Main-Tauber

Covid-19-Pandemie Jugendhilfeausschuss erhielt einen Überblick über die bisherige Entwicklung

Fritz regt Task Force für Kinder- und Jugendhilfe an

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Jugendamtsleiter Martin Frankenstein gab einen Überblick, wie sich die Covid-19-Pandemie auf die Kinder- und Jugendhilfe im Main-Tauber-Kreis ausgewirkt hat.

Gerade der Lockdown ab Mitte März habe gezeigt, dass er auf der einen Seite stabilisierende Faktoren für Familien durch einen engeren Zusammenhalt gebracht, auf der anderen Seite aber auch zu Verunsicherungen geführt habe. Unterschiede machte Frankenstein klar beim Thema Bildungsgerechtigkeit aus, die vom Geldbeutel der Eltern und der damit verbundenen technischen Ausstattung abhänge.

Der Jugendamtsleiter erläuterte die einzelnen Fördermaßnahmen, die es in den vergangenen Monaten gegeben habe. Sie reichten von der Unterstützung von Jugendverbänden und Vereinen über die Kindertagesbetreuung bis zu den Trägern der Jugendhilfe.

Letztere versuchten – wie auch das Jugendamt – den Kontakt zu ihrer Klientel so gut es ging aufrecht zu erhalten. „Da waren Fantasie und Kreativität der Freien Träger der Jugendhilfe und des Jugendamts gefragt“, so Frankenstein. Neue Arbeitsmethoden auf Beratungsebene wurden probiert und kurzerhand eingeführt.

Auch die Heimerziehung bei coronabedingten Schulschließungen musste personell und inhaltlich umorganisiert werden. Die soziale Gruppenarbeit konnte aufgrund der Vorschriften nicht stattfinden, andere Hilfen seien fast vollständig erbracht worden.

„Wir hatten in den Monaten März, April und Mai keine übermäßigen Kinderschutzmeldungen“, nannte Frankenstein die Fakten entgegen aller Befürchtungen. Das sei allerdings die reine Datenlage. Zu bedenken sei, dass in dieser Zeit soziale Kontakte gefehlt hätten, bei denene ein Betroffener eventuell sein Herz ausgeschüttet hätte.

Manchmal, merkte Werner Fritz für den Paritätischen Wohlfahrtsverband an, habe der Eindruck geherrscht, dass der Infektionsschutz im Vordergrund stehe und die Frage um das Wohlergehen der Familien in den Hintergrund gerückt sei. Klar sagte er: „Die Kinder- und Jugendhilfe muss systemrelevant sein.“ Er betonte, wie wichtig es sei, aus der Covid-19-Pandemie zu lernen, und regte an, eine Kriseneinheit für die Kinder- und Jugendhilfe als Task Force zu schaffen, in die alle Akteure eingebunden seien. Landrat Frank nahm diesen Vorschlag an und versprach, über Verbesserungen nachzudenken. hvb