Main-Tauber

Handwerkskammer Heilbronn-Franken Konstituierende Sitzung der neuen Vollversammlung / Dank an ausscheidende Mitglieder

Nachwuchsfrage bleibt Dauerproblem

Archivartikel

Neue Strategien will die Handwerkskammer entwickeln, um Nachwuchs zu gewinnen und der rückläufigen Tendenz bei den Ausbildungsverhältnissen zu begegnen.

Heilbronn. Die im Frühsommer gewählten Mitglieder der Vollversammlung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken trafen sich am Montag im Meistersaal in Heilbronn zu ihrer konstituierenden Sitzung für die Wahlperiode 2019/2024. Zuvor verabschiedete der alte und neue Präsident Ulrich Bopp elf Mitglieder, die dem Gremium bisher angehörten. Sie hätten mit viel Einsatz, Motivation und Können und einem großen Pensum an freiwillig geleisteter Arbeit in der zurückliegenden Legislaturperiode Vieles auf den Weg gebracht.

Zwei ausscheidende Handwerker wurden mit einer besonderen Ehrung ausgezeichnet: Der Innungsobermeister der Friseurinnung Heilbronn-Öhringen, Michael Zwickl, bekam die Ehrennadel in Gold, und das Mitglied des Rechnungsprüfungsausschuss, Dieter Traub, erhielt die Ehrennadel in Silber.

Zu den wichtigsten Vorhaben und Beschlüssen, die immer mit großer Mehrheit auf den Weg gebracht wurden, gehörte der Umbau des Kammergebäudes in Heilbronn und die Steigerung der Ausbildungsqualität, die sich in der Verleihung des Ausbildungssiegels an den jeweiligen Betrieb dokumentiert. Auch die in Zusammenarbeit mit der IHK seit Jahren stattfindende Bildungsmesse werde in Baden-Württemberg viel beachtet, und die in Wertheim ins Leben gerufene Lernwerkstatt habe sich zu einem festen Bestandteil des Angebots der Kammer weiterentwickelt.

Als letzten Höhepunkt in der abgelaufenen Legislaturperiode nannte Bopp den erfolgreichen Auftritt der Handwerkskammer mit einem eigenen Pavillon auf der demnächst zu Ende gehenden Bundesgartenschau. In die Zukunft blickend hielt es der Präsident für unerlässlich, weiter neue Strategien zu entwickeln, um vor allem das Problem des Berufsnachwuchses zu lösen.

In seinem letzten Lagebericht ging Präsident Bopp auf die aktuelle Situation des regionalen Handwerks ein, die sich trotz abkühlender Konjunktur im zweiten Quartal 2019 noch einmal verbesserte. Das Handwerk zeige sich zwar weniger dynamisch, halte aber „wacker dagegen“, und kaum ein Betriebsinhaber bewerte die aktuelle Lage als schlecht. Auch die Beschäftigung habe leicht zugenommen.

Wichtiger als je zuvor sei es, dass die Fachkräfte noch intensiver ausgebildet werden. Dazu müsse man neue Wege beschreiten und den Handwerksberuf noch interessanter gestalten. Die eingetragenen Ausbildungsverhältnisse sind zum 31. August um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück gegangen. 650 Ausbildungsplätze im Kammerbezirk konnten nicht besetzt werden. Als wirksames Instrument, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen, sieht Bopp die Ausbildung von Geflüchteten.

Ein sehr wichtiges Thema für das Handwerk ist für den Präsidenten auch der bundesweite Einsatz der Kammern und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks für die Wiedereinführung der Meisterpflicht. Immerhin habe sich die Politik darauf verständigt, dass zwölf zulassungsfreie Handwerke wieder der Meisterpflicht unterliegen sollen.

Auch Arbeitnehmer-Vizepräsident Markus May sprach in seinem Bericht den Fachkräftemangel an, der die Kammer schon geraume Zeit beschäftige und wohl auch in der neuen Legislaturperiode weiter ein zentrales Thema bleiben werde. Viele Betriebe bilden bereits heute über ihren Bedarf aus, um der Fluktuation zu begegnen. Dennoch bleibe der Fachkräftemangel bestehen, weil viele junge Menschen nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung in die Industrie abwandern oder ein Studium aufnehmen.

An der Bezahlung alleine könne es nicht liegen, denn auch im Handwerk könne man heute gutes Geld verdienen. Nach Mays Ansicht reicht die Imagekampagne des Handwerks nicht aus, um dieses Rätsel zu lösen. Seiner Meinung nach muss die Identifizierung mit dem Handwerk verbessert werden, denn ein Handwerksberuf sei nicht die schlechteste Lösung.

In ihrer ersten Sitzung der Wahlperiode 2019/2024 wählten die Mitglieder der Vollversammlung auch das neue Präsidium. Alter und neuer Kammerpräsident wurde einstimmig der 60-jährige Bauunternehmer Ulrich Bopp aus Widdern. Als Vizepräsidenten werden der Maschinenbaumechanikermeister Kurt Georg Schreiber aus Meinhardt und Industriekaufmann Markus May aus Wertheim den Präsidenten unterstützen.

Die weiteren Mitglieder des Vorstandes sind Rainer Biedermann aus Schwäbisch Hall, Udo Zeyer aus Untergruppenbach, Bernhard Kuhn aus Neckarsulm, Ralf Rothenburger aus Weinsberg, Jürgen Görke aus Öhringen und Jochen Haag aus Weikersheim.

Das Handwerk des Main-Tauber-Kreises wird in der Vollversammlung durch Zimmerermeister Hermann Dehner aus Bad Mergentheim, Elektroinstallateurmeister Gert Schwender aus Lauda-Königshofen, Diplom-Ingenieur Dr. Bruno Jans aus Bad Mergentheim, Tischlermeister Jochen Haag aus Weikersheim, Hörakustiker Steffen Reinhardt aus Külsheim und Industriekaufmann Markus May aus Wertheim vertreten.