Main-Tauber

Wettbewerb Zwei Metzger-Lehrlinge aus dem Kreis haben es mit ihrem Snack unter die besten zehn beim bundesweiten Wettbewerb von Homann Feinkost geschafft

Fachjury mit viel Kreativität überzeugt

Archivartikel

Sie sind klein und mit einem Happs schnell gegessen: Mit ihren Spießen wollen zwei Metzger-Lehrlinge bei einem bundesweiten Wettbewerb die Konkurrenz schlagen.

Main-Tauber-Kreis. Handlich sind sie und genau richtig für den kleinen Hunger – die Spieße, die Nils Schuler und Maximilian Lang zaubern. Schnell zubereitet und sofort zu genießen.

Die 16-Jährigen sind im ersten Lehrjahr als Fleischer-Auszubildende. Zusammen mit noch einem Klassenkameraden sind sie aber nicht nur die einzigen ihres Fachs in der Nahrungs-Berufsschulklasse der Gewerblichen Schule Bad Mergentheim, sondern auch noch ziemlich kreativ. Für den bundesweiten Wettbewerb „Snack des Jahres 2019“ der Firma Homann Feinkost unter dem Motto „Aufgespießt“ haben sie sich mit eigenen Ideen beworben. Ziel war, einen Snack anzubieten, der entweder sofort gegessen werden kann oder zu Hause fertig zubereitet wird.

Stolz und glücklich

„Wir sind unheimlich froh und stolz, dass es unser würziges KaSpe-Spießchen geschafft hat“, sagen Nils Schuler und Maximilian Lang. „KaSpe“ steht dabei für Kartoffel-Speck. Mit ihrem Snack haben die Lehrlinge sogar Profis hinter sich gelassen. So hat man die Kombination von Kartoffeln und Speck wohl noch nie gegessen. Die Zubereitung ist ganz einfach: Aufgespießt und ausgehöhlt werden die Drillinge, eine kleine Kartoffelsorte. In die Mitte kommt eine Speckscheibe, die durch das leichte Erhitzen ihr Aroma abgibt. Und die Krönung ist etwas Joghurt-Knoblauch-Snack-Sauce des Feinkost-Herstellers. Denn für den Wettbewerb muss ein Homann-Produkt verwendet werden.

Von ihren insgesamt drei eingereichten Fingerfood-Varianten – bei 85 Einsendungen von 107 Teilnehmern – hat es eine in die enge Auswahl und unter die Top Ten geschafft. Die Spieße haben vor den kritischen Augen der Homann-Jury bestanden. Mitmachen konnten übrigens alle Metzger-Nachwuchskräfte vom ersten Lehrjahr bis zu Gesellen mit fünf Jahren Berufserfahrung.

Auf die Idee kamen die Azubis durch ihre Fachlehrerinnen Susanne Thienel, Kerstin Lanig-Wyes und Friedrich Albrecht. „Sie haben uns animiert mitzumachen“, erzählt Nils Schuler nicht ohne Stolz. Eingereicht haben sie insgesamt drei Snacks. Neben dem KaSpe-Spieß gab es noch einen modernen Innereien-Spieß mit gebackenem Apfel und geröstetem Brot und einen aufgespießten Wrap mit Hackfleischfüllung.

Von Entwicklung bis Kalkulation

In der Kronenmetzgerei Schilpp in Schrozberg, wo Nils Schuler die Ausbildung begonnen hat, gibt es zum Mittagstisch immer kleine Gerichte – ob warm oder kalt. Und auch Maximilian Lang, der bei der FF Taubertaler Fleisch- und Wurstwaren GmbH mit Sitz in Lauda-Königshofen arbeitet, ist tatkräftig mit dabei. So war es für beide keine Schwierigkeit, sich an die gestellte Aufgabe zu machen: Rezept entwickeln und schreiben, eine Alternative überlegen, Zubereitung, Wareneinsatz und Verkaufspreis ermitteln. Lediglich die Kalkulation stellte für die Jungs eine Herausforderung dar: Dieser Themenkomplex wird erst im dritten Lehrjahr vermittelt, aber auch das haben sie mit ihren Fachlehrern für das Projekt erarbeitet.

Entstanden sind die handlichen Kreationen in der Wurstküche der Gewerblichen Schule. Während des praktischen Unterrichts wurde probiert, kombiniert und wieder verworfen. Da die Lehrlinge die komplette Produktpalette von Homann Feinkost zur Verfügung hatten, wurden sogar gewagte Varianten getestet. Hilfestellung erhielten die Jugendlichen auch von den Lehrkräften, die so manche Pause geopfert haben.

Um ihre Wettbewerbsbeiträge ins richtige Licht zu rücken, haben sich die beiden professionelle Hilfe geholt. Der Fotograf Gerd Bayer, der in Rüsselhausen einen Biobauernhof betreibt und selbst gelernter Koch ist, hat die Teenager kostenlos unterstützt. Er sei sofort begeistert gewesen. „Von ihm haben wir nicht nur tolle Fotos zur Präsentation, sondern noch viele wertvolle Tipps erhalten“, sind die 16-Jährigen dankbar für die Hilfe. So habe Bayer ihre Kreationen mit Salat passend aufgepeppt. Als „Gegenleistung“ haben sie bei dessen Fest auf dem Martinshof eifrig mitangepackt.

Anpacken können die Metzger-Lehrlinge. Sie sind schon als Kinder mit landwirtschaftlichen Betrieben groß geworden. Während Maximilian Lang in Tauberbischofsheim seine eigenen Schafe besitzt, ist Nils Schuler mit Milchviehhaltung vom eigenen Bauernhof in Wolkersfelden aufgewachsen. In dem kleinen Ortsteil von Niederstetten hat die Familie zwar vor rund zwei Jahren die Tierhaltung aufgegeben. Aber Sohn Nils kann sich gut vorstellen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Dass er Metzger werden will, wisse er seit dem ersten Praktikum in der sechsten Klasse. Damals war er schon in seinem jetzigen Lehrbetrieb. Er habe sich auch von anderen Praktika nicht abbringen lassen. Gerade die Vielseitigkeit des Berufs, vom Schlachten bis zur Wurstherstellung in Handarbeit, macht ihm besonders Spaß. Nils Schuler will andere Jugendliche für dieses Handwerk motivieren.

So sind die 16-Jähringen in Schulen unterwegs, um kräftig „Nachwuchs“ zu werben. Dabei ist auch wichtig zu vermitteln, dass nicht jeder, der den Beruf erlernen möchte, schlachten muss. Man kann insgesamt aus sechs Wahlqualifikationen auswählen, Schlachten ist eine davon, erzählt die Nachwuchskraft.

Jetzt fiebern die Jugendlichen dem Online-Voting für ihre Kreation entgegen. Die beiden 16-Jährigen hoffen, dann auch gut abzuschneiden. „Auch wenn ein Top-Ten-Platz jetzt schon sehr toll ist.“