Main-Tauber

Interview Geschäftsführer des Tourismusverbands blickt verhalten, aber durchaus optimistisch in die Zukunft / Abstandsregeln und Hygienevorschriften müssen beachtet werden

Müssig rechnet mit Zuspruch für die Ferienregion ab Juni

Archivartikel

Tourismus ist in der Region ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Den Geschäftsführer des Tourismusverbands „Liebliches Taubertal“ fragten die FN nach seiner Prognose in und nach Corona-Zeiten.

Main-Tauber-Kreis. Die Pläne waren erstellt, die Broschüren und Verzeichnisse gedruckt. Jetzt liegen sie erstmal da wie Blei. Großveranstaltungen sind zunächst bis Ende August ausgesetzt, die Hotels und Gaststätten haben noch geschlossen. Ab Montag dürfen zumindest sie wieder Gäste bewirten. Von Jochen Müssig, Geschäftsführer des Tourismusverbands „Liebliches Taubertal“ wollten die Fränkischen Nachrichten wissen, wie er die derzeitige Situation der Branche bewertet und welche Chancen für die Zukunft bestehen.

Herr Müssig, Urlaub im Taubertal, ab wann wird das – realistisch betrachtet – wieder möglich sein?

Jochen Müssig: Unbeschwert wird ein Urlaub erst ab der Entwicklung und Bereitstellung eines Impfstoffs wieder möglich sein. Unter Einbehaltung der vorgegebenen Hygiene- und Abstandsregeln kann in einem ersten Schritt mit Öffnung der Gastronomie ab dem 18. Mai ein erstes Urlaubsfeeling wieder aufkeimen. Auch Museen und museal ausgerichtete Schlösser und Burgen sind dann wieder geöffnet.

Ein zweiter Schritt wird dann ab Pfingsten mit der Öffnung der Beherbergungsbetriebe, Campingplätze und Wohnmobilstellplätze kommen. Ich denke, dass ab diesem Zeitpunkt – die Vernunft der Menschen unterstellt– Urlaub im „Lieblichen Taubertal“ wieder genossen werden kann. Gleichwohl immer mit den vorgegebenen Einschränkungen durch die Corona-Bestimmungen.

Sie setzen bei Ihrem Jahresmotto „Wein und Kulinarik“ auch auf Gemeinschaftsveranstaltungen wie Weinwanderungen, Weinproben oder Weinfeste – viele der beworbenen Events sind bereits abgesagt. Wo sehen Sie noch eine Chance?

Müssig: Im Rahmen des Schwerpunktthemas „Weinstraße Taubertal“ mussten in der Tat bereits zahlreiche Veranstaltungen abgesagt werden. Auch derzeit besteht nach wie vor eine Kontakteinschränkung, die nur ein wenig beim Zusammentreffen der Familien oder aus zwei Hausständen aufgelockert ist. Deshalb sind öffentliche Veranstaltungen wie Weinwandern, Weinproben – die auf ein zufälliges Zusammentreffen von Menschen setzen – nicht möglich. Weinproben in der Gastronomie oder in Winzerbetrieben mit gastronomischer Ausrichtung sind unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln möglich. Das ist eine Mini-Chance.

Dennoch möchte ich dies aus Sicht des Tourismusverbands „Liebliches Taubertal“ gegenwärtig nicht in den Vordergrund stellen, denn es ist nach wie vor Achtsamkeit geboten, und Alkohol lässt bekanntlich Schranken fallen. Deshalb setzen wir stärker auf das Beispiel der Stadt Lauda-Königshofen, die eine digitale Weinprobe entwickelt hat. Das kann nachgeahmt werden.

Und wir empfehlen individuelle Rad- und Wandertouren zu unternehmen. Mit dem erlaubten Personenkreis.

Dann können auch Museen oder andere geöffnete Einrichtungen besucht werden und es besteht die Möglichkeit einzukehren.

Wenn es kommen sollte, wie von vielen prognostiziert, nämlich dass die Mehrzahl der Deutschen im eigenen Land Urlaub macht: Wie kann die Tourismusbranche im Taubertal davon profitieren?

Müssig: Der Tourismusverband „Liebliches Taubertal“ und die touristischen Städte und Gemeinden haben bis einschließlich Februar ihre komplette Marketingstrategie umgesetzt. Wir sind also bei potenziellen Gästen und in den touristischen Märkten in wacher Erinnerung. Digital sind wir intensiv über Social-Media-Wege unterwegs und natürlich auch über unsere Homepage.

Das „Liebliche Taubertal“ ist national und international über ein Channel-Management-System online buchbar. Dies erschließt vor allem auch Möglichkeiten, kurzfristig Reisen zu buchen. Dies ist heutzutage von enormer Bedeutung.

Und wir werden – sobald die Beherbergung durch eine Corona-Verordnung rechtlich gesichert ist – das Marketing noch einmal hochfahren. Hierzu ist der Plan entwickelt und steht. Wir setzen auf die Print- und digitalen Bereiche und auf das bestehende, gut entwickelte Netzwerk. Dieses noch einmal Hochfahren des Marketings ist auch deshalb möglich, da wegen ausgefallener Einsätze, beispielsweise auf der ITB, dem Mai-Markt oder dem Regionaltag Mittel frei geblieben sind. Und dann gehe ich davon aus, dass wir ab Juni/Juli wieder viel Zuspruch erfahren. Mit der in den letzten Jahrzehnten entwickelten Qualität werden wir ab Sommer wieder punkten. Ich hoffe sehr, dass die Corona-Pandemie weiter eingedämmt werden kann und ich hoffe auch, dass Hotellerie und Gastronomie sowie die Privatzimmer- und Ferienwohnungsvermieter alle gut durch die zurückliegende Zeit gekommen sind.

Schauen Sie mit einem positiven Blick in die touristische Zukunft des Taubertals oder sind Sie eher pessimistisch?

Müssig: Ich blicke durchaus optimistisch nach vorne. Ich gehe davon aus, dass der Deutschland-Tourismus durch die Pandemie profitieren wird. Im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern hat Deutschland in der Krisenbewältigung ein sehr gutes Bild abgegeben. Dies belegt auch, dass auf die Gesundheit der Bürger Rücksicht genommen wird.

Dies wird auch in den kommenden Monaten beim Reisen der Fall sein. Diese bewiesene Vorsicht und auch Rücksicht für die Menschen, das stimmige Angebot und die geschaffenen Vertriebswege werden dem „Lieblichen Taubertal“ auch künftig eine gute touristische Marktposition garantieren.

Wir werden weiter die Qualität im Blick haben. Wegen der nicht möglichen Großveranstaltungen werden wir eben primär auf das individuelle Urlaubserlebnis unter dem Motto „Orte des Glücks“ setzen.