Main-Tauber

Herbstweinbergsbegehung mit Minister Peter Hauk Beste Weinqualitäten zu erwarten / Erträge erreichen nur Durchschnittswerte

„Neidischer Herbst“ steht vor der Tür

Archivartikel

Die Traubenernte hat dieser Tage mit der Vorlese begonnen. Die Hauptlese wird je nach Vegetationsstand und Reifegrad in der kommenden Woche beginnen und bis Oktober abgeschlossen sein.

Main-Tauber-Kreis. Sowohl die badischen Winzer als auch die württemberger Wengerter erwarten in den kommenden Wochen eine Weinlese, die vor allem durch eine sehr gute Qualität besticht. Allerdings werden die Erträge von Gemeinde zu Gemeinde und je nach Lage der Reben sehr unterschiedlich ausfallen.

Zum einen haben die Frostnächte um den 11./12. Mai in den Weinbergen ihre Spuren hinterlassen und zum andern erleben die Weinbauern im Land den dritten Herbst in Folge nach einem sehr trockenen und heißen Sommer.

Hermann Hohl, Präsident des Württembergischen-Weinbauverbands, erwartet daher einen „neidischen Herbst“, wie er beim Besuch des Landwirtschaftsministers Peter Hauk in den Rebanlagen des Schwaigerner Heuchelbergs betonte.

Gesundes Lesegut

Auch in den Mitgliedsgemeinden der Weinbaugenossenschaften Markelsheim und Beckstein hat die Weinernte dieser Tage begonnen und wie im gesamten Weinland Baden-Württemberg ähneln sich auch im Taubertal und seinen Seitentälern die Verhältnisse. In den Weinbergen der Markelsheimer Genossenschaftsmitglieder in Vorbachzimmern, Laudenbach und Weikersheim sind die Frostschäden sehr stark, wie der Geschäftsführende Vorstand der WG, Michael Schmitt, die Lage beschreibt.

Prägende Faktoren für das Weinjahr 2020 sind für Schmitt die Frostnächte um den 11./12. Mai, die starke Spuren in den Rebanlagen hinterlassen haben und die Tatsache, dass die Weinbauern den dritten Herbst in Folge nach einem sehr trockenen und heißen Sommer vor sich haben. Jeder Sommertag, der noch hinzu komme verbessere die Qualität des sehr gesunden Lesegutes und die bei der Lese des „Federweißen“ gemessenen Öchslegrade lassen auf einen sehr guten Jahrgang schließen. Die Erntemenge ordnet Schmitt in den Bereich des Jahrgangs 2011 ein. Damals wurde die zweitniedrigste Menge in der WG angeliefert.

Kellermeister Manfred Braun von der WG Beckstein sieht die Situation in den 20 Mitgliedsgemeinden seiner Genossenschaft ähnlich. Die Betriebe im Taubertal direkt seien relativ gut durch das Vegetationsjahr gekommen. Weitaus schlechter sei dagegen die Lage in den Seitentälern, denn dort haben die Frostereignisse und auch die Trockenheit größeren Schaden angerichtet. Hier erwarte man auch einen deutlich geringeren Ertrag als im langjährigen Durchschnitt.

Die Genossenschaft werde sich aber der Herausforderung stellen und im Schulterschluss die Situation meistern so Braun. Mit dem Beginn der Hauptlese rechnet der Kellermeister um den 18./19. September.

In seinem Rückblick berichtete Verbandspräsident Hermann Hohl über ein weiteres trockenes und warmes Jahr und die damit verbundenen Anstrengungen der Wengerter. Gleichzeitig werden aber auch Hoffnungen auf einen sehr guten Jahrgang 2020 geweckt, denn das mediterrane Klima führe zu einem hochwertigen Lesegut.

Bei erneut milden Temperaturen und nur örtlich anhaltendem Dauerfrost über mehrere Tage, legten Württembergs Wengerter im Winter mit dem Rebschnitt den Grundstein für einen guten Weinjahrgang. Ausreichende Niederschläge im Februar sorgten zu Beginn der Vegetation für eine grundsätzlich gute Wasserversorgung der Rebanlagen. Bedingt durch die hohen Temperaturen erfolgte der Austrieb der Reben deutlich vor dem langjährigen Mittel. In großen Teilen des Weinbaugebiets fiel nach längerer Trockenheit Anfang Mai eine dringend benötigte Niederschlagsmenge.

Teils gravierende Frostschäden

Örtliche Spätfröste sorgten in den Nächten um den 11./12. Mai für teilweise gravierende Schäden in den Weinbergen. Erste Schätzungen gingen von einem Ausfall von 15 Prozent der Fläche aus. Seit Juni fiel erneut nur wenig Niederschlag, wenngleich mancherorts zu Beginn des Monats August Starkregen größere Wassermengen brachte.

Die derzeit tagsüber warmen Temperaturen in Kombination mit kalten Nächten sorgen für eine gute Farbausbildung bei den Rotweintrauben und prägen das Aromaprofil positiv. Der Reifestand ist im Vergleich zum langjährigen Mittel früher. Allgemein befinden sich die Trauben auf einem sehr hohen Qualitätsniveau. Aufgrund durchgeführter Qualitätsmaßnahmen dürfen sich die Verbraucher gleichermaßen auf spritzige und fruchtige Weißweine und auf gehaltvolle Rotweine des Jahrgangs 2020 freuen.

Große Variationsbreite

Aufgrund der örtlichen Einflüsse durch Frost, Hagel und Sonnenbrand können die Erntemengen gebietsübergreifend stark variieren. Die Ernteschätzung des Weinbauverbands liegt etwas über dem Niveau des Vorjahres und wird auf 85 bis 90 Hektoliter je Hektar beziffert. Dies entspricht einer Erntemenge von rund 96 Millionen Litern. „Württembergs Wengerter erwarten einen qualitativ überdurchschnittlichen Jahrgang, trotz einiger Hitzeperioden und einem damit einhergehenden in Summe trockenen Jahr. Vielerorts wird eine selektive Lese notwendig sein, um die Qualitäten in den Keller zu bringen,“ fasste Weinbaupräsident Hermann Hohl die Aufgabe der Wengerter in den kommenden Tagen zusammen.

Für Landwirtschaftsminister Peter Hauk haben die Wengerterinnen und Wengerter im Jahr 2020 unter teils widrigen Bedingungen großartige Arbeit geleistet. „Wir erwarten einen Weinjahrgang, der unsere besondere Wertschätzung verdient“, so der Minister bei der Weinbergsbegehung am Mittwoch. Das Jahr 2020 ist für Hauk ein Jahr des Wandels und der Veränderungen. Die Corona-Pandemie habe vieles verändert und die Wengerter vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Bundes- und Landesregierung hätten schnell reagiert. Das erste Soforthilfeprogramm für den Bereich Land- und Forstwirtschaft startete bereits am 9. April, aktuell kann noch im Rahmen eines zweiten Corona-Soforthilfeprogramms die sogenannte Überbrückungshilfe zur Sicherung der Existenz von kleinen und mittelständischen Unternehmen befristet beantragt werden.

Corona-Auswirkungen

„Finanzhilfen sind das eine, aber Geld allein kann auch nicht alle Probleme lösen“, so der Minister und verwies auf die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften. Die Situation habe sich besser entwickelt als zunächst befürchtet. Die Branche sei nun gefordert, die Hygienekonzepte umzusetzen.

In Bezug auf die Witterung sprach Hauk die Mehrgefahrenversicherung an. 2020 lasse erahnen, welche Risiken die Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels zu tragen habe. Ende 2019 konnte das Land ein Pilotprojekt zur Förderung von Versicherungsprämien gegen witterungsbedingte Risiken wie Spätfrost, Sturm und Starkregen im Obst- und Weinbau erfolgreich auflegen. Etwa 7000 Hektar Rebfläche sind nun im Rahmen des Projektes versichert. Das sind knapp 30 Prozent der Rebflächen Baden-Württembergs. Insbesondere Spätfröste sind gefürchtet.

Hauk stellte in Aussicht, dass diese Mehrgefahrenversicherung auch auf die Bereiche Trockenheit und Hagel ausgedehnt werde. 50 Prozent der Versicherungsprämie übernimmt das Land.