia Ziegler präsentierte den alle zwei Jahre erstellten ausführlichen Bericht über die Situation von Familien im Main-Tauber-Kreis

Passgenaue Angebote für Familien bieten

Archivartikel

Wie geht es Eltern und Kindern im Main-Tauber-Kreis, welchen Kurs nimmt die demografische Entwicklung, wo gilt es, zu handeln? Zu all diesen Fragen gibt der Familienbericht Denkanstöße.

Main-Tauber-Kreis. Zum 14. Mal wurde dem Jugendhilfeausschuss bei seiner Sitzung am Dienstag in Tauberbischofsheim nunmehr die ausführliche Ausgabe des Familienberichts für den Main-Tauber-Kreis vorgelegt. Jugendamtsmitarbeiterin Silvia Ziegler präsentierte ihn erstmals und erhielt allenthalben Lob aus dem Gremium.

Wie ist der Ist-Stand bei der Situation von Familien, wo sind Veränderungen erkennbar und wie wirken die Hilfen des Jugendamts, lauten zentrale Fragen. Zudem wird bereits seit Jahren der Fokus auf den Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Familienformen gelegt und diese mit Faktoren wie Einkommen sowie der Inanspruchnahme von Jugendamtshilfen in eine Wechselbeziehung gebracht. Versucht wird damit, Aussagen über die Indikatoren für den Jugendhilfebedarf herauszuarbeiten.

Dass aber gerade beim Thema Jugendhilfe nicht alles und jeder über einen Kamm geschoren werden kann, ist nichts Neues. Vielmehr dient der Familienbericht als Leitfaden, den es auch für die Kommunen genau unter die Lupe zu nehmen gilt, um ganz individuell Schlüsse zu ziehen.

Nach dem kontinuierlichen Abschwung der Bevölkerungszahl ab dem Jahr 2003 sowie dem rapiden Rückgang von Kindern und Jugendlichen ab 2004 haben sich die Zahlen seit sechs Jahren nunmehr stabilisiert. Silvia Ziegler und ihr Team gehen durchaus zuversichtlich davon aus, dass sich diese Entwicklung verstetigen wird. Seit 2014 nämlich verzeichnet der Main-Tauber-Kreis steigende Geburtenzahlen.

Positiver Wanderungssaldo

Im vergangenen Jahr wurden 1229 Kinder geboren, 1500 Menschen starben, so dass der natürliche Saldo bei einem Minus von 271 Einwohnern liegt. Dem wiederum steht der positive Wanderungssaldo von 384 Menschen gegenüber. Da die Diskrepanz zwischen Geburten und Sterbefällen nach Ansicht des Jugendamts eher noch steigen dürfte, lässt sich im Umkehrschluss erwarten, dass der Main-Tauber-Kreis dringend auf Zuzug angewiesen ist.

Silvia Ziegler warf auch einen Blick auf die Haushaltsstrukturen, wobei die Veränderungen zum vorherigen Berichtsjahr 2017 nur marginal sind. Der Anteil von Alleinerziehenden mit Kindern gegenüber der Vater-Mutter-Kind-Familie sank in diesen zwei Jahren von 19,97 auf 19,81 Prozent.

Seit Jahren Fakt und auch als Devise von der Kreisverwaltung ausgegeben ist die Priorisierung bei den Hilfsangeboten: Ambulant vor stationär heißt es hier. Das Verhältnis hat im vergangenen Jahr bei einer stationären zu drei ambulanten Hilfen gelegen. Im laufenden Jahr liegt es bislang sogar bei eins zu vier, wobei die stationären Hilfen – also die kostenintensive Unterbringung in einer Jugendhilfeeinrichtung – bereits seit 2010 bei unter 200 liegen.

Dass der prozentuale Anteil der Bezieher von Hilfen zur Erziehung überproportional von Alleinerziehenden und Kindern aus einer Stiefelternkonstellation wahrgenommen werden, ist wiederum keine neue Erkenntnis. Silvia Ziegler begründete das damit, dass oft „alle Entscheidungen auf einer Person lasten“. Als ganz wichtiges Angebot, um Familien schnell Unterstützung zu gewähren, sieht sie die Erziehungsberatungsstellen. Sie verzeichnen eine stetig höhere Nachfrage und wurden im vergangenen Jahr 899 Mal in Anspruch genommen.

Präventives Arbeiten

Auch die Schulsozialarbeit, die noch nicht komplett flächendeckend eingerichtet ist, gilt mit ihren mehr als 22 Stellen ebenso als wichtiges präventives Angebot für Kinder und Jugendliche wie die Jugendarbeit mit mehr als 15 Stellen im Kreisgebiet.

Als Folgerungen aus dem Familienbericht für die Jugendhilfe im Main-Tauber-Kreis nannte Ziegler den quantitativen und passgenauen Kita-Ausbau auf der Grundlage pädagogischer Qualitätskriterien. Außerdem gelte es, die Hilfeangebote bedarfsgerecht auszugestalten. „Die Fortbildung der sozialen Dienste ist bereits mit dem Ziel gestartet, noch präventiver zu arbeiten“, so Silvia Ziegler.

Sie plädierte zudem, in der Vielfalt eine Chance zu sehen, weshalb jedwedes Anderssein – ob Menschen mit Behinderung, Migrationshintergrund oder sexueller Ausrichtung – in die Inklusion einbezogen werden sollte. Zudem kündigte sie die Einrichtung einer interdisziplinären Frühförderstelle an. Das Jugendamt setze auch auf die dauerhafte Absicherung von Familienzentren und strebe niederschwellige Angebote für alle an.