Main-Tauber

Frankenbahn Kreistag billigte den Regionalbahntakt und das ergänzende Buskonzept einhellig und hofft, dass die notwendige Fahrgastzahl erreicht wird

Jahrelanger Wunsch wird endlich wahr

Archivartikel

Sichtlich froh war Dezernent Jochen Müssig, dem Kreistag das komplette Paket „Probebetrieb Regionalbahntakt“ vorzustellen, für das er und viele Mitstreiter sich unermüdlich eingesetzt haben.

Main-Tauber-Kreis. Der Bahnverkehr zwischen Osterburken und Lauda wird ab Dezember im Ein-Stunden-Takt fahren. Statt bisher drei Züge in Richtung Osterburken und vier in Richtung Lauda fahren künftig von Montag bis Freitag 18 Regionalbahnen in jede Richtung an Schul- und 16 an Ferientagen. Zusätzlich fahren Regionalexpresszüge mit allen Zwischenhalten ab Lauda um 4.48 und um 5,37 Uhr sowie ab Osterburken um 6.14 und um 23.40 Uhr. „Das ist eine ganz entscheidende Erweiterung des Schienenangebots“, so Jochen Müssig.

Der Probebetrieb ist zunächst für drei Jahre angesetzt. Voraussetzung für die dauerhafte Finanzierung des Stundentakts der Regionalbahnen ist, dass mindestens 500 Menschen pro Tag mit den Zügen fahren. „Das Land ist da sehr großzügig“, kommentierte Müssig diese eher geringe Auflage. Er sei allerdings guten Mutes, 350 Schüler auf die Schiene zu bringen. Denn für allein 200 bedeute dieses Angebot kürzere Reisezeiten zu den Schulen.

Flankiert wird der Probebetrieb mit einem ergänzenden Busverkehr. Durch ihn werden die Fahrzeiten an die Zugankünfte und -abfahrten an den Station Osterburken, Rosenberg, Eubigheim, Wölchingen und Königshofen ausgerichtet. Dies geschieht auch, um die erforderlichen Fahrgastzahlen zu erreichen. Als Herausforderung wertete Müssig die stark differenzierten sowie gegenläufigen Schulwege zu den Schulstandorten Tauberbischofsheim, Lauda-Königshofen, Bad Mergentheim, Boxberg, Ahorn, Osterburken und Adelsheim. Auch die im Verhältnis zur Streckenlänge geringe Zahl der Bahnhaltepunkte hat die Buslinienplaner vor eine große Aufgabe gestellt. Das Buskonzept sieht nun Rundbusverkehre vor.

Neben dem Ein-Stunden-Takt, den Verbesserungen für die Bürger aus Assamstadt sowie den Ahorner und Boxberger Stadtteilen durch das Buskonzept und teils kürzere Fahrzeiten für Schüler, verschwieg Jochen Müssig auch die kleinen Nachteile nicht. Für 126 Schüler nämlich verlängerten sich die Fahrzeiten zur und von der Schule um fünf bis zehn Minuten. Zudem müsse der Fußweg zum Bahnhof in Kauf genommen werden.

Vor allem im ersten Jahr des Probebetriebs kommen auf den Main-Tauber-Kreis erhöhte Kosten zu. Vom 40-prozentigen Kommunalanteil fallen 75 Prozent auf den Main-Tauber-Kreis, weil hier die Strecke am längsten ist. Für die Bahn hat der Main-Tauber-Kreis knapp eine Million Euro und für den ergänzenden Busverkehr etwas mehr als 600 000 Euro zu zahlen, so dass sich der Gesamtbetrag auf rund 1,6 Millionen Euro beläuft. Durch zusätzliche Mittel des Landes sind es im Jahr 2021 830 000 Euro und im Jahr 2022 60 000 Euro.

„Damit haben wir 264 00 zusätzliche Bahnkilometer“, erläuterte Jochen Müssig das Ausmaß der Angebotserweiterung. Er räumte aber auch ein: „Wir werden uns tummeln müssen, um die Fahrgastzahlen zu erreichen, und auf allen Kanälen die Werbetrommel rühren.“

Elmar Haas (Freie Wähler) sagte: „Mit diesem Vorschlag wird ein lang gehegter Wunsch erfüllt.“ Er sieht das Ergebnis der langen Verhandlungen rundum positiv, weil CO2-neutral. Er mahnte jedoch, einen Blick auf den tatsächlichen Betrieb zu haben, weil es durch fehlendes Personal oder schlechtes Wagenmaterial schon oft zu Zugausfällen gekommen sei. In die Freude um das Projekt, das Lob für Jochen Müssig und sein Team sowie das Engagement der Bürgerinitiative stimmten alle Fraktionen ein. Sprach Rainer Moritz (Bündnis90/Die Grünen) von einem Paradigmenwechsel, weil es nicht um einen Ab-, sondern um einen Ausbau des Angebots gehe, mahnte Brigitte Kohout (SPD) praktikable Umsteigezeiten an. Drei Minuten würden vielen nicht reichen. Professor Dr. Wolfgang Reinhart sprach von einem fairen Deal zwischen Land und Kommunen während des Probebetriebs. „Wir wollen einen integrierten Verkehr“, meinte er als Landespolitiker.

Dass Straßensanierungen nicht vergessen werden dürften, merkte Ludger Krug (Freie Wähler) an. Als Bürgermeister einer Kommune ohne Bahnanschluss sei ihm das besonders wichtig. hvb