Main-Tauber

Hilfe im Krankheitsfall Der Verein Pro Care unterstützt Familien und landwirtschaftliche Betriebe im Haushalt und bei der Hofarbeit

Helfersyndrom und ein großes Herz

Familien und Landwirtschaftsbetriebe können sich im Krankheitsfall Hilfe ins Haus holen: Der Verein Pro Care übernimmt diese Aufgaben.

Main-Tauber-Kreis. Sie kocht, putzt und wäscht. Und das nicht bei sich zuhause, sondern bei Menschen, die wegen einer Krankheit auf Unterstützung angewiesen sind. Petra Kohler ist morgens bei einem älteren Herrn, für den sie den Haushalt organisiert und das Mittagessen kocht. Am Nachmittag hat die fünffache Mutter eine neue Herausforderung: Dann ist sie bei einer Familie mit Schulkindern, deren Mutter schwer erkrankt ist, und kümmert sich auch schon mal um die Hausaufgaben der Kleinen. „Hier komme ich als Oma“, freut sich die 61-Jährige.

Das Helfersyndrom sitzt bei ihr tief – und die Patienten sind dankbar. Petra Kohler ist eine von 17 Mitarbeitern bei Pro Care. Der Verein mit Sitz in Neckarelz und je einer Außenstelle in Tauberbischofsheim und Sinsheim sieht sich als Partner für Haushaltshilfe, Familienhilfe und Betriebshilfe in landwirtschaftlichen Unternehmen. Gerade die Flexibilität macht für die Windischbücherin den Reiz ihrer Arbeit aus. „Die Leute lassen sich auf uns ein und wir uns auf sie.“ Das geht sogar bis zu den kulinarischen Vorlieben. Nicht nur Kindern kocht sie deren Leibgerichte, sondern auch den älteren Patienten. Da steht gerne Hausmannskost, wie eine Zemette auf dem Programm.

Flexibilität wichtig

Eine kranke Mutter im Haus zu ersetzen, ist nur eine von vielen Aufgaben, die Petra Kohler übernimmt. Ihr Chef Udo Schlachter, Leiter der Tauberbischofsheimer Außenstelle von Pro Care, betont: „Unser Ziel ist es, Familien und Personen, die Hilfe benötigen, schnell, kompetent und bedarfsorientiert zu unterstützen.“

Als Arbeitsgemeinschaft für landwirtschaftliche Betriebs- und Haushaltshilfe vor 50 Jahren gegründet, hat sich der Verein vor rund 15 Jahren in „Pro Care“ umbenannt. Die Aufgabe ist aber geblieben: die Unterstützung in Haus und Hof. Dabei sieht man sich als Ergänzung zu Maschinenring und Diakonie. „Unsere Arbeit ist ein Spiegel des Lebens.“ Denn mit vielfältigen Situationen und Wohnungen müssen sich die Mitarbeiter zurechtfinden. Dabei ist Schlachter und den Mitarbeitern stets die soziale Komponente wichtig.

Der Auftrag ist klar: „Der Haushalt bei den Patienten muss ohne Komplikationen weiterlaufen.“ Wenn dann die Rückmeldung komme, dass Pro Care eine Hilfe war, „sind das die schönsten Einsätze“. Die Arbeit erledigen – und sich nicht in die Probleme vor Ort einmischen. „Wir sind nicht die Erzieher oder Missionare, sondern die Helfer vor Ort, um die ausgefallene Person im Haushalt zu ersetzen“, so Schlachter. Dies sei nicht immer leicht.

Der Leiter der Pro-Care-Außenstelle in Tauberbischofsheim hat derzeit viel zu tun, die Einsätze zu koordinieren. Rund 250 solcher Hilfeleistungen im Jahr über den gesamten Main-Tauber-Kreis hinaus bis hin zu Kommunen im angrenzenden bayerischen Raum Richtung Miltenberg oder Würzburg werden von ihm koordiniert. Die Anfragen übersteigen die Kapazitäten, neue Familienhelfer werden händeringend gesucht.

Unter den 17 Beschäftigten sind auch fünf Männer, die vorwiegend als Betriebshelfer in der Landwirtschaft ihren Dienst tun. Standen früher vor allem Hilfen in landwirtschaftlichen Betrieben an, sind es heute mit rund 75 Prozent vorwiegend hauswirtschaftliche Einsätze. Und die kann jeder in Anspruch nehmen, wenn die Krankenkasse des Patienten zustimmt.

Fachpersonal gesucht

Schlachter weiß, wie schwierig es ist, an qualifiziertes Personal zu kommen. „Wir verlangen viel, gehen aber auch auf vieles ein“, sagt er mit Blick auf Teilzeitmodelle. Ohne eine Fachausbildung geht es aber nicht. Das Berufsbild der Hauswirtschafterin sei vielfältig, aber der Ruf nicht der beste. Drei Jahre dauert die Ausbildung der Fachkräfte. Noch schwieriger ist es für Betriebshelfer in der Landwirtschaft. „Nur der Spaß am Bauern spielen, reicht nicht aus“, sagt Schlachter und verweist auf Fachwissen zur Düngung oder auch den speziellen Führerschein.

Udo Schlachter ist froh über solch flexible und motivierte Mitarbeiter wie Petra Kohler. Genau diese Flexibilität sei wichtig. Denn die Einsätze sind nicht planbar, Unterstützung bei Krankheiten und Unfall müssen oft schnell erfolgen. Und sie belasten die Mitarbeiter psychisch und emotional – etwa, wenn die Patienten ihre Krankheit nicht besiegen können. Deshalb gibt es regelmäßige Treffen, Supervision und auch praktische Weiterbildung, von der Säuglingsernährung bis zum Staplerlehrgang.

Die Wäsche für den Senior ist gewaschen, der Abwasch erledigt. Nun macht sich Petra Kohler auf den Weg zur nächsten Familie. Auch hier steht das Putzen an. Und für die Kinder soll es noch einen leckeren Kuchen geben. Darauf freut sich die erfahrene Helferin am meisten.