Main-Tauber

AOK-Erhebung 20 Prozent der Versicherten unter 18 begaben sich in Behandlung / Angststörungen und Depression häufigste Ursache

Immer mehr Kinder psychisch krank

Archivartikel

Immer mehr Minderjährige im Main-Tauber-Kreis nehmen psychologische Hilfe in Anspruch. Ein Fünftel ist laut Erhebungen seelisch erkrankt.

Main-Tauber-Kreis. Die Zahlen sind besorgniserregend: Etwa 20 Prozent der Jungen und 14 Prozent der Mädchen sind psychisch krank. In Baden-Württemberg waren im Jahr 2018 insgesamt 124 970 AOK-Versicherte unter 17 Jahren deshalb in ärztlicher oder psychologischer Behandlung, im Landkreis waren es 1823.

Die Daten der AOK werden auch von der KIGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts bestätigt, die bei 20 Prozent der Jugendlichen psychische Auffälligkeiten festgestellt hat. In Baden-Württemberg stiegen die Behandlungszahlen zwischen 2014 und 2028 jährlich um 2,3 Prozent. Der Main-Tauber-Kreis hatte in diesem Zeitraum den gleichen Wert zu verzeichnen.

Lebensqualität nimmt stark ab

Waren im Landkreis 2014 noch 1421 AOK-versicherte Minderjährige wegen Verhaltensauffälligkeiten oder Entwicklungsstörungen beim Arzt, so erhöhte sich deren Zahl in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich: 1540 im Jahr 2015, 1603 im Jahr 2016, 1730 im Jahr 2017 und 1823 im Jahr 2018.

„Psychische Störungen, wie zum Beispiel Depression oder Angststörungen, gehören zu den häufigsten Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter“, so AOK-Ärztin und Psychotherapeutin Dr. Sabine Knapstein. Durch die Einschränkung ihrer psychischen Gesundheit würden Betroffene stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Dies wirke sich auch auf das körperliche Wohlbefinden sowie die schulische und berufliche Entwicklung negativ aus.

Zu den häufigsten Diagnosen zählen Sabine Knapstein zufolge ADHS, soziale Verhaltens- und auch Ess-Störungen. Zur Entstehung und zum Verlauf tragen viele Umstände bei, insbesondere auch individuell-lerngeschichtliche sowie psychosoziale Faktoren. „Je besser die persönliche Unterstützung im unmittelbaren Umfeld ist, desto besser kann sich die seelische Gesundheit eines Kindes entwickeln.“

Die AOK Baden-Württemberg hat sich zusammen mit Haus-, Kinder- und Jugendärzten, Psychotherapeuten und Psychiatern deshalb darauf geeinigt, die seelische Gesundheit im Sinne des sogenannten biopsychosozialen Modells zu fördern und hat die Versorgung zu einem alltagsnahen Hilfenetz zusammengeführt.

„Dadurch wird das ambulante Versorgungsangebot flexibler und kann intensiviert werden“, heißt es in der Mitteilung der Verantwortlichen weiter. Teil davon sind auch die Sozialpädagoginnen des Sozialen Dienstes der AOK, die den Betroffenen und ihren Familien vertraulich mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Eltern und Kinder erhalten Informationen über die Erkrankung und mögliche Therapien. Sie werden auch über Selbsthilfe und Hilfsstrategien beraten,“ erläutert Dr. Knapstein. aok