Main-Tauber

„Zukunft Karriere Digital“ Ausbildungsbetriebe und Jugendliche aus der Region ziehen nach der virtuellen Messe eine positive Bilanz

Interessierte junge Menschen am Start

Archivartikel

„Ein wirklich gelungener Tag“: So lautet die Bilanz der teilnehmenden Unternehmen und Schüler zur digitalen Ausbildungsmesse am Freitag. Über 1160 generierte Matches geben ihnen recht.

Odenwald-Tauber.Vom Homeoffice aus mit zukünftigen Auszubildenden sprechen oder am Wohnzimmertisch seinen Traumberuf finden – auf dem Papier ist „Zukunft Karriere Digital“ ein voller Erfolg. Die Zahlen (siehe Infobox) sprechen für sich. Wie haben Schüler und Unternehmen aus der Region die virtuelle Ausbildungsmesse erlebt?

Nina Trabold aus Walldürn macht im Sommer 2021 Abitur: „Ich fand es richtig interessant“, berichtet die 19-Jährige. „Es war eine super Möglichkeit mit Unternehmen Kontakt aufzunehmen.“ Sie hat über die Zeitung von der Ausbildungsmesse erfahren und sich angemeldet: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Jugendliche teilnehmen.“ Über den Tag verteilt hatte die Schülerin fünf Verabredungen. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, findet sie. „Es waren angenehme Gespräche, bei denen viele Fragen beantwortet wurden.“

Katrin Waterstrat (Würth) schwärmt von „Zukunft Karriere Digital“: „Wir hatten schon die ein oder andere Online-Ausbildungsmesse. Die Messe am Freitag ist dabei sehr positiv aufgefallen“, berichtet die Personalreferentin von Würth. „Wir haben von 11.30 bis 17.30 Uhr Gespräche geführt, teilweise zwei gleichzeitig“, freut sich Waterstrat. „Der große Ansturm kam in den letzten Tagen vor der Messe. Selbst am Freitag hatten wir noch neue Matches und haben die Schüler spontan zu Gesprächen eingeladen.“ Katrin Waterstrat hat die Erfahrung gemacht, dass die Schüler bei der virtuellen Messe besser vorbereitet waren: „Sie haben sich informiert und spezielle Fragen notiert“, erklärt sie.

Sehr hilfreich fand Lilly Kempf aus Nassig die digitale Alternative: „Es ist ja sonst alles ausgefallen“, berichtet die 17-Jährige. „Ich habe neue Ausbildungen und Studiengänge gefunden, die ich vorher so nicht auf dem Schirm hatte“, stellt sie fest. „Obwohl es kurze Termine waren, hat man alles Wesentliche erfahren und Kontaktdaten bekommen, an die man sich bei weiteren Fragen wenden kann.“ Kempf fand das System des Matchings mit den Unternehmen witzig: „Im ersten Moment habe ich an eine Dating-App gedacht, aber es war wirklich praktisch, um auszusortieren.“

Anke Albert, Ausbildungsreferentin bei der Sparkasse Tauberfranken: „Es war ein wirklich gelungener Tag“, zieht sie eine positive Bilanz, auch wenn der Aufwand einer Teilnahme für die Unternehmen nicht zu unterschätzen sei. „58 qualifizierte Chats werten wir als großen Erfolg“, betont Albert und fügt bezogen auf die Video-Verabredungen hinzu: „Hier waren wirklich informierte und interessierte junge Menschen am Start.“ Die Teilnehmer des Alternativ-Angebot hätten sich dankbar gezeigt, einige erkundigten sich nach Praktika, „welche jedoch durch die Pandemiesituation derzeit leider nicht möglich sind“.

Mit zwei Unternehmen hat sich der 14-jährige Maximilian Dieplinger aus Steinbach unterhalten: Einmal gab es Probleme bei der Verbindung, „aber wir haben alle Fragen über den Chat geklärt, das ging genauso gut“, erklärt der Achtklässler. Er bleibe mit den Firmen in Kontakt und möchte Praktika machen, sobald es wieder möglich ist. „Ich will mir die Berufsbilder erstmal anschauen.“ Da er in verschiedenen Bereichen interessiert ist, sei die Ausbildungsmesse eine Möglichkeit, „sich ein Bild von den Unternehmen zu machen.“

Eher mäßig fällt das Resümee von Florian Dürr, Personalleiter des Edeka-Markts in Tauberbischofsheim, aus: „Vom Ansatz her ist es eine gute Sache, aber die Resonanz hielt sich bei uns eher in Grenzen.“ Den Grund dafür kann Dürr nicht nennen. Das System des Matchings findet er eigentlich gut. „Für die Schüler ist es einfach, die richtige Firma oder den richtigen Partner zu suchen“, sagt er.

Noch nicht ganz sicher, in welche Richtung es beruflich mal gehen soll, ist sich der 14-jährige Fabian Roos aus Triefenstein: Sich jetzt schon festzulegen, sei gar nicht so einfach, findet er. „Zur Orientierung war die Messe hilfreich. Ich wollte mich einfach mal umschauen, was für Möglichkeiten es gibt.“ Bei den Gesprächen mit den teilnehmenden Unternehmen konnte er verschiedene Fragen klären, zum Beispiel: „Was macht eigentlich ein Industriemechaniker?“ In seinem künftigen Ausbildungsbetrieb wünscht sich der Achtklässler vor allem ein gutes Team mit netten Kollegen.

Landrat Reinhard Frank, Schirmherr von „Zukunft Karriere Digital“: Die Ausbildungsmesse sei ein Erfolg sowohl für die zukünftigen Auszubildenden als auch für die Betriebe. „Dieser Erfolg spiegelt sich in den Zahlen wider. Noch nie war es für Schulabgänger so einfach und kreativ, den Weg zum passenden Ausbildungsbetrieb zu finden. Den Fränkischen Nachrichten danke ich als Schirmherr von ,Zukunft Karriere Digital’ für die Planung und Durchführung der digitalen Ausbildungsmesse“, sagt Frank.

FN-Geschäftsführer Jochen Eichelmann freut sich über den Erfolg der Messe: „Nicht nur die Resonanz war gut, es gab vor allem viel Interaktion zwischen Unternehmen und Schülern. Wir als FN können heute schon sagen, dass sich bei den Video-Chats sehr vielversprechende Kandidaten herauskristallisiert haben.“ Um die Besetzung der Ausbildungsplätze im kommenden Jahr macht er sich also keine Sorgen. „In meinen Augen ist es ein schönes Signal, dass diese digitale Messe tatsächlich dazu führt, dass junge Menschen einen Platz finden“, so Eichelmann.