Main-Tauber

Im Igersheimer Bürgerhaus Top-Kabarettist Mathias Tretter spielt am Freitag, 21. September sein Programm „PoP“ / Vielfach ausgezeichnet

Herrlich komisch: Zeitalter des Amateurs ist angebrochen

Igersheim.Mathias Tretter hat sie alle, die wichtigen Preise für Kabarettisten: vom Deutschen Kleinkunstpreis 2010 und dem Deutschen Kabarettpreis 2009 bis hin zum Bayerischen Kabarettpreis „Senkrechtstarter“ 2008 und dem Salzburger Stier 2007 sowie dem Jurypreis des Berliner Kabarett-Theaters „Die Wühlmäuse“ 2006.

Von seinen Fans in Igersheim wird er jedenfalls schon schmerzlich vermisst: der Leipziger Kabarettist Mathias Tretter hat seit 2008 regelmäßig das Publikum hier mit seinen messerscharfen „Satirischen Jahresrevanches“ begeistert. Nachdem er diese Jahresrückblicke nicht mehr spielt, präsentieren Gemeinde und Kulturkreis Igersheim diesen Top-Kabarettisten nun am Freitag, 21. September um 19.30 Uhr mit seinem aktuellen Soloprogramm „PoP“ im Igersheimer Bürgerhaus.

„In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes.“ Andy Warhol meinte es tatsächlich ernst, als er jedem diesen Quatsch versprach. Aus den 15 Minuten sind ja längst 140 Zeichen geworden. Zwar wird auch damit niemand zwingend berühmt, aber mitunter zumindest US-Präsident. Was mit Casting-Shows begann, erreicht in Donald Trump nun endlich seinen sturmfrisierten Höhepunkt: Das Zeitalter des Amateurs. Blogger sind die neuen Journalisten, Hipster die neuen Bierbrauer, AfDler die neuen CDUler. Sänger kriegen den Literatur-Nobelpreis, Kinder erziehen ihre Eltern, das Oval Office ist der neue Hobbykeller. Und außenrum und untendrunter die Welt, die schlingert, dass es selbst den Profis schlecht wird. Die Zehner Jahre: Dilettanz auf dem Vulkan. Die Auskenner dagegen heißen „Lügenbresse“ und „verschisenes Estäplischment“ (sic – wenn Rechte schreiben, führt das nicht zu Rechtschreibung). Einst hat man seine Mängel kaschiert, heute versteckt man seine Fähigkeiten. Wer Adorno zitiert, gilt als großkotzige Elitesau. Aber wenn man sagt: „Adorno? Sie meinen den neuen Fünftürer von VW?“ – dann ist man im Gespräch.

David Bowie, Prince, Leonard Cohen und George Michael mussten einfach sterben in dem Jahr, in dem alles Pop wurde. Mathias Tretter ist noch da. Lebendiger denn je, böse wie nie, mit dem Programm der Stunde: „Pop“, also: Politkomik ohne Predigt. Von einem Profi oraler Präsenz. Mit Plödeleien oberster Populistik. Peziehungsweise, ohne Pescheidenheit: 150 Minuten Ruhm.

Mit einem der besten deutschen Kabarettisten, ausgezeichnet mit zahlreichen Top-Preisen und dem Kabarett-Publikum sicher auch bekannt aus den namhaften Kabarett-Sendungen. Und die Presse schrieb: „Tretter schafft es, über Transhumanismus, die Post-Post-Moderne, das Retro-Phänomen Windowing und den Fluch der Unsterblichkeit bei gleichbleibend hohem intellektuellen Anspruch in einem derart unverschämt locker-nonchalanten Duktus und Habitus zu reden und zu spielen, dass man in Gedanken noch kein halbes Mal abschweift. (Süddeutsche Zeitung, Thomas Becker)