Main-Tauber

Berufliche Schulen im Main-Tauber-Kreis Digitalisierung schreitet voran / Einrichtungen sollen mit sogenannten verketteten Anlagen ausgestattet werden

Hohe Investitionen in „Wirtschaft 4.0“ stehen bevor

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Die rasant an Fahrt aufnehmende Digitalisierung war das Schwerpunktthema einer Besprechung zwischen den Leitern der Beruflichen Schulen im Main-Tauber-Kreis und der Landkreisverwaltung als Schulträger. Außerdem wurde über die Fortentwicklung des Bildungsangebotes beraten.

„Der digitale Unterricht gewinnt mehr und mehr an Bedeutung und stellt die Schulen vor neue Aufgaben“, erklärte Jochen Müssig, Dezernent für Kreisentwicklung und Bildung beim Landratsamt, der die Sitzung leitete. Dies bestätigten alle Schulleiter. Sie sehen sich vor intensiven Herausforderungen für den Schulalltag. Vor allem der Tablet- und PC-gestützte Unterricht wird Einzug halten und die Lernlandschaft nachhaltig verändern.

Damit dies gelingt, müssen die Schulen ihre Medienentwicklungspläne erstellen und der Schulträger dafür Sorge tragen, dass in den Schulgebäuden ein leistungsstarker Breitbandanschluss und damit auch W-LAN verfügbar ist. „Wir freuen uns natürlich sehr, dass aufgrund der Breitbanderschließung im Main-Tauber-Kreis bis Ende 2019/Anfang 2020 alle Schulen im Landkreis mit einem unmittelbaren Glasfaseranschluss ausgestattet sind“, erklärt Landrat Reinhard Frank. Die Beruflichen Schulen könnten somit auch aktuelle Schulverwaltungsprogramme und Schulclouds nutzen.

Die Medienentwicklungspläne der Schulen seien die Voraussetzung für den Antrag auf Fördermittel aus dem Digitalpakt der Bundesregierung. In diesen Medienplänen müsse ersichtlich sein, wie sich die Schulen künftig aufstellen und ihre Lehrer hinsichtlich der neuen Unterrichtsformen qualifizieren. Aus dem Digitalisierungspakt erhält das Land Baden-Württemberg 585 Millionen Euro. Diese Gelder werden analog der Schülerzahlen auf die Schulträger verteilt. Das sind in Baden-Württemberg für die allgemeinbildenden Schulen in der Regel die Städte und Gemeinden und für die Beruflichen Schulen und Sonderpädagogischen Beratungs- und Erziehungszentren die Landkreise. Dem Main-Tauber-Kreis stehen rund 2,2 Millionen Euro zu. „Wir sind dankbar, dass diese Gelder in einem Zeitraum von fünf Jahren abgerufen werden können“, sagte Dezernent Jochen Müssig. Dies lasse ausreichend Zeit, um mit den Schulleitungen gewissenhaft die Erfordernisse auszuarbeiten.

Das Thema „Wirtschaft 4.0“ soll im Jahr 2020 weitestgehend umgesetzt werden. Es ist vorgesehen, dass die drei Gewerblichen Schulen im Landkreis mit so genannten verketteten Anlagen ausgestattet werden. Dies sind kleine Produktionsstraßen, die EDV-gesteuert die Produktion von Artikeln simulieren. Schüler lernen bei der Arbeit mit diesen Anlagen die ganzheitliche Planung, Gestaltung und Fertigung eines Produkts.

Daneben werden Grundlagenlabore eingerichtet. Sie enthalten Einzelmodule aus diesen Anlagen als Lernstationen. Für diese Investitionen fallen rund 720 000 Euro an. Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg fördert das Projekt mit 300 000 Euro, zahlreiche Unternehmen geben insgesamt 80 000 Euro dazu. Die verbleibenden Kosten trägt der Main-Tauber-Kreis als Schulträger. Auch die Gegebenheiten bezüglich der Kleinklassen und des erweiterten Schulangebots „AV Dual“ wurden in der Expertenrunde erörtert. Jugendliche, die im Anschluss an den Besuch der allgemein bildenden Schule noch Förderbedarf haben, werden über eine duale Ausbildungsvorbereitung zu einer Ausbildung geführt. Darüber hinaus kann AVdual auch Jugendlichen mit Bildungsziel Fachschulreife (Besuch der zweijährigen zur Fachschulreife führenden Berufsfachschule 2BFS), einen flexiblen Weg mit hoher Durchlässigkeit in Ausbildung bieten.

Das Angebot AV Dual ist ab dem Schuljahr 2020/2021 an den Beruflichen Schulstandorten in Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim und Wertheim vorgesehen. Auch für dieses Projekt hat der Kreistag des Main-Tauber-Kreises bereits grünes Licht gegeben. lra