Main-Tauber

„Frühe Hilfen“ Martina Knödler, Leiterin Soziale Dienste, stellte Gesamtkonzeption vor

Kinderschutz steht im Fokus

Main-Tauber-Kreis.„Frühe Hilfen“ zu initiieren und ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen, sind den für die Jugendhilfe verantwortlichen Landkreisen und kreisfreien Städten per Gesetz ins Pflichtenheft geschrieben worden. Dabei handele es sich um ein präventives Angebot, so die Leiterin der Sozialen Dienste, Martina Knödler. Das 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz bilde die gesetzliche Grundlage. Aufgenommen wurden die „Frühen Hilfen“ nicht zuletzt wegen schlimmer Verwahrlosungsfälle mit Todesfolge. Das Netzwerk soll ein genaueres Hinschauen auf Kinder ermöglichen.

„2017 starben über 140 Kinder an den Folgen von Gewalt“, nannte Knödler erschreckende Zahlen. Bei den Inobhutnahmen bildeten Kinder im Alter von null bis drei Jahren eine Hauptgruppe, informierte sie weiter. Vernachlässigung und Misshandlung seien Hauptursachen, warum Kinder aus Familien genommen würden.

Seit Januar 2013 gebe es die Koordinierungstelle „Frühe Hilfen – Kinderschutz“ im Main-Tauber-Kreis, seit Oktober desselben Jahres ein Netzwerk gleichen Namens. Nun sei eine Gesamtkonzeption erarbeitet worden. Ziele seien, das emotionale und körperliche Wohlergehen von Kindern von Geburt an zu unterstützen, negative Entwicklungsverläufe zu vermeiden, die Erziehungskompetenz zu fördern und zu stärken sowie den Bedarf an Unterstützung frühzeitig zu erkennen und entsprechende Angebote zu vermitteln.

Eltern und Familien mit Kindern bis drei Jahren stehen hier im Fokus. Martina Knödler berichtete, welche Angebot es im Main-Tauber-Kreis gibt. So bekommen alle Eltern bei der Geburt eines Kindes ein Willkommensgeschenk mit Informationsflyern zu den „Frühen Hilfen“. Überreicht werden sie von ehrenamtlichen „Familienbesuchern“, die darüber hinaus auf Angebote in der jeweiligen Gemeinde hinweisen. Das Landesprogramm „Stärke“ bietet allein in diesem Jahr 13 Kurse mit unterschiedlichen Themen für junge Eltern. 120 Teilnehmer hätten sich angemeldet.

Daneben offeriert das Diakonische Werk im Raum Wertheim seit über zehn Jahren sein „Wellcome“-Angebot, bei dem Familien mit einem Kind bis zum Alter von einem Jahr für zwei bis drei Monate ganz praktische Hilfe wie Kinderhüten oder Kochen erhalten. Familienpaten haben der Caritasverband und das Diakonische gemeinsam initiiert. Sie unterstützen und entlasten Familien in einem Zeitraum bis zu einem Jahr.

„KiM – Kind im Mittelpunkt“ richtet sich an schwangere Frauen und Mütter mit Kindern bis zum dritten Lebensjahr. Die am Caritas-Krankenhaus verortete Babylotsin berät junge Eltern direkt auf der Entbindungsstation und vermittelt bei Bedarf an andere „Frühe Hilfen“.

Schwangere, Mütter, Väter und Familien mit sozialen Riskofaktoren und Kindern bis zum ersten Lebensjahr können die Unterstützung einer Familienhebamme oder einer Familien-Gesundheits-Kinderkrankenpflegerin im eigenen häuslichen Umfeld in Anspruch nehmen. Als weiteren Baustein nannte Knödler die Familienzentren. hvb