Main-Tauber

Länderübergreifender Austausch Landräte des Main-Tauer-Kreises und des Landkreises Würzburg trafen sich zu ihrem turnusmäßigen Gespräch in Giebelstadt

Nachbarschaftliches Miteinander gepflegt

Archivartikel

Regelmäßig treffen sich Vertreter der Landkreise Würzburg und Main-Tauber zu einem länder- und landkreisübergreifenden Austausch. Das jüngste Gespräch fand kürzlich in Giebelstadt statt.

Main-Tauber-Kreis. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), der Radwegbau, die Mobilfunkversorgung und auch die jeweilige Lage in Sachen Coronavirus waren Themen des Sachaustauschs der Landräte Eberhard Nuß (Würzburg) und Reinhard Frank (Main-Tauber-Kreis).

Dezernent Jochen Müssig informierte über die Situation auf der Frankenbahn, den Ausbau der Haltestationen, den Regionalbahntakt und das Ärgernis der Zugausfälle im Regionalbahnexpressbereich. Diese Thematik wurde intensiv diskutiert und von den Bürgermeistern Jungbauer und Gramlich nachhaltig gefordert, hier auf eine Verbesserung zu drängen. „Es kann nicht sein, dass Bahnnutzer eine Jahreskarte kaufen und dann die Züge nicht fahren“, so deren Tenor.

Kritisiert wurde weiter, dass sich hinsichtlich des Schülerverkehrs von Bayern nach Baden-Württemberg und umgekehrt in Sachen Tarif keine Neuerungen ergeben haben. Landrat Reinhard Frank sicherte zu, dieses Thema noch einmal beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar vorzutragen. Dezernent Jochen Müssig warb um ein weiteres Engagement bayerischer Städte und Gemeinden beim Busangebot NightLife-Shuttle. Erfreulicherweise sind seit der letzten Werbeaktion nahezu alle bayerischen Städte und Gemeinden in dieses Projekt eingestiegen. So gehören inzwischen die Gemeinden Giebelstadt, Kist, Holzkirchen/Wüstenzell, Uettingen und Waldbüttelbrunn dieser kommunalen Gemeinschaft an. Es stehen jetzt noch die Gemeinden Reichenberg, Geroldshausen und Höchberg aus.

Auch die bereits seit vielen Jahren erörterte Radwegverbindung Tauberbischofsheim-Kist wurde thematisiert. Amtsleiter Markus Metz vom Kreisstraßenbauamt des Main-Tauber-Kreises führte aus, dass dieser Radweg auf baden-württembergischen Gebiet zum RadNetz BW gehöre. Dies hat zur Folge, dass das Land diesen Radwegbau komplett finanziert. Sobald die Planung abgeschlossen ist, kann 2021 mit dem Bau dieses Radwegs begonnen werden. Bürgermeister Volker Faulhaber ergänzte, dass die Gemeinde Kist für ihre Gemarkung entsprechende Förderanträge gestellt habe. „Es muss jetzt darum gehen, dass dieser Radweg zügig gebaut und dann von der Gemarkung Kist bis nach Würzburg fortgeführt wird“, so Faulhaber. Es sei heutzutage wichtig, dass Menschen alternative Verkehrswege und Verkehrsmittel nutzen können, so der Bürgermeister.

Diskutiert wurde ergänzend über die Radwege Werbach-Böttigheim und Neubrunn-Wertheim. Die Planungen für Neubrunn-Wertheim werden in diesem Jahr abgeschlossen und vorbehaltlich der Gremienbeschlüsse der Bau im kommenden Jahr beginnen, so Amtsleiter Metz. Bürgermeister Otmar Dürr appellierte, dass für den Radweg von Werbach nach Böttigheim noch zusätzliche Finanzierungsmittel erschlossen werden müssen. Der bisher auf die Gemeinde Werbach entfallende Komplementäranteil von rund 200 000 Euro sei durch die Gemeinde nicht zu schultern, verkündete das Gemeindeoberhaupt.

Die Mobilfunkversorgung Main-Tauber-Kreis war weiteres Thema. Dezernent Jochen Müssig berichtete über die Ausbauvorhaben von Telekom, Vodafone und Telefonica. Er ging zudem auf die Aktivitäten des amerikanischen Unternehmens ATC ein, das Mobilfunkmasten und damit eine passive Infrastruktur eigenwirtschaftlich erstellt. Näheres werde in der nächsten Sitzungsrunde des Kreistags des Main-Tauber-Kreises erörtert.

Ein gutes Beispiel der interkommunalen und länderübergreifenden Zusammenarbeit stelle die Ausbildungsbörse Oberes Taubertal dar, so die einhellige Meinung. Diese Börse wechselt jährlich zwischen den Städten Creglingen, Niederstetten, Röttingen und Weikersheim. Zum Bedauern der Landräte muss sie in diesem Jahr wegen des Coronavirus abgesagt werden. Die Klärschlammverwertung wurde durch Wertheims Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez aufgegriffen. Auch bei dieser Aufgabe gehe es um die Zusammenarbeit der Kommunen über die Länder- und Landkreisgrenzen hinweg. Gegenwärtig bestehe noch eine vertragliche Vereinbarung bis Ende 2022.

„Es ist deshalb jetzt an der Zeit, sich über ein neues Konzept zu einigen“, so der Wertheimer OB. In Ergänzung zu diesen Ausführungen hielt Landrat Eberhard Nuß fest, dass der Bau einer dritten Ofenlinie beim Zweckverband Abfallwirtschaft in Würzburg nicht realisiert werde. Er sieht einen Weg in der Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaftskraftwerk in Schweinfurt als zielführender an. Landrat Reinhard Frank bestätigte, dass im Main-Tauber-Kreis die weitere Handhabung bei der Klärschlammverwertung auf die Erledigungsagenda genommen werden müsse. Ergänzend werde er sich wegen der geplanten Projekte im Rhein-Neckar-Kreis sachkundig machen und das Thema in einer der kommenden Bürgermeisterversammlungen im Main-Tauber-Kreis thematisieren.

Wie ein neues Konzept ausgearbeitet werden kann, stellte Eva von Vietinghoff-Scheel vom Kommunalunternehmen Würzburg vor. Dort wurde zunächst eine Projektgruppe aller interessierten Kläranlagenbetreiber gegründet und dann im Mai 2019 eine Markterkundung vorgenommen. Inzwischen bestehe eine vertragliche Vereinbarung für die kommenden vier Jahre. Die Kontaktdaten und die jeweils erzielten Preise wurden genannt und werden bei der Entscheidungsfindung im Main-Tauber-Kreis einfließen.

Bei der länder- und landkreisübergreifenden Alarmierung der Feuerwehren wurde vereinbart, dass sich der Kreisbrandrat aus Würzburg und der Kreisbrandmeister aus dem Main-Tauber-Kreis mit den jeweiligen Leitstellen abstimmen. Die Alarmierung müsse verbessert werden, so die einhellige Meinung.

Mit dem Hinweis auf die Datensicherheit bei der Bearbeitung von Daten und einem weiteren vereinbarten Austausch zwischen dem Landkreis Würzburg und dem Main-Tauber-Kreis wurde zum Abschluss die Vorgehensweise aufgrund des Coronavirus besprochen. Sowohl im Landkreis Würzburg als auch im Main-Tauber-Kreis sind inzwischen auf kurzen Wegen agierende Stabsstellen eingerichtet. Die Federführung haben die jeweiligen Gesundheitsämter inne.

Bürgertelefone sind sowohl im Landkreis Würzburg als auch im Main-Tauber-Kreis eingerichtet und entsprechend personell aufgestockt. Dies sei notwendig, da in beiden Landkreisen die Anfragen der Bürger zunehmen.

Intensiv wurde gefordert, den Austausch auch länder- und landkreisübergreifend vorzunehmen. Dies wurde sowohl von Landrat Frank als auch Landrat Eberhard Nuß zugesagt.

Zum Abschluss lud der Giebelstadter Bürgermeister Krämer die Teilnehmer zu den anstehenden Feiern zum 1200-jährigen Bestehen ein. Er zeigte die Entwicklung Giebelstadts auf, das heute ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort mit rund 6500 Einwohnern sei.

Zum Abschluss des Gesprächs dankte Landrat Reinhard Frank seinem Amtskollegen Eberhard Nuß für das über viele Jahre hinweg gute nachbarschaftliche Miteinander. Nuß wird am 30. April 2020 aus seinem Amt ausscheiden. lra