Main-Tauber

Weinbaubezirk Kocher, Jagst, Tauber Versammlung in Ingelfingen / Eckpunktepapier zum Schutz der Insekten erläutert

Integrierter Pflanzenschutz verbindlich

Der Weinbauverband Württemberg unterstützt grundsätzlich Maßnahmen, die zu einem Erhalt der Artenvielfalt beitragen und der Bewahrung der Kulturlandschaft in der Region dienen.

Ingelfingen/Main-Tauber-Kreis. Der Erhalt der Artenvielfalt ist im Weinbauverband ein Thema. Maßnahmen müssen jedoch mit Maß und Ziel gewählt sein und dürfen die Existenz der Weinbaubetriebe nicht gefährden. Diese Haltung wurde im Verlauf der Frühjahrsversammlung des Weinbaubezirks Kocher, Jagst und Tauber am Dienstagabend in Ingelfingen sowohl vom Bezirksvorsitzenden Michael Schmitt als auch von Verbandspräsident Hermann Hohl deutlich unterstrichen.

Die Wengerter spüren den Klimawandel als erste, denn die Witterung werde immer extremer. Die bisher erzielten Gesprächsergebnisse mit den Umweltverbänden und der Landesregierung seien wesentlich auf die Arbeit der „Weinsberger Runde“ zurück zu führen, die sich intensiv mit der künftigen Ausrichtung des Pflanzenschutzes beschäftigte. Die Abschlussrunde der Verhandlungen zur Umsetzung des Eckpunktepapiers zur Weiterentwicklung des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ der Baden-Württembergischen Landesministerien für Landwirtschaft und Umwelt, fand im Dezember 2019 satt.

Landwirtschaft nicht überfordern

Seit der Verabschiedung des Eckpunktepapiers trafen sich Vertreter aller relevanten Agrarverbände, Umweltverbände, sowie die Akteure von „Pro Biene“, um über die Umsetzung und Konkretisierung der darin genannten Punkte zu verhandeln. Insbesondere die Änderung beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und deren angestrebter Reduzierung seien nötig gewesen, um die Zukunft erheblicher Teile der heimischen Landwirtschaft nicht zu gefährden. Ziel des ambitionierten Eckpunktepapieres sei es, die Landwirtschaft mitzunehmen und nicht zu überfordern. Der Weinbauverband Württemberg setze sich für die Ausweitung der ökologisch wirksamen Maßnahmen auf den Weinbaubetrieben ein und bietet an, den geforderten Mindestanteil auf freiwilliger Basis zu erhöhen. Darüber hinaus könne durch gezielte Förderung von Weinbautechnik, dem Ausbau der Beratung, einer Ausweitung der Forschung von alternativen Methoden und durch die Förderung von Vorhersage- und Prognosesystemen der Pflanzenschutzeinsatz zukünftig reduziert werden, wie Hohl die Mitglieder in Ingelfingen informierte.

Der Verband begrüße auch, dass die Datenerhebung auf einem vom Weinbauverband geforderten Testbetriebsnetz erfolgen soll. Auf den ausgewählten Betrieben müssen alle Reduktionsmaßnahmen geprüft werden. Anhand der Ergebnisse müssen die zukünftig umsetzbaren Reduktionsmöglichkeiten und Strategien für die Beratung und Praxis abgeleitet werden. In den Verhandlungen seien die Vorschläge des Weinbauverbands größtenteils in der Konkretisierung des Eckpunktepapiers berücksichtigt und umgesetzt worden. Deshalb könne man mit dem bisherigen Gesprächsverlauf zufrieden sein. Verbraucher reguliert mit Hohl machte aber auch klar, dass der Gesellschaft bewusst sein müsse, dass die in den Eckpunkten gesetzten Ziele nur dann erreichbar seien, wenn sich das Einkaufsverhalten der Verbraucher ändere und regionale Produkte mehr Wertschätzung erfahren. Dazu bedürfe es eines Umdenkens der Verbraucher und des Lebensmittelhandels. Allerdings habe es der Weinbau auch versäumt in der Vergangenheit deutlicher zu machen, welche Anstrengungen bisher schon unternommen werden, um die Umwelt zu entlasten. Die wichtigsten Forderungen des Eckpunktepapiers: Pflanzenschutzmittel sollen in Naturschutzgebieten ab 2022 nicht mehr eingesetzt werden.Im Gegensatz zum Volksbegehren bleibt der Pflanzenschutzmitteleinsatz in den übrigen Schutzgebieten möglich. Der integrierte Pflanzenschutz soll in den Schutzgebieten verbindlich eingeführt werden. Als Termin wurde vom Vertreter des Regierungspräsidiums in der Versammlung das Jahr 2021 genannt.

Der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel soll bis 2030 in der Menge landesweit um 40 bis 50 Prozent gesenkt werden. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Privatgärten wird gänzlich verboten. In Städten und Siedlungsbereichen soll der Artenschutz durch die Eindämmung der Lichtverschmutzung, ein Verbot von Schottergärten und eine Verpflichtung von Blühflächen auf öffentlichen Plätzen unterstützt werden. Ein wichtiger Punkt der Bezirksversammlung war auch der Appell des Verbandspräsidenten, sich intensiv mit dem Abschluss einer Mehrgefahren-Versicherung zur Grundabsicherung gegen außergewöhnliche Naturereignisse wie Frost, Sturm, oder Starkregen zu befassen. Das Land Baden-Württemberg gewährt als einziges Bundesland in den kommenden drei Jahren einen Zuschuss von 50 Prozent zu den Versicherungsprämien. Diese Gelegenheit sollte man unbedingt nutzen, so der Präsident.

Auch der Bezirksvorsitzende Michael Schmitt, der ein schwindendes Interesse der Politik an der Landwirtschaft feststellte, bewertete diese Möglichkeit der Risikominimierung sehr positiv. Die letzte Entscheidung müsse aber jeder Betriebsinhaber selbst treffen.